SAXONY MEETS TAIWAN
Mu-Yi Chen aus Taiwan und der Sachse Norbert Kegel verbinden in ihrem Tanzprojekt „Saxony meets Taiwan – Tradinovation“ Kunst, Tradition, Technologie und kulturellen Austausch zu einer gemeinsamen künstlerischen Sprache, die die überraschenden Gemeinsamkeiten zwischen Sachsen und Taiwan sichtbar macht.
Wenn Mu-Yi Chen über Taiwan spricht, erzählt sie nicht zuerst von Wirtschaft oder Technologie. Sie erzählt von ihrer Kindheit. Von einer Familie, in der Kunst ganz selbstverständlich zum Alltag gehörte. Von Museumsbesuchen, Musik, Literatur und von ihrem Vater Mu-Yu Chen, einem renommierten taiwanischen Tuschemaler und Kalligrafen. Kunst war für sie nie bloß ein Berufswunsch oder ein Hobby. Sie war Teil des Lebens. So lernte sie traditionellen chinesischen Tanz, Tai Chi, Kung Fu, Ballett und Modern Dance. Später studierte sie Tanz in Taipeh und arbeitete mit renommierten Ensembles, darunter die international bekannte Cloud Gate Dance Company. Heute lebt Mu-Yi Chen in Sachsen.
Norbert Kegel, gebürtiger Sachse, begann bereits mit sechs Jahren zu tanzen. Seine ersten Schritte machte er im Standard- und lateinamerikanischen Tanz. Nach der Wende kamen Streetdance, Breakdance und Showtanz hinzu. Dann wurde eine Lehrerin der Palucca Hochschule Dresden auf ihn aufmerksam und empfahl ihm die Aufnahmeprüfung. Obwohl er vergleichsweise spät einstieg, holte er innerhalb weniger Monate mehrere Ausbildungsjahre nach und schloss seine Ausbildung erfolgreich ab. Es folgten Engagements an den Landesbühnