Navigation überspringen
Inhalt überspringen
Leben & Arbeiten

Frauenpower aus Sachsen

Zu den Feierlichkeiten in diesem Jahr hat Sachsen-Anhalt, das aktuell die Bundesratspräsidentschaft innehat, eine Initiative gestartet, um Bürgerinnen und Bürger mit ihren Geschichten und ihren Eindrücken in den Fokus der Feierlichkeiten zu rücken.

Es sind Bürgerinnen und Bürger von 18 bis über 70 Jahre, die beschreiben, was für sie Deutschland ist, was für sie die Deutsche Einheit bedeutet. Sie erzählen, welches Projekt, welche Familiengründung, welches Erlebnis ohne die Deutsche Einheit vielleicht nicht möglich gewesen wäre. Sie sind die Gesichter ihrer jeweiligen Heimatländer und stehen stellvertretend für Erfolge, Chancen sowie Herausforderungen der Deutschen Einheit.

Viel haben Anne Schreiter und Maria Piechnick, die sächsischen Einheitsbotschafterinnen nicht vom Fall der Mauer mitbekommen. Weniger geprägt hat sie dieses Ereignis jedoch keineswegs.

Einheitsbotschafterin Anne Schreiter Foto: Staatskanzlei Sachsen-Anhalt/Die Filmagentur

Vom Vogtland hinaus in die Welt

Als die Mauer fiel war Anne Schreiter, Geschäftsführerin der German Scholars Organization, gerade einmal fünf Jahre alt. Ihre gemeinnützige Organisation berät, vernetzt und fördert junge Wissenschaftler in Karrierefragen. „Ohne die Wende wäre der Austausch mit Forschern und jungen Wissenschaftlern weltweit kaum so möglich wie es heute ist.“ Für sie ist die deutsche Einheit heute selbstverständlicher als für die Generation Ihrer Eltern. Die Weltenbummlerin hat schon viel in der Welt gesehen: nach ihrem Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in Berlin verschlug es sie nach Nanjing in China, wo sie chinesische Sprache und Kultur studierte und schließlich im schweizerischen St. Gallen promovierte.  „Ohne die Wende wäre mein Leben höchstwahrscheinlich komplett anders verlaufen. Ich hätte niemals so viele und verschiedene Perspektiven in der Welt sammeln und schließlich in meinem privaten und beruflichen Leben integrieren können.“

Anne Schreiter wünscht sich, dass die Menschen im Westen die Lebenserfahrung und die Umbruchs-Kompetenz der Ostdeutschen noch mehr wertschätzen. Die Ostdeutschen selbst könnten etwas mehr Selbstbewusstsein und Humor vertragen. „Deutschland benötigt zudem intensivere Unterstützung für junge Wissenschaftler. Es sollte außerdem mehr auf internationale Leute gesetzt werden und häufiger Offenheit an den Tag gelegt werden. Das wäre mein Wunsch für ganz Deutschland.“

„Für mich war Deutschland schon immer eins“

Maria Piechnick, die Mitgründerin des erfolgreichen Dresdner Startups Wandelbots entwickelt mit ihren Kollegen eine Technologie, die das ziemlich zeitaufwändige Programmieren von Robotern umgehen soll. Diese Technologie funktioniert für alle Systeme, unabhängig von den verschiedenen Programmiersprachen, die oft jeweils eigene spezielle Codes verwenden. Wandelbots‘ Idee könnte der dringend nötigen Robotisierung insbesondere im Mittelstand einen entscheidenden Impuls verpassen.

„Meine Motivation Einheitsbotschafterin zu sein ist es zu zeigen, dass hier in Sachsen vieles vorwärts geht und man einfach mal machen soll. Dann kommt dabei nämlich auch viel Gutes heraus.“ Auf die Frage hin, was Sachsen für sie bedeutet leuchten ihre Augen: „In Sachsen haben wir Spitzenforschung und Handwerkskunst. Diesen Mix aus so vielen Gegensätzlichkeiten finde ich einfach super spannend und faszinierend.“

Einheitsbotschafterin Maria Piechnick Foto: Staatskanzlei Sachsen-Anhalt/Die Filmagentur

Das Unternehmertum in die Wiege gelegt

Die DDR kennt Maria Piechnick nur durch Erzählungen ihrer Eltern. Sie denkt nicht mehr in Ost und West. Für sie ist Deutschland schließlich schon immer gemeinsam gewesen. Sie selbst konnte von Anfang an überall hinreisen und in den Geschäften konnten sie und ihre Familie alles kaufen was sie wollten. Deutschland war für sie schon immer eins. Und dennoch wurde sie durch die Wiedervereinigung mitgeprägt. Kurz nach der Wende und der damit einhergehenden Neustrukturierung der Betriebe waren sämtliche Arbeitsplätze gefährdet, daher gründete Piechnicks Vater kurzerhand seinen eigenen Betrieb als Elektroingenieur. Keine Frage: Unternehmertum, Erfindungsreichtum und Problemlösungsfähigkeit wurden ihr im Grunde in die Wiege gelegt.