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Anja Fritz hat sich als Frau in einer Männerbranche durchgesetzt. Nur zufällig wurde sie Winzerin im Elbtal und baute in harter Handarbeit das Weingut Mariaberg auf.

Anja Fritz sitzt selten still. Ständig ist sie in Bewegung, auch in der glühenden Mittagshitze rennt sie ihre Weinberge hoch und runter, als wäre das gar keine Anstrengung. Stolz erzählt sie, was sie rundherum geschaffen hat, die unzähligen Reben, die sich hier aufreihen und gerade in sattem Grün austreiben. Ganz oben auf der Bergkuppe, an einem winzigen, verwunschenen Winzerhäuschen, wird Anja Fritz zum ersten Mal leise. Sie genießt die Schönheit des Elbtals, das ihr zu Füßen liegt, den fantastischen Ausblick hinüber nach Meißen. In der Ferne schimmern die Silhouetten der Meißner Altstadt. „Mir ist es wichtig, dass die Menschen von mir aus ihrem Alltag herausgeholt werden“, sagt sie. „In meiner kleinen, grünen Welt ist das hier möglich.“

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Ein Knochenjob: Anja Fritz bei der Pflege ihrer Weinreben.

Ruhige Momente gibt es im Leben der Winzerin selten. Manchmal am frühen Morgen, dann spaziert Anja Fritz schon mal im Schlafanzug und mit einer Tasse Kaffee in der Hand durch ihren „Tuttifrutti-Weinberg“, wie sie ihn nennt. Auf den mittlerweile gut zwei Hektar Anbaufläche wachsen sämtliche Sorten, zu 80 Prozent alte Reben. „Darunter auch viel Goldriesling und Traminer, also Weine, die typisch sächsisch trocken sind. Das ist unser Ding.“

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In einem der wenigen ruhigen Momente entspannt Anja Fritz auf ihrem Weingut.

Hätte man Anja Fritz vor vielen Jahren die Zukunft vorhergesagt, von Wein, langen Arbeitstagen und einem Gut in Sachsen erzählt, wäre sie in schallendes Gelächter ausgebrochen. Nichts in ihrem Leben deutete auf solche Perspektiven hin. Sie lebte in Braunschweig und arbeitete jahrelang als Wirtschaftsassistentin für renommierte Unternehmen. Bis sie mit Anfang 30 neue Horizonte suchte. Zuerst ging sie mit dem Rucksack auf Weltreise und besuchte die fernsten Winkel der Erde. Danach suchte sie mit ihrem damaligen Mann ein Ziel, an dem sie sesshaft werden wollten. Ostdeutschland interessierte sie.

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Der Blick vom Weingut Mariaberg hinab ins Tal.

Nicht ganz zufällig kam das Paar also 2004 nach Sachsen, stand dort aber irgendwann zufällig vor einem alten Winzerhaus, zauberhaft gelegen am Fuße eines steilen Weinbergs am Rand von Meißen. Ein entscheidender Moment, der ihr Leben veränderte – hier wollten sie ihre Zukunft verbringen. Zu dem Anwesen gehörten 600 Rebstöcke. „Es hätte auch eine Mühle sein können. Oder hinter dem Haus hätten Rinder stehen können“, erzählt sie. Doch es waren eben Weinberge. Also entschlossen sie sich, ganz unten anzufangen, als Haus-Sanierer und Neu-Weinbauern in einer extremen Steillage: „Wir hatten keine Ahnung von Wein, keine Geräte, nix“, sagt sie. Nur die Idee, dass daraus etwas Gutes werden könnte.

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Fast schon mediterran mutet der Blick auf das Weingut an.

2008 wurde das Weingut Mariaberg gegründet. Heute, zehn Jahre später, ist Anja Fritz eine der wenigen Frauen in einer Branche, in der nach wie vor Männer dominieren. Die 47-Jährige hat keine Probleme, sich zu behaupten. „Ich bin eine One-Woman-Show mit Biss und Power. Das merkt man schnell.“   Das Gelände hat Anja Fritz zu einer Marke aufgebaut und kann von sich sagen: Vieles hat sie selbst geschafft, denn Winzern ist ein Kraftakt und auch in ihrem Fall schwere Handarbeit, denn die Hänge hinter ihrem Haus bearbeitet sie ohne Raupe oder Traktor. Inzwischen hilft ein kleines Team von Mitarbeitern, aber Anja Fritz steht bei vielen Aktionen noch immer selbst mit am Hang. „Da wuchtet man schon mal 40 Kilogramm schwere Düngesäcke und schneidet bei glühender Hitze Reben in der Steillage. Bei der Lese müssen alle Trauben natürlich auch mühsam den Berg heruntergeschafft werden.“

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Ein Idyll für alle Sinne: Das Weingut Mariaberg.

