Gastbeitrag von René Eckert, Blickinsfreie

Kann man abgeschieden zwischen Fachwerkhäusern und grünen Hügel leben und trotzdem in der ganzen Welt zu Hause sein? Kann man mit Stahl arbeiten und doch federleichte, lichtdurchflutete Designobjekte erschaffen? Man kann. Sie kann. Stefanie Kölbel kann. Als ehemalige Schlagzeugerin behielt sie die Sticks einfach in der Hand, studierte Textilkunst in Schneeberg und fing an, ihren eigenen Rhythmus mit vier kleinen Holzstäben zu klopfen. Oder besser zu klöppeln. Und das nicht auf die alt traditionelle Art. Sie kreiert aus zarten hauchdünnen Edelstahlfäden und handgefärbte Polyamidfäden Knoten und Linien und formt diese zu filigranen und leichten Strukturen, die wiederum zu zierlichen Gebilden verwebt und gedreht werden. Zum Beispiel zu einer Kugel, der perfekten Form schlechthin. Sie benutzt dafür traditionelle Materialien, sucht oft lange nach antiken Glasperlen aus den 20ern, 50ern oder um die Jahrhundertwende, in graublau, purpur oder wassergrün. Dabei geht es nicht um den materiellen Wert, sondern um das Kleinod, für das es Zeit braucht. Und Geduld.

Stefanie nimmt sich die Zeit. Trotzdem rauschen ihr mit höchster Geschwindigkeit die Klöppelstäbe durch die Hände, und schlagen den Takt jenes Stromes, den man nur vernimmt, wenn man sich etwas traut. Dem Herzblut. Und das im Rythmus der Zeit, bedächtig, geduldig, bestimmt: sonst reist der Faden. Dafür gehen manchmal Wochen ins Land, um ein Schmuckstück fertig zu stellen. Doch es lohnt sich.

Sie hatte den Mut, das mit acht Jahren in der Grundschule erlernte angestaubte Traditionshandwerk in leichte, zarte Edelstahlobjekte umzuwandeln. Sogar das Guggenheim Museum New York hatte ihre Kunst im museumseigenen Shop verkauft. Dabei verfolgt Sie das Motto: Work hard. Show respect. Be brave. Have fun.

Stefanie wohnt trotz des beeindruckenden Erfolges mit ihrem Sohn im Vogtland, findet dort die Ruhe zum Arbeiten. Sie hat bei der Gründung ihres eigenen Labels ganz bewusst den Namen „Spitzenstücke“ gewählt: zweideutig für die geklöppelte Traditionsspitze und Synonym für einzigartige Arbeiten. „Spitzenstücke“ ist immer noch eine Ein-Frau-Show: sie fotografiert ihre Stücke selber, kümmert sich um die Korrespondenz im In-und Ausland, die Buchhaltung, Verkauf & Versand, Presse und Social-Media-Marketing und entwirft neben den Meisterstücken auch das Layout zum Shop. Auch in Ihrem Ladenatelier in Dresden stand Sie selber hinter dem Tresen. Und klöppelt. Mittlerweile für die Hälse, Hände und Ohren von Madrid, Lissabon, Brüssel, Cheongju, Boston, San Francisco, Philadelphia, New York. Durch die besondere Technik findet sie auch nicht so schnell Nachahmer, es benötigt mathematisches Verständnis, sagt sie. Respekt.

Wer sich selbst ein Bild von Stefanies Arbeiten machen will, sollte unbedingt ihre Homepage besuchen: www.spitzenstuecke.de