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Wohnen in Sachsen

Schauspiel Leipzig

Leipzig
Im Parkett des Schauspiel Leipzig

Nähe zum Publikum in distanzierten Zeiten

Das Schauspiel Leipzig lebt wie alle Theater von Unmittelbarkeit und der Präsenz des Publikums. In Corona-Zeiten gilt: Neue Ideen und Formate müssen her, die sich mit der Frage auseinandersetzen, wie das Theater jetzt aber auch in Zukunft aussehen soll. In Leipzig wurde daher kurzerhand die Premiere des Stücks „Das Schloss“ von Kafka ins Netz verlagert und als vierteilige Serie mit dem Namen „k.“ über das Konferenztool „Zoom“ ausgespielt. Intendant Enrico Lübbe erzählt, was sonst noch alles in Bewegung ist.
 

Was steckt hinter der Idee der ersten Theaterpremiere über ein digitales Konferenzsystem?

Das Projekt ist eine Initiative des Teams um unseren Hausregisseur Philipp Preuss. Aufgrund der Corona-Krise mussten wir seine Premiere von „Das Schloss“ nach Texten von Franz Kafka absagen, die eigentlich Ende April stattfinden sollte. Philipp hat sich dann entschlossen, die Beschäftigung mit Kafkas Werk über das Videokonferenzformat Zoom weiterzuführen. Es begann ein virtueller Probenprozess mit dem künstlerischen Team und der ursprünglichen Besetzung der Schloss-Inszenierung, woraus ein eigenständiges Projekt entstanden ist. Die „analoge“ Premiere von „Das Schloss“ haben wir in die kommende Spielzeit verlegt.  
 

Wie kam das beim Publikum an?

Das Publikum freut sich generell sehr über unser Online-Angebot. Für die ersten beiden Folgen des Kafka-Projektes haben wir aufgrund der anhaltenden Nachfrage bereits Zusatztermine angesetzt und das Projekt bis Mitte Mai verlängert. 
 

Kann Theater ohne anwesendes Publikum funktionieren?

Die Online-Angebote werden vom Publikum gerne angenommen. Über unsere Social Media-Kanäle und unseren Besucherservice bekommen wir aber auch gespiegelt, wie sehr sich die Zuschauerinnen und Zuschauer freuen, unsere Inszenierungen wieder live sehen zu können. Unsere Schauspielerinnen und Schauspieler sehnen sich insgesamt sehr danach, wieder auf einer realen Bühne zu spielen. Theater hat eben viel mit einer Bühnensituation zu tun, mit konkreter körperlicher und geistiger Arbeit in einem Probenprozess und mit der Energie, die im Live-Kontakt mit dem Publikum entsteht. 
 

An welchen Formaten arbeiten Sie sonst gerade aufgrund von Corona? 

Neben dem bereits erwähnten Kafka-Projekt streamen wir dienstags und donnerstags Mitschnitte von älteren und neueren Inszenierungen über unsere Webseite. Zu Ostern gab es ein Osterspecial für die ganze Familie mit einer Inszenierung aus der „Zauberland-Reihe“ nach Alexander Wolkow. Unser Schauspielensemble ist außerdem unter dem Motto „Küchenbretter, die die Welt bedeuten“ auf den Facebook- und Instagram-Kanälen des Schauspiel Leipzig aktiv und zeigt Minimonologe aus dem aktuellen Stückerepertoire. Manche werden dabei zu regelrechten Social Media-Stars.
 

In Ihren Werkstätten werden gerade anstelle von Kostümen Masken genäht, wie fühlt sich das an?

Natürlich ist es gut, dass wir die Stadt auf diesem Wege unterstützen können. Viele von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Bereichen Ausstattung und Ankleide helfen mit, Masken und Schutzanzüge zu nähen. 
 

Kann die Krise eine Chance sein?

Das ist schwer zu sagen, zumal die gesellschaftlichen Veränderungen gar nicht abzusehen sind. Bezogen auf das Theater lassen unsere Planungen momentan nur einen engen Zeithorizont zu. Die permanente Ungewissheit über die nächsten Wochen und Monate bedeutet auch für uns eine große Herausforderung, auch wenn wir versuchen, insgesamt positiv in die Zukunft zu blicken. Es ist nicht auszuschließen, dass aufgrund der intensiveren Beschäftigung mit digitalen Formaten neue interessante Ästhetiken entstehen. Vor allem aber bin ich sicher, dass viele Menschen momentan noch deutlicher bemerken, welchen Stellenwert Kunst und Kultur in ihrem Leben einnehmen. Als Theatermenschen sind wir ja immer Teil eines gesamtgesellschaftlichen Prozesses und da fragen auch wir uns von Tag zu Tag intensiver, wann unser Publikum – von den sehr jungen bis zu den älteren Zuschauerinnen und Zuschauern – wieder ins Theater kommen kann und wann auch wir wieder proben und aufführen, also unserer Arbeit nachgehen, dürfen. 

 

Credits: Rolf Arnold