„In Wirklichkeit bin ich gar nicht mutig...“
„… aber ich habe einen mutigen Mann an meiner Seite“, schmunzelt Doreen Wunderlich, und der habe sie ermutigt, die Weichen in ihrem Leben noch einmal komplett neu zu stellen. Von der promivierten Biologin in der Kinderonkologie zur Unternehmerin mit einem „Herz für Tiere“. Vor sieben Jahren war das. Sie tauschte Laborkittel und Business-Kostüm gegen Hygieneschutzkleidung und begann das zu tun, was sie nie für möglich gehalten hatte: Sie kochte, pürierte, experimentierte, füllte ab, etikettierte – und am Ende stand es vor ihr: Bio-Tierfutter mit Lebensmittelqualität. Und sie: Chefin der kleinen Tierfutter-Manufaktur „Pfotenliebe“ mit Sitz in Chemnitz.
Frau Wunderlich, wie kam es dazu, dass Sie als studierte Biologin Ihren Job an den Nagel hingen, um fortan um gesundere Tiernahrung herzustellen?
Meine Arbeit in der Kinderonkologie brachte eine sehr hohe psychische Belastung mit sich und gleichzeitig eine große wirtschaftliche Unsicherheit, da die meisten Stellen in dem Bereich befristet sind. So habe ich mich nach einem Job in der freien Wirtschaft umgeschaut und habe zunächst in der Medizintechnik gearbeitet, mit Analysegeräten für die Krebsdiagnostik. Dann hat mich eine lebensbedrohliche Erkrankung aus der Bahn geworfen, und ich musste mich zurück ins Leben kämpfen. Mit wachsender Verantwortung im Job stieg dann schnell wieder die Arbeitsbelastung, mental wie physisch. Ich musste die Reißleine ziehen.
… der Schritt in die Selbstständigkeit. Welche Ängste gingen damit einher, welche Hoffnungen?
SCHAFFE ich das? Finanzielle Sicherheit in einem Angestelltenverhältnis aufgeben? Habe ich die Fertigkeiten, ein eigenes Unternehmen vollumfänglich zu leiten? Welche Unbekannten kommen auf mich zu? Die Selbstständigkeit bedeutete große Investitionen und große Verantwortung. Meine Hoffnung war, selbstbestimmter zu leben und mich durch die Herausforderungen weiterzuentwickeln und natürlich: DASS ES GUT WIRD!
Haben Sie die Entscheidung je bereut?
Nein, aber ich würde es nur unter günstigeren Rahmenbedingungen wieder tun. Ohne Coronapandemie, ohne Ukrainekrieg und damit einhergehender Energiekostenexplosion.
Kommen wir zu Ihren Produkten. Sie bieten Katzen- und Hundefutter in Premiumqualität. Was ist das Besondere daran? Was unterscheidet es von handelsüblicher Tiernahrung?
Unsere Produkte werden vorwiegend aus Bio-Zutaten hergestellt, soweit es den jeweiligen Rohstoff auch in Bio gibt (beim Wild gibt es beispielsweise kein Bio). Das heißt, sie enthalten weder zugesetzten Zucker, noch Konservierungsstoffe, Verdickungsmittel oder sonstige Füllstoffe. Unser Futter ist ausgewogen, beutenah, hochwertig, leicht verdaulich – und natürlich mit der Extraportion Liebe hergestellt (schmunzelt).
Was ist Ihrer Meinung nach das Geheimrezept für eine gesunde und ausgewogene Ernährung bei Tieren?
Ganz klar drei Prinzipien: Qualität, Natürlichkeit, Bedarfsorientierung. Die Nahrung sollte so natürlich wie möglich sein, so wenig wie möglich verarbeitet und mit möglichst wenigen Zutaten auskommen, dafür aber hochwertige und leicht verdauliche Rohstoffe (v.a. Proteine), keine überdosierten Vitamine und Spurenelemente enthalten.
Die Deutschen lieben ihre Vierbeiner heiß und innig. Rund 15,9 Mio. Katzen und 10,5 Mio. Hunde leben derzeit unter deutschen Dächern. Statistisch betrachtet lebt damit nahezu in zwei Dritteln der 41 Millionen Privathaushalte ein Vierbeiner. Absatzprobleme dürften Sie damit nicht haben, oder?
So einfach ist das nicht. Die hochwertigen Zutaten und die schonenden Herstellungsverfahren sind mit deutlich höheren Kosten verbunden als eine Massenproduktion mit günstigen, industriellen Zutaten. Zudem stehen wir in einem nicht unerheblichen Wettbewerbsumfeld. Dennoch können wir mit unserer Entwicklung zufrieden sein. Mehr geht natürlich immer. Wir hoffen sehr, dass wir auch mit unserer regionalen Herkunft viele Tierliebhaber in Sachsen und darüber hinaus erreichen können.
Sie haben vermutlich selbst Hund oder Katze…? Taugt dieser/diese zum „Vorkoster“ bzw. muss neue Rezepte probeessen?
Ja, wir haben zwei Appenzeller Sennenhunde, Cara und Ole. Cara macht regelmäßig den Verträglichkeitstest. Sie frisst grundsätzlich alles, ist aber durch eine chronische Erkrankung etwas sensibel. Bei ihr merkt man sofort, wenn etwas schwer verträglich ist. Unser Ole ist super käbsch und macht immer erst den Geschmackstest. Wenn es ihm schmeckt, könnte es für viele Vierbeiner infrage kommen. Aber auch unsere anderen Pfotenliebe-Tiere: Ursel, Bira, Finny, Enea, Erwin und Nala dürfen regelmäßig an den Vorkoster-Napf und neue Produkte testen.