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Wirtschaftsstandort

CUBE: erstes Haus aus Carbonbeton

Dresden
Visualisierung des CUBE

Baustoff der Zukunft

Die Welt schaut auf Dresden. Genauer gesagt auf eine kleine Baustelle am Fritz-Förster-Platz. Hier wird in den nächsten Monaten der CUBE entstehen – das erste Haus aus Carbonbeton. Wir haben Initiator Prof. Manfred Curbach und Oberbauleiter Matthias Tietze an der TU Dresden getroffen und nachgehakt, was es mit der Euphorie auf sich hat.

Prof. Curbach, beim Thema Carbonbeton geraten Sie als Bauingenieur sofort ins Schwärmen. Warum gibt es eigentlich noch nicht längst Häuser aus diesem Material?

Prof. Manfred Curbach: Wir haben in Deutschland ein sehr strenges Baurecht, und das ist auch gut so. Die Zulassung eines Baustoffes ist ähnlich aufwändig wie die Einführung eines Medikamentes. Letztlich geht es um die Sicherheit, und da liegen wir mit 15 Jahren von den ersten kleinen Bauwerken bis zum Bau eines ganzen Carbonbeton-Hauses sogar gut in der Zeit. Jetzt arbeiten wir daran, dass die gesamte deutsche Bauindustrie ab dem nächsten Jahr Carbonbeton für die Konstruktion von Häusern nutzen darf.

Prof. Manfred Curbach: Initiator des CUBE in Dresden, des weltweit ersten Hauses aus Carbonbeton. © Anne Schwerin
CUBE-Oberbauleiter Matthias Tietze. © Anne Schwerin

Welche Vorteile bietet Carbonbeton im Bauprozess?

Matthias Tietze: Mit Carbonbeton benötigen wir bis zu 80 Prozent weniger Material. In ökologischer und ökonomischer Hinsicht bedeutet das einen Paradigmenwechsel für die Baubranche. Wir können zudem ästhetischer bauen, z. B. geschwungene Elemente, wie das Dach des CUBEs. Alle Prozesse lassen sich sehr gut automatisieren und digitalisieren.

Prof. Manfred Curbach: Hinzu kommt die lange Lebensdauer. Gebäude aus Stahlbeton halten 80 Jahre, Bauwerke aus Carbonbeton bis zu 200 Jahre. Und das Beste: Wir können das Material später einfach recyceln und wiederverwenden!

Der CUBE soll Ausstellungs- und Veranstaltungsraum sein, aber auch der Wissenschaft dienen. Was möchten Sie erforschen?

Prof. Manfred Curbach: Wir wollen überprüfen, wie sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit entwickeln. Ganz wichtig ist zudem das Verformungsverhalten. Der CUBE wird per Spritzverfahren in einem Stück gebaut, das sind über 24 Meter ohne Fugen. Stahlbeton bildet bei vier Metern bereits Risse. Erste Experimente lassen hoffen, dass uns dies mit Carbonbeton nicht passiert.

Dürfen Dresdener Studierende an den Forschungsvorhaben teilnehmen?

Prof. Manfred Curbach (lacht): Sie müssen! Unsere Studierenden aus den Bereichen Bauingenieurwesen und Architektur werden sicher einige Haus- und Abschlussarbeiten über den CUBE schreiben.

„Mit Carbonbeton liefern wir ein kleines Mosaiksteinchen, um einen positiven Beitrag zu leisten.”
Prof. Manfred Curbach
Direktor des Instituts für Massivbau an der TU Dresden und Initiator des CUBE in Dresden

Welche Auswirkungen hat der CUBE auf den Standort Dresden?

Matthias Tietze: Es werden zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen. Wir haben über 160 Partner, viele davon in Sachsen. Regionale Unternehmen arbeiten mit uns daran, Beton, Carbonbewehrungen und ganze Fassadenelemente zukünftig in großen Mengen herzustellen.

Prof. Manfred Curbach: Und nicht zu vergessen: Carbonbeton tut Umwelt und Klima gut. Schließlich ist die Zementherstellung für sechs Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Noch spüren wir davon in Deutschland wenig. Doch die Temperatur steigt. Ein Blick in die USA zeigt, was passiert, wenn wir jetzt nicht handeln. Mit Carbonbeton liefern wir ein kleines Mosaiksteinchen, um einen positiven Beitrag zu leisten.

Titelbild: (c) Iurii Vakaliuk, TU Dresden, IMB

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