Die ersten nützlichen Hinweise für die Arbeit bekam sie einst von ihren Nachbarn, meist altgedienten Hobby-Winzern. Außerdem hat sie mit Weinbau-Beratern auf ihren Hängen zusammengearbeitet. Inzwischen produziert ihr Gut etwa 8000 Flaschen jedes Jahr. Sie kann längst mitreden, wenn es um Weinbau geht. Und doch sieht sich Anja Fritz nur zur Hälfte als Winzerin, zur anderen als Botschafterin des Elbtals, als Wein-Touristikerin. „Wir sind ein kleines Gebiet mit nur drei Dutzend Winzern im Hauptberuf. Das heißt, wir Winzer müssen zusammenhalten, um auf unsere Weinbau-Region aufmerksam zu machen.“ Sie selbst hat das Gebiet sogar schon einmal als gekröntes Haupt vertreten. 2010, im 850. Jahr des Sächsischen Weinbaus, wurde sie zur sächsischen Weinprinzessin gekürt. Das Jubiläum erinnerte an die lange Geschichte, von den Anfängen, als ein Bischof die ersten Reben in der Nähe von Meißen pflanzte, bis zur Aufbruchsstimmung nach der Wende, als viele Winzer, die heute die Region prägen, ihre Güter gründeten.

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Eine Flasche Mariaberg Traminer und immer ein Lächeln im Gesicht: Anja Fritz liebt ihren Beruf – auch, wenn an den besonders anstrengenden Tagen.

Im Festjahr absolvierte Anja Fritz über 200 Termine. Eine gute Schule für sie, aber auch eines ihrer größten Talente. Sie ist leidenschaftlich gern Gastgeberin. Auf ihrem Gut hat sie Ferienwohnungen ausgebaut, in denen jedes Jahr etwa 500 Gäste übernachten, inmitten von Weinreben. Sie bietet Verkostungen an, organisiert Veranstaltungen und hat sich zur sächsischen Wein-Gästeführerin ausbilden lassen. Regelmäßig begleitet sie Besucher durch die Weinberge und ihr Gut. Dann erzählt sie vom harten Tagwerk der Winzer und schwärmt von den Vorzügen der Landschaft – beides ist in ihrer Branche miteinander verflochten. „Wir Winzer sind Idealisten, die etwas Schönes schaffen wollen und dafür schwer arbeiten. Die Gäste sollen genießen, aber auch eine Ahnung davon bekommen, unter welchen Bedingungen wir hier in Sachsen arbeiten.“

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Eine der beliebtesten Sorten: Mariaberg Traminer.

Anja Fritz ist angekommen, aber noch längst nicht fertig auf ihrer Scholle. Das Haus ist hübsch saniert, auch hier hat sie in vielen Räumen selbst mit angepackt. Auf ihre Weinhänge blickt sie stolz, denn die alten Reben sind für sie ein besonderer Schatz. Wobei: ganz zufrieden ist sie nie. „Ich habe jetzt die grobe Hardware meines Traums zusammen, aber an vielen Details will ich noch feilen. Nun geht es an die Software.“

Mein besonderer Gegenstand – Anja Fritz:

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Wichtiges Familienerbstück: Meissener Porzellan mit dem traditionellen Weinlaub-Dekor.

„In unserer Familie hat man schon immer Antiquitäten geschätzt. Mein Vater hat damit gehandelt, es gab viele gute Stücke bei uns. Und beim gemeinsamen Essen wurde immer der Tisch fein gedeckt. Ich bin selbst gern Gastgeberin, deshalb ist dieser Weinbecher ein schönes Symbol für mich, Meissener Porzellan mit dem traditionellen Weinlaub-Dekor. Aus solchen Bechern trinkt man seit Jahrhunderten Wein.“

Text: in Kooperation mit Frankfurter Allgemeine Zeitung

Fotos: Franz Grünewald