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Ein Tag im Leben eines Rabbis

Jüdisches Leben ist ein fester Bestandteil der Geschichte und Gegenwart des Freistaates Sachsens. Kaum jemand verkörpert diese Verbindung so eindrucksvoll wie Sachsens Landesrabbiner Zsolt Balla

Landesrabbiner Zsolt Balla

„Das jüdische Erbe Sachsens ist unser gemeinsames Erbe.“

Kein Tag ist wie der andere

Wer Zsolt Balla zuhört, spürt schnell: Sachsen ist für ihn weit mehr als ein Arbeitsort. Es ist Heimat geworden. Seit 2009 wirkt er als Gemeinderabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, seit 2010 lebt er mit seiner Familie im Freistaat. Heute ist er außerdem Landesrabbiner von Sachsen und Militärbundesrabbiner für die jüdische Seelsorge in der Bundeswehr. Sein Arbeitsplatz ist ein Ort von besonderer Bedeutung: die Brodyer Synagoge in Leipzig. Sie ist die einzige Leipziger Synagoge, die die Pogromnacht 1938 überstanden hat. Hier begleitet Zsolt Balla das religiöse Leben der Gemeinde – mit täglichen Gebeten, Gottesdiensten und dem Schabbat, der jede Woche aufs Neue Menschen zusammenbringt.

Einen klassischen Arbeitsalltag kennt der Landesrabbiner nicht. Jeder Tag hält neue Begegnungen, Gespräche und Herausforderungen bereit. Mal steht ein Gottesdienst im Mittelpunkt, mal ein seelsorgerisches Gespräch oder eine Veranstaltung. Gerade diese Vielfalt macht seine Aufgabe für ihn so besonders.

Sachsen ist Heimat geworden

An Sachsen begeistert Zsolt Balla nicht nur seine Geschichte, sondern auch seine Landschaften. Ob Wanderungen im Erzgebirge, Ausflüge in die Sächsische Schweiz oder Besuche in Leipzig, Chemnitz und Dresden – der Freistaat bietet für ihn eine außergewöhnliche Mischung aus Natur, Kultur und Lebensqualität.

„Sachsen ist eine wunderschöne Insel innerhalb Deutschlands“, beschreibt er seine persönliche Verbundenheit mit dem Land.

Eine Geschichte, die weiterlebt

Jahrhundertelang gehörte jüdisches Leben selbstverständlich zu Sachsen. Die Leipziger Messe, die Gemeinden in Leipzig, Chemnitz und Dresden oder das vielfältige kulturelle Leben zeugen bis heute davon. Die Schoa bedeutete einen tiefen Einschnitt und zerstörte einen großen Teil dieser gewachsenen Gemeinschaft.

Umso hoffnungsvoller stimmt Zsolt Balla der Blick auf die Gegenwart: In Leipzig, Dresden und Chemnitz gibt es heute wieder lebendige jüdische Gemeinden, und auch in Görlitz wächst neues jüdisches Gemeindeleben heran.

Aus der Vergangenheit Zukunft gestalten

Das Themenjahr „Tacheles 2026“ macht diese Geschichte sichtbar. Für Zsolt Balla geht es dabei jedoch um weit mehr als Erinnerung. Geschichte sei kein abgeschlossenes Kapitel, sondern eine Orientierung für die Zukunft. Sie könne helfen, Verständnis füreinander zu entwickeln und das gemeinsame kulturelle Erbe bewusst zu bewahren.

Denn das jüdische Erbe Sachsens gehört nicht nur den jüdischen Gemeinden. Es ist Teil der Geschichte des Freistaates – und damit ein gemeinsames Erbe aller Menschen, die heute in Sachsen leben. Genau darin sieht Zsolt Balla eine wichtige Botschaft für die Zukunft: Vielfalt, gegenseitiger Respekt und das Wissen um die gemeinsame Geschichte machen Sachsen zu dem, was es ist.