Annberg, Buchholz, Smart Rail Connectivity Campus, Deutsche Bahn, Erzgebirge, TU Chemnitz

Die Weichen sind bereits gestellt: Am 12. April trafen sich Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler aus ganz Deutschland in Annaberg-Buchholz, um über den neuen „Smart Rail Connectivity Campus“ zu sprechen. In dem europaweit einzigartigen Modellprojekt sollen zahlreiche Innovationen rund um hoch automatisierte Eisenbahnen und ökologisches Fahren mit hybriden Antrieben erforscht und weiterentwickelt werden.

Im zweiten Teil des Beitrags zum digitalen Stellwerk kommen unter anderem Vertreter der TU Chemnit, der Deutschen Bahn und weiterer Institutionen auf Forschung und Wirtschaft zu Wort.

Hendrik Ammoser, Institut für Bahntechnik

Annberg, Buchholz, Smart Rail Connectivity Campus, Deutsche Bahn, Erzgebirge, TU Chemnitz

Als Thinktank betreiben wir viel Forschung für den Bahnsektor in Deutschland. Die Teststrecke für moderne Bahntechnologie, die gerade im Erzgebirgsraum entsteht, ist eine große Chance für die Region Chemnitz und für Sachsen. Wer auch immer neue Technologien für die Eisenbahn entwickelt, sei es die Industrie oder Forschung, muss diese irgendwo ausprobieren können. Rund um die Strecke durch das Erzgebirge möchten wir deshalb eine Infrastruktur dafür bereitstellen – Werkstätten, Seminarräume und vieles mehr.

Auf der heutigen Veranstaltung haben wir Gelegenheit, uns mit Vertretern von Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu vernetzen, die im Bahnbereich aktiv sind oder Technologien entwickeln, die zukünftig für den Zugverkehr interessant sein werden. Daraus ergibt sich die Chance, bestehende Projekte zu beschleunigen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. Unser Ziel ist es, den  Bahnverkehr zuverlässiger und komfortabler zu gestalten, sodass die Züge möglichst sogar häufiger verkehren und dass bei steigender Leistung Bahnfahren günstiger wird.

Stefan Hänisch, DB Netz AG

Annberg, Buchholz, Smart Rail Connectivity Campus, Deutsche Bahn, Erzgebirge, TU Chemnitz

Ich stehe hier auf einem unserer modernsten Fahrzeuge zur Fahrbahninstandhaltung. Man kann damit z.B. Signale stellen und Weichenantriebe austauschen. Unsere Aufgabe ist es, die Bahngleise für verschiedene Arten von Zügen verfügbar zu halten. Auf den Strecken wurden verschiedenste Leit- und Sicherungstechniken verbaut, die teilweise über hundert Jahre alt sind. Durch die modernen, digitalen Systeme werden diese jetzt abgelöst.

Für die Region hat das Projekt aus meiner Sicht eine große Bedeutung. Wir befinden uns hier in einer Randlage von Deutschland – auch wirtschaftlich. Deshalb ist es besonders wichtig, dass hier innovative Techniken erprobt werden können. Wir haben die Hoffnung, dass die Lösungen, die Unternehmen und Forschungseinrichtungen hier testen, zukünftig auch deutschlandweit ausgebaut werden.

Maria Kremsreiter, Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr

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IAV möchte die Mobilität von morgen und den Transportverkehr der Zukunft aktiv mitgestalten. Daher arbeiten wir aktuell an neuen Ansätzen und Lösungen für die Bahntechnik. Bei der Teststrecke im Erzgebirge sind wir in den Bereichen Sensorik, Signalverarbeitung und Systemintegration involviert. Konkret geht es darum, ein Assistenzsystem für Triebfahrzeugführer zu entwickeln. Im Moment muss ein Lokführer noch auf viele verschiedene Signale rechtzeitig reagieren. Wir möchten durch die zunehmende Automatisierung dafür sorgen, dass er unterstützt und entlastet wird.

Wichtig ist uns, dass die Systeme in Zukunft sicherer werden. Die Tätigkeitsbereiche, insbesondere der Lokführer, können sich damit verändern. Denkbar ist z.B. dass sich der Triebfahrzeugführer zukünftig auch stärker um die Betreuung der Reisenden kümmern wird. Zudem kommt es mitunter vor, dass sich selbst erfahrene Mitarbeiter von neuen komplexen Systemen überfordert fühlen. Wir achten deshalb besonders darauf, unsere Lösungen einfach und robust zu gestalten, um möglichst viele Menschen damit zu unterstützen.

Fabian Berger, MUGLER AG

Annberg, Buchholz, Smart Rail Connectivity Campus, Deutsche Bahn, Erzgebirge, TU Chemnitz

Die MUGLER AG ist ein Dienstleistungsunternehmen im Telekommunikationsbereich. Wir sind durch unsere Kontakte zur Deutschen Bahn und zur TU Chemnitz auf den Smart Rail Connectivity Campus aufmerksam geworden. Ziel unserer Beteiligung an dem Projekt ist es, ein 5G Testnetz für den automatisierten Bahnverkehr zu errichten und in diesem Rahmen auch eigene Forschungsarbeiten durchzuführen. Das Netz ermöglicht uns, alle Verkehrsteilnehmer und Steuerelemente in einem bestimmten Gebiet zu erfassen und miteinander zu verbinden. Dadurch können wir den Verkehrsfluss optimieren und mehr Sicherheit für alle Beteiligten schaffen.

Mich persönlich fasziniert an dem Projekt, dass Bahnen dadurch zukünftig vollständig automatisiert fahren werden. Auf dieser Basis können wir die bereits bestehenden Ressourcen besser nutzen und wirtschaftlicher agieren. Die Teststrecke bei Annaberg eignet sich optimal für das Vorhaben. Sie stellt durch die hügelige Landschaft und eine Länge von 24 km anspruchsvolle Bedingungen. Es wird niemand gestört, weil hier kein regulärer Bahnbetrieb mehr stattfindet. Und die Bahntechnologie sowie die vielen Partner aus Forschung und Industrie bilden die ideale Grundlage, um neue Entwicklungen voranzutreiben.

Prof. Dr. Andreas Polze, Hasso Plattner Institut

Bei uns am Hasso Plattner Institut in Potsdam sind Softwaretechnik und IT-Sicherheit wichtige Themen. Es ist eine große Herausforderung, Sicherheit in offenen Systemen wie einer Bahnstrecke herzustellen. Dazu besteht erheblicher Forschungsbedarf. Ein zentraler Punkt ist die Kommunikation zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern. Über das sogenannte Car2Car-Protokoll können Autos heute bereits Daten miteinander austauschen. Darüber werden z.B. Notrufe abgesendet und Verkehrsteilnehmer vor Gefahrenstellen gewarnt.

Unser Ziel ist es, dieses Protokoll auch für die Kommunikation zwischen Bahnübergang und Auto sowie Haltestelle und Zug zu nutzen. Im Moment sind wir gemeinsam mit Siemens, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der Deutschen Bahn noch in der Entwicklungsphase.

Im übernächsten Jahr möchten wir dann auf der Strecke zwischen Annaberg und Schwarzenberg einen mehrwöchigen Feldtest durchführen. Ich persönlich freue mich ganz besonders, an dem Projekt mitzuarbeiten, weil meine Familie väterlicherseits aus dem Erzgebirge kommt und ich den munteren Geist der Menschen in der Region seit meiner Kindheit sehr schätze.

Text & Fotos: Anne Schwerin

Zum ersten Teil des Beitrags geht es hier!

Annberg, Buchholz, Smart Rail Connectivity Campus, Deutsche Bahn, Erzgebirge, TU Chemnitz

Endlich ist es soweit: Bürgermeister Rolf Schmidt und Prof. Gerd Strohmeier von der TU Chemnitz unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung zum „Smart Rail Connectivity Campus“.