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Geschäftsleitung im Leipziger Klett Kinderbuch Verlag

In immer weniger Familien gehört die Gute-Nacht-Geschichte zum Einschlafritual. Fast 40 Prozent der Kinder zwischen einem und acht Jahren wird nie oder wenig vorgelesen, wie eine Umfrage der Stiftung Lesen jüngst ergab. Das muss sich ändern, findet Franziska Hauffe, seit 2019 Geschäftsleitung im Leipziger Klett Kinderbuch Verlag, der mit seinen eher unkonventionellen Kinderbüchern zu den Gewinnerinnen des Sächsischen Verlagspreises zählt.

Frau Hauffe, woher kommt Ihre Leidenschaft für die Literatur, speziell für Kinderbücher?
Mir wurde als Kind viel vorgelesen. Als ich dann selbst lesen konnte, habe ich das Abtauchen und Versinken in andere Welten weiter genossen, und so ist es bis heute.  Darum stand für mich auch schon früh fest, dass ich gern mit Büchern arbeiten möchte. In die Kinderbuchbranche bin ich dann eher zufällig geraten, weil mir der Verleger eines kleinen Kinderbuchverlags noch während meiner Magisterarbeit ein Volontariat anbot.

Sie setzen sehr für die Stärkung der Lesefähigkeit insbesondere im Kindergarten- und Grundschulalter ein. Warum ist das so wichtig?
Lesen ist die Voraussetzung für ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben. Das beginnt bei alltäglichen Dingen, wie, einen Bus-Fahrplan oder Schilder zu lesen und verstehen zu können, und reicht bis dahin, sich in Medien umfassend zu informieren und eine eigene Meinung zu bilden. Lesefähigkeit ist also eine wesentliche Säule unserer demokratischen Grundordnung. Deshalb geht die Lesefähigkeit unserer Kinder auch uns alle an und muss noch viel stärker in den Fokus rücken.

Wie engagiert sich der Verlag konkret?
In allererster Linie versuchen wir, eingängige Bücher für Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren zu machen, die wahrhaftig sind und die Kinder in ihrem Alltag abholen. Dabei geht es uns nicht vorrangig um Wissensvermittlung, sondern um gute Geschichten, die die Freude am Lesen wecken und den Horizont erweitern – das darf gern auch mal unkonventionell sein. Dann versuchen wir natürlich, unsere Kinderbücher überall dorthin zu bringen, wo Kinder sind. Für Kitas bieten wir beispielsweise Bücherkisten zum kostenlosen Ausleihen an. Interessierte Kitas können sich gern bei uns melden! Darüber hinaus engagieren wir uns in der IG Leseförderung des Börsenvereins. Neben meiner Arbeit im Verlag bin ich ehrenamtlich im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e. V. (avj) tätig. In dem Dachverband deutschsprachiger Kinder- und Jugendbuchverlage greifen wir u. a. auch aktuelle, gesellschaftspolitische Themen auf. So haben wir im Oktober 2022 die „Frankfurter Erklärung“ zum Zustand der Bibliotheken in Kitas und Grundschulen veröffentlicht und fordern darin unter anderem gezielte Förderprogramme für leseschwache Kinder und Jugendliche und die Verankerung von außerschulischer Lesevermittlung.

Wie ist es um das Lesevermögen der sächsischen Grundschüler bestellt?
Es gibt einige Studien, wie die IGLU-Studie oder die im Oktober 2022 veröffentlichten IQB-Bildungstrends 2021, die Auskunft über die Kompetenzen im nationalen und internationalen Vergleich geben. Demnach stehen die sächsischen Schülerinnen und Schüler im Bundesvergleich gut da, aber in Gesamtdeutschland können fast 20 % der Viertklässler nicht ausreichend gut lesen. Fakt ist: Das durchschnittliche Leseniveau ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich gesunken – auch in Sachsen.

Der Klett Kinderbuch Verlag ist 2022 für seine verlegerische Arbeit mit dem Sächsischen Verlagspreis ausgezeichnet worden. Wie wichtig sind derartige Auszeichnungen, auch als Signal für die sächsische Verlagsbranche?
Wir haben uns sehr über diese Auszeichnung gefreut. Sie ist eine schöne Wertschätzung unserer unabhängigen und vielfältigen Verlags- und Kulturlandschaft.

Sie leben und arbeiten in Leipzig, Sachsen ist Ihre Heimat. Was bedeutet für Sie „typisch Sächsisch“?
Dass es tatsächlich kein „typisch Sächsisch“ gibt. Die Sachsen, also alle Menschen, die in Sachsen leben, ob nun hier geboren oder zugezogen, sind wunderbar vielfältig und lassen sich nicht über einen Kamm scheren – nicht einmal beim Dialekt.

Was bedeutet Ihnen Heimat?
Ich tue mich schwer mit dem Heimat-Begriff, aber prinzipiell ist meine Heimat natürlich Leipzig. Hier bin ich geboren und aufgewachsen. Ich habe aber festgestellt, dass meine Heimat für mich eine größere Bedeutung hatte, als ich nicht in Leipzig, sondern in anderen deutschen Großstädten oder im Ausland gelebt habe. In der Ferne habe ich mich damit stärker identifiziert als ich es aktuell mache.

An welchen Lieblingsorten sind Sie am ehesten anzutreffen?
Mein Lieblingsort ist unser Garten. Ansonsten bin ich mit meiner Familie und Freunden auch häufig an den Seen im Leipziger Umland oder in den vielen Leipziger Parks anzutreffen.

Welche Klischees über die Sachsen regen Sie am meisten auf?
Ich ärgere mich zuweilen über die Pauschalisierung mancher in Bezug auf den Intellekt und die politische Weltanschauung der Sachsen. Die große Mehrheit derer, die hier leben, sind aufgeschlossen und weltoffen.

Wie ist es Ihrer Meinung nach um das Image Sachsens bestellt?
Ich glaube, das ist noch ausbaufähig. Da ich aber natürlich befangen bin, fände ich es spannend, an dieser Stelle Menschen zu Wort kommen zu lassen, die nicht in Sachsen geboren sind.

Was ist die größte Herausforderung, der sich Sachsen perspektivisch wird stellen müssen?
Die größte Herausforderung ist in meinen Augen sind der Klimawandel und seine Folgen.

Klett Kinderbuch Verlag

Der Klett Kinderbuch Verlag ist 2008 als kleiner Ableger des großen Stuttgarter Klett Konzerns in Leipzig gegründet worden, seit 2015 ist er

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