Sachsen lädt zum Wandern ein! Was viele nicht wissen: hier gibt es nicht nur eine „Schweiz“. Neben der Sächsischen Schweiz, ist auch die weniger bekannte Vogtländische Schweiz einen Ausflug in die Natur wert. Früh morgens klingelt unser Wecker und wir machen uns, ausgerüstet mit Wanderrucksack und Sonnencreme, auf von der Leipziger Tieflandsbucht ins rund 130 Kilometer entfernte Städtchen Netzschkau im Vogtland, ganz im Südwesten Sachsens. Dichte Nebelschwaden wabern über die grünen Felder und sanft geschwungenen Hügel, die Straßen sind wie leergefegt und langsam geht es bergauf.

Im Ortsteil Brockau stellen wir das Auto auf einem kleinen Parkplatz ab, von hier aus geht es zu Fuß weiter. Unser Ziel: der „Kuhberg“ – mit 511 Metern die höchste Erhebung im nördlichen Voigtland und seit über 1000 Jahren ein beliebtes Ausflugsziel in der Region. Der Rucksack wird geschultert und los geht es. Mehrere Wanderwege und ein Naturlehrpfad ziehen sich über den dicht bewachsenen Berg bis zur Spitze. Wer den direkten, asphaltierten Weg wählt, braucht nicht lange, doch wir lassen uns vom Hauptweg abführen und erkunden die vielen kleinen Pfade und Wanderwege, die sich rund um den Berg schlängeln. Durch den meterhohen Wald lasst sich am Horizont an mancher Stelle schon die Aussicht auf die Vogtländische Schweiz erahnen, doch noch ist der Gipfel nicht erreicht. Am Naturlehrpfad begegnet uns eine Schulklasse auf Wandertag. Die Mädchen pflücken bunte Wildblumen, die Jungs diskutieren welche der einheimischen Pflanzen am giftigsten ist. Die Lehrerin ruft, es geht weiter und auch wir setzen unsere Wanderung fort. Die letzten paar Meter bis zum Gipfel sind etwas steiler, doch dann ist es geschafft.

Vor uns ragt ein schmaler, steinerner Turm in die Höhe. Der „Kuhberg Aussichtsturm“ wurde im Jahr 1900 auf dem Berg errichtet – seitdem haben unzählige Wanderer die 64 Stufen bis nach oben erklommen und auch wir lassen uns den letzten Aufstieg nicht nehmen. Und es lohnt sich: wer den 21 Meter hohen Aussichtsturm erklimmt, wird mit einer fantastischen Aussicht über das gesamte Voigtland und weit darüber hinaus belohnt. Bei gutem Wetter kann man am Horizont sogar das Fichtelgebirge auf der einen und das Leipziger Völkerschlachtdenkmal auf der anderen Seite am Horizont erspähen.

Wieder untern angekommen rattern Modelleisenbahnen über winzige Schienen die sich am Fuße des Aussichtsturms entlang schlängeln. Ca. 30 Gartenmodellbahnen sind auf den rings um den Turm verlegte Schienen im Einsatz und fahren vorbei an aufwendig aufgebauten Szenerien mit kleinen Häusern, Bahnhöfen, Figuren und sogar einem Modell der imposanten Göltzschtalbrücke. Ein Paradies für Modelleisenbahn-Fans!

Nach all den Eindrücken knurrt uns der Magen, doch in der Gaststätte „Kuhbergbaude“ gibt es ausreichend kulinarische Stärkung in Form von gut bürgerlichen, regionalen Gerichten und erfrischenden Getränken. Auf der sonnigen Terrasse lässt es sich bei frischen Pfifferlingen und einer prickelnden Bio-Limonade hervorragend durchatmen und auf den Abstieg vorbereiten. Liebes Vogtland – wir sehen uns mit Sicherheit wieder!

Alle Fotos im Beitrag ©Kai Bergmann

Text ©Franziska Müller