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Leben & Arbeiten

Lichtfest Leipzig - Augustusplatz

Leipzig

"WIR SIND" - partizipative Videoinstallation

Márton Noll (links) und Tamás Zádor (rechts) zusammen Glowing Bulbs

Was erwartet die Besucher auf dem Augustusplatz?

Zentrum von WIR SIND ist ein Turm mit 3,5m Höhe und 4,5m Durchmesser auf dem Augustusplatz, vor der Oper. Zwanzig Laserprojektoren projizieren ein zusammenhängendes Bild, aber es gibt keine konkrete Fläche, auf die die Geräte abzielen. Für die Besucherinnen und Besucher stehen 300 weiße Banner bereit, die sie dafür nutzen können, das Bild, das sonst nur frei in der Luft schweben würde, einzufangen, einem Bildschirm gleich. Die projizierten Motive sind aus historischen Aufnahmen montiert, die aus verschiedenen Archiven stammen bzw. aus Material, das bei dem Workshop entstand. Ein einzelner kann nur einen kleinen Teil sichtbar machen. Wenn sich aber mehrere Personen zusammenfinden, erscheint ein größeres Bild. Die Schilder sind transparent, so dass das Projizierte auf beiden Seiten sichtbar sein wird. Das heißt, auch wenn jemand kein Schild hat, wird erkennbar, was die anderen um ihn herum machen.

Was ist das Besondere bei der Arbeit mit den lokalen Partnern?

Wir arbeiten bei diesem Projekt nicht nur mit den Archiven zusammen und führen Zeitzeugengespräche, sondern richten den Blick auch ganz bewusst in die Gegenwart und Zukunft. Dass wir beim Workshop mit jungen, fünfzehnjährigen Menschen zusammenarbeiten, deren Eltern ’89 auch noch Kinder waren, zeigt, dass es sehr wichtig ist, darüber zu sprechen und in einer Gesellschaft die Erinnerungen lebendig zu halten, die Kraft spenden und die damals einen Zusammenhalt gaben oder die dem Zusammenhalt entspringen. Diese Geschichten immer wieder aufs Neue zu erzählen, ist essentiell. Es wirkt sich auf die ganze Gesellschaft aus, wenn diese Geschichten eben nicht vergessen oder unter den Teppich gekehrt werden, wenn es im Gegenteil vielleicht sogar unterschiedliche Meinungen darüber gibt. Verschiedene Formen des Erinnerns und des Rückblicks sind Grundlage von Dialog und Entwicklung in einer Gesellschaft.

Wie fließen die Ergebnisse des Workshops und der Archivrecherche in die Installation ein?

Wir schaffen verschiedene Schichten und benutzen dabei die Bilder aus dem Leipziger Archiv, dem aus Halle, ungarischen Archiven und natürlich auch die Reflexionen der Schülerinnen. Durch animierte Übergänge überlappen sich diese Bilder. Das Endergebnis ist ein sich langsam entwickelnder Strom aus Montagen und historischen Aufnahmen. Die Arbeiten der Jugendlichen werden die „jüngste“ Schicht darstellen, in der man nach ihren Bildern suchen und ihre Perspektive entdecken kann. So und durch die ergänzende Klangcollage entsteht ein ca. 15minütiger Loop.

Warum ist Partizipation so wichtig für euch?

Wir wollen, dass die Menschen durch unsere Installation scheinbar bekannte, aber auch eher unbekannte Bilder auf eine andere, neue Weise erleben und entdecken. Dass sie sie nicht als passive Zuschauer und Zuschauerinnen aufnehmen, wie in einer Ausstellung, bei einem Buch oder bei einem Film, sondern dass sie selbst erleben, dass es Mut braucht, auf einer Straße ein Schild hochzuhalten, auch wenn das Schild ein weißes ist, und auch wenn das hier und heute mit keiner Gefahr mehr einhergeht. Diese Geste, ein Schild auf der Straße hochzuhalten, gibt anderen Kraft und stellt gleichzeitig sehr viele Fragen in den Raum.

Was bedeutet Licht für euch?

Licht bedeutet Wissen und Sicherheit: dass wir nicht im Dunkeln tappen, sondern das sehen, was ist. Neben Sicherheit und Erkennen steht Licht aber auch für sehr interessante Experimente. Das Phänomen Licht war immer zentrales Motiv und treibende Kraft für Veränderung. Genau genommen könnte man sagen, dass unsere Beziehung zum Licht einen langen Weg zurückgelegt hat - von der Entdeckung des Feuers bis zur Ära der LEDs. Licht ist dadurch zu einem sehr spannenden Experimentiermittel geworden. Licht ist außerdem gut geeignet, um einem größeren Publikum gleichzeitig ein bestimmtes Erlebnis zu vermitteln. Also kein individuelles, sondern ein Gemeinschaftserlebnis.

Was ist das Spannendste an WIR SIND, was die größte Herausforderung?

Am schwierigsten ist sicherlich, aus der Vielzahl der Dokumente, die wir mit Hilfe der Archive finden konnten, eine Auswahl zu treffen. Leider können wir nur einen Bruchteil des Materials beim Lichtfest zeigen. Spannend wird auf jeden Fall, wie viele Besucherinnen und Besucher am Abend des 9. Oktober ein Schild in die Projektion halten werden, wie viel durch ihr aktives Mitmachen vom ganzen Bild sichtbar sein wird. Am schönsten wäre es natürlich, wenn sich der Kreis um den Projektionsturm komplett schließt.