Annberg, Buchholz, Smart Rail Connectivity Campus, Deutsche Bahn, Erzgebirge, TU Chemnitz

Auf dem geplanten „Smart Rail Connectivity Campus“ im Erzgebirge möchten Unternehmen und Forschungseinrichtungen die Bahntechnologien von Morgen entwickeln.

„Sachsen bietet optimale Voraussetzungen für die Erforschung neuer Bahntechnologien.“ – In diesem Punkt sind sich die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einig, die am 12. April in Annaberg-Buchholz zusammentrafen. Gemeinsam stellen sie aktuell die Weichen für einzigartiges Projekt: Auf dem sogenannten „Smart Rail Connectivity Campus“ sollen schon bald zahlreiche Innovationen rund um hoch automatisierte Züge und ökologisches Fahren mit hybriden Antrieben getestet werden.

Direkt vor den Toren von Annaberg-Buchholz befindet sich Richtung Schwarzenberg eine Bahntrasse, die bestens geeignet ist, um neue Ideen auszuprobieren. Der normale Zugverkehr wurde hier längst eingestellt. Auf der Strecke entlang grüner Hügel, gemütlicher Ortschaften und kleiner Bahnübergänge gibt es verschiedene Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, damit autonome Eisenbahnen zukünftig durch Deutschland rollen können. Mit den Technischen Universitäten von Dresden und Chemnitz, dem Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der Siemens AG, der Deutsche Bahn sowie anderen große Unternehmen stehen viele starke Kooperationspartner bereit, um das Vorhaben zu unterstützen.

Annberg, Buchholz, Smart Rail Connectivity Campus, Deutsche Bahn, Erzgebirge, TU Chemnitz

Von außen ist die Haltestelle Annaberg-Buchholz Süd ein ganz normaler Kleinstadt-Bahnhof. Innen befindet sich jedoch die hochmoderne Technik des Digitalen Stellwerks.

Die ersten Vorboten der Veränderung sind inzwischen zu sehen. Vom Bahnhof Annaberg-Buchholz Süd aus wird seit dem 19. Januar 2018 der Zugbetrieb durch ein digitales Stellwerk vollautomatisch gesteuert. Wofür früher viele Stellwerke notwendig waren, genügt heutzutage ein kleiner Computerraum.

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Während für die Technik im Stellwerk früher mehrere Räume notwendig waren, genügt heute ein einziger Computer-Schrank. Darauf sind die Mitarbeiter der Bahn zu Recht stolz.

Wenn alle Pläne aufgehen, werden auch am Unteren Bahnhof im Zentrum der Stadt in naher Zukunft die Umbauarbeiten beginnen. So könnte der alte Wartesaal schon bald ein Hörsaal werden. Auf 4.800 Quadratmetern sind große Forschungslabore und schicke Büros geplant, die später jede Menge Raum für neue Ideen und Experimente bieten. Es liegt auf der Hand, dass davon nicht nur die beteiligten Unternehmen und Einrichtungen profitieren. Auch die alteingesessenen Firmen in der Region und die Einwohner von Annaberg-Buchholz sind sehr gespannt, was sie erwartet. Immerhin hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung bereits 200.000 Euro an Fördermitteln zugesagt.

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Am Bahnhof Annaberg Buchholz Süd befindet sich nun das Digitale Stellwerk in Annaberg-Buchholz.

Wir haben am 12. April einige Vertreter aus Wirtschaft und Forschung auf ihrer Bahnfahrt nach Annaberg-Buchholz begleitet und nachgehakt, welche Erwartungen und Pläne sie mit dem Projekt verbinden.

Dr. Michael Meyer zu Hörste, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Annberg, Buchholz, Smart Rail Connectivity Campus, Deutsche Bahn, Erzgebirge, TU Chemnitz
Mein Bereich im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist das Institut für Verkehrs- und Systemtechnik. Wir haben bereits laufende Projekte mit der Erzgebirgsbahn, um bestimmte Technologien für den Einsatz im Umfeld von Zügen auszuprobieren. Bei der Veranstaltung heute möchten wir dem Publikum einen Teil unserer bisherigen Entwicklungen zeigen.

Konkret geht es z.B. um den Datenaustausch zwischen Autos und Bahnübergängen sowie zwischen Bahnsteigen und Zügen. Auf der Strecke gibt es einige Haltestellen, an denen Züge nur stoppen sollen, wenn wirklich jemand wartet. Hier ist es unser Ziel, dafür zu sorgen, dass diese Person vor Ort auf einen Knopf drücken kann und der Zug über die Kommunikationstechnologie das Signal erhält, dass dort ein Reisender mitgenommen werden möchte.

Sachsen ist eines der Bundesländer in Deutschland, die noch ein sehr weit verzweigtes Regionalbahnnetz besitzen. Wenn wir ein System installieren, das erkennt, wann jemand von A nach B fahren möchte, können wir den Bahnbetrieb effizienter und günstiger gestalten. Vor allem aber haben wir die Möglichkeit, den Bahnverkehr noch besser auf die Bedürfnisse der Reisenden abzustimmen.

Ingo Schwarzer, DB Systel

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Ich bin im IT-Bereich der Deutschen Bahn tätig. Unsere Projekte in der Erzgebirgsregion beschäftigen sich mit Bahnübergängen, Bedarfshalten, dem Sammeln von Daten und dem automatisierten Fahren. Wir arbeiten dabei mit vielen Partnern zusammen, unter anderem mit der Erzgebirgsbahn, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und dem Hasso Plattner Institut.

Ich bin mir sicher, dass die Menschen in der Erzgebirgsregion davon profitieren werden, was wir hier unternehmen. Wir können mit einer einfachen Technologie dafür sorgen, dass Züge beispielsweise nur dann halten, wenn tatsächlich jemand mitfahren möchte. Dadurch sparen wir Energie ein, von der gerade beim Bremsen und Anhalten ansonsten recht viel gebraucht wird. Zudem werden wir unbeschrankte Bahnübergänge sicherer machen.

Eines unserer weiteren Projekte befasst sich mit dem frühzeitigen Erkennen von Störungen. Im Moment dauert es immer noch eine Weile, bis die Mitarbeiter der Bahn in solchen Fällen Auskünfte geben können. Mit der neuen Technologie haben wir die Möglichkeit, unmittelbar zu reagieren und den Reisenden schneller eine alternative Verbindung vorzuschlagen.

Tobias Melzer, Thales

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Die Firma Thales  ist ein weltweit führender Technologiekonzern in den Märkten Luft- und Raumfahrt, Transport sowie Verteidigung und Sicherheit. Für uns ist die Strecke für Testzwecke sehr interessant und genau das schauen wir uns heute an. Das Projekt ist einzigartig in der Bundesrepublik. Gerade was die Fahrzeugautomatisierung betrifft, wird es die Industrie in der Region sicher fördern. Neue Technik kommt nur zum Einsatz, wenn sie vorher umfangreich getestet wurde. Und am Smart Rail Connectivity Campus bieten sich die optimalen Voraussetzungen dafür.

Zukünftig werden die Züge viel stärker automatisiert sein. Dadurch steigen die Zuverlässigkeit und die Sicherheit. Im Moment ist ein Großteil der Sicherheit noch vom Fahrer abhängig. Das ist ein Problem, zumal viele schwere Unfälle in der Vergangenheit auf menschlichem Versagen beruhen. Wir möchten solche Katastrophen verhindern. Um die entsprechende Technik einzusetzen, bedarf es allerdings vieler Tests und sehr hoher Sicherheitsstandards.

Zu Teil zwei geht es hier!

Beitrag & Fotos: Anne Schwerin