„Die Welt ist bei uns drham. Willkommen im Erzgebirge“ bringt es auf den Punkt: Das Erzgebirge braucht Fachkräfte von außerhalb, um künftig Jobs in allen Branchen mit Menschen, mit Fachkräften besetzen zu können.
Rein demografisch betrachtet gibt es in Zukunft keine personellen Ressourcen mehr, aus denen man schöpfen kann und auch die Arbeitslosenquote ist mit 4,3 Prozent aktuell so gering wie noch nie.

Doch: Die Region fängt nicht bei Null an. Wenn auch die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer im Erzgebirge deutschlandweit vergleichsweise gering ist, so gibt es sie schon seit Jahren in der Region. Sie sind hier längst angekommen, leben und arbeiten hier, haben Familien gegründet oder mitgebracht, bringen sich in Vereine und Nachbarschaft ein. Nur mit einem anderen nationalen Hintergrund, der trotz aller anfänglichen Hürden langfristig als bereichernd empfunden wird.

Um Zuwanderer aus dem Ausland – aber ebenso auch aus dem Inland – gut aufzunehmen und schnell zu integrieren, bedarf es der Sensibilität für die besonderen Ängste und Bedürfnisse, die ein Mensch hat, der seine vertraute Heimat mit einer neuen Umgebung, neuen Menschen und vor allem einer neuen Sprache eintauscht.

Der Spot des Welcome Centers setzt genau dort an und rückt fünf Menschen, die im Erzgebirge mit ihren Familien leben und arbeiten, in den Vordergrund. Es sind die Kinderärztin Dr. Jana Ondriašova, Koch Ricardo Basjan, Chefdirigent und Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi, FCE Fußballprofi Dimitrij Nazarov und Leonid Kondratiev, Facharbeiter für Metall- und Konstruktionstechnik. Sie alle engagieren sich und zeigen mit Überzeugung ihr Gesicht für den Spot, weil sie sich inzwischen selbst hier zuhause fühlen.

Dr. Jana Ondriašova

Dr. Jana Ondriašova ist Kinder- und Jugendärztin am Erzgebirgsklinikum Annaberg. 2012 aus der Slowakei mit Mann und drei Kindern ins Erzgebirge gezogen, ist die Region längst ihre zweite Heimat geworden. Das Gesundheitssystem in Deutschland mit all seinen großartigen diagnostischen Möglichkeiten bot für sie von Anfang an viel Potential. Privat begeistert sie im Erzgebirge vor allem die Natur und die Chance auf echte Winter. Für ihre Arbeit in ihrer Kinderambulanz brennt Jana Ondriašova täglich aufs Neue, auch weil das ganze Team wie eine große Familie agiert – eine Erfahrung, die ihr aus heutiger Sicht in der Slowakei fehlte. Ein Landsmann, der schon einige Zeit länger an der Klinik arbeitet, war es, der die junge Frau mit seiner Zufriedenheit im neuen Job und in der neuen Heimat für den Schritt nach Deutschland überzeugte. Dennoch erinnert sie sich noch ganz genau an ihren ersten Tag im Erzgebirge: „Es war mein Vorstellungsgespräch. Die Sekretärin des Chefarztes sprach richtig erzgebirgisch, ich verstand so gut wie nichts und da dachte ich: Das schaffst du nie.“ Inzwischen denkt sie mit einem Lachen an diese erste schwere Zeit zurück, in der sie gut von den neuen Kollegen unterstützt wurde. Ihr Familienalltag funktioniert in zwei Sprachen: Lernen die Kinder für die Schule, wird konsequent deutsch gesprochen, ansonsten das Slowakisch gefördert.

Leonid Kondratiev

Der 29jährige gebürtige Ukrainer Leonid Kondratiev ging ursprünglich als Student nach Deutschland, um die deutsche Sprache und damit seine beruflichen Chancen in der Ukraine zu verbessern. 2014 kam er wieder, fasziniert von Land und Leuten, absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr und begann im Erzgebirge trotz ukrainischem Studienabschluss als Maschinenbauer nochmals eine Berufsausbildung als Facharbeiter für Metall- und Konstruktionstechnik von der Pike auf. Auf die Frage nach dem Warum sagt er: „Die Anerkennung des Studienabschlusses war kostspielig.“ Heute ist er Mitarbeiter bei der PTF Pfüller GmbH & Co. KG in Stollberg und in der Freizeit engagiertes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Auf Eigeninitiative in Vereinen mitzuwirken sei aus zwei Gründen wichtig: um sozialen Anschluss zu bekommen und um den erzgebirgischen Dialekt zu lernen. Die Kuriositäten des Dialekts verfolgen ihn auch heute noch, vor allem, wenn er sich mit seinen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr trifft und es eher rustikal zugeht. Der Unterschied zu den ersten Wochen: Anfangs verstand er kaum ein Wort – heute lacht er lediglich, wenn manche Dinge komisch klingen. Und wenn er doch ein Wort nicht versteht, blättert er in seinem erzgebirgischen Wörterbuch nach, das ihn bisher gut begleitet hat. Auf die Frage, was ihn am Erzgebirge so begeistert, dass er hier heimisch wurde, sagt Leonid Kondratiev: „Die Menschen sind so herzlich, das fiel mir hier als erstes auf.“

Ricardo Basjan

Eigentlich war im persönlichen Lebensplan des Südafrikaners nicht vorgesehen, seine Heimat Kapstadt zu verlassen. Wenn auch Freunde Stadt und Land verließen, wusste er: Ich hab hier alles, wovon andere träumen. Bis die Liebe zu einer jungen Annaberg-Buchholzerin, in Kapstadt über ein freiwilliges soziales Jahr unterwegs, die Pläne durchkreuzte: „Aus meiner Sicht gab es immer nur einen Grund, mein Elternhaus zu verlassen: der Liebe wegen“, erzählt Ricardo Basjan. 2012 kam der gelernte Koch nach Deutschland und ist heute glücklicher Familienvater zweier Mädchen. Als seine größte Hürde, um hier im Erzgebirge anzukommen, beschreibt Ricardo Basjan den erzgebirgischen Dialekt. Noch zuhause absolvierte er am Goethe-Institut in Kapstadt das Sprachlevel A1, fühlte sich gut gerüstet und spürte im Erzgebirge schnell: „Hier wird kaum hochdeutsch gesprochen, die Sprachbarriere ist enorm. Anfangs fragte ich mich: Ist das überhaupt Deutsch?“ Der Umgang mit der neuen Familie hier und mit Kollegen bereicherte den Wortschatz schnell. So sehr, dass sich heute in sein fließendes Deutsch, erzgebirgische Wörter mischen. Aus seiner Herkunft und seinem turbulenten Start samt komplizierter bürokratischer Abläufe in Deutschland zieht er viel Positives: Zum einen wachsen seine Kinder zweisprachig auf – zum anderen bringt er mit seiner schon reichen Lebenserfahrung junge Menschen als Ausbilder beim Christlichen Jugenddorf CJD auf „Kurs“ und ihnen so mehr als nur Kochen bei: „Motivation und eigener Wille sind die Basis, um viele Dinge im Leben zu erreichen.“ Und schlussendlich sagt Ricardo Basjan noch eins zum Thema Erzgebirgisch: „Ich fühle mich wohl auch deshalb so heimisch hier, weil über unseren besonderen Dialekt in Kapstadt genauso in ganz Südafrika gelacht wird wie manchmal über den Dialekt hier.“

Naoshi Takahashi

Wenn im Eduard von Winterstein Theater das Orchester seine ersten Takte spielt, sind auch alle Augen auf ihn gerichtet: Naoshi Takahashi, Chefdirigent und Generalmusikdirektor der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH. Nach seinem Studium an der Staatlichen Universität für Musik und bildende Künste Tokio kam er 1999 zunächst nach München, um dort sein Studium fortzusetzen, für das er mit dem Meisterklassendiplom ausgezeichnet wurde. Nach Stationen in Brandenburg und Osnabrück übernahm der Japaner 2006 das Zepter als Chefdirigent der Erzgebirgischen Philharmonie Aue. Neu angekommen in Annaberg-Buchholz spürte er eine angenehme Ruhe, aber auch eine Verschlossenheit der Erzgebirger. Heute sagt er, das sei nur der erste Eindruck gewesen und er wisse inzwischen, dass die Menschen hier sehr warmherzig sind und sich mehr untereinander helfen als anderswo. Gleich zu Beginn lernte er „Glück auf“ und später am Theater seine Frau – eine Sächsin – kennen, mit der er heute drei Kinder hat. Die Rasselbande versucht er zweisprachig zu erziehen. Das funktioniert mal mehr und weniger gut. Nicht jedes Kind hätte das gleiche Sprachtalent, meint er mit einem Schmunzeln. Inzwischen ist Takahashi hier nicht nur fest verwurzelt sondern sogar „Botschafter des Erzgebirges“. So ist er bekannt dafür, nie in seine Heimat Japan ohne einen Koffer voll Erzgebirge zu reisen. Für den Chefdirigenten gehört „multikulti“ zum Alltag, schließlich vereinen sich im Orchester Nationen aus der ganzen Welt. Musik ist international, spricht eine Sprache und verbindet. Dennoch ist es auch eine Kunst, die bunten Nationalitäten im Orchester zu einen. „Unsere Gemeinsamkeit ist aber, dass wir dennoch ein deutsches Orchester sind. Viel wichtiger als die Herkunft der Musiker ist es aber, eine gute Mischung aus Jung und Alt zu finden, die die perfekte Kombination im Orchester ausmacht“, erklärt Takahashi. Im Spot des Welcome Centers Erzgebirge mitzuwirken, war für Naoshi Takahashi Ehrensache: „Ich möchte anderen zeigen, was für uns im Orchester täglich selbstverständlich ist: sich unabhängig der Nationalität zu verstehen – einfach weil wir alle Menschen sind mit all unseren gleichen Emotionen und Gefühlen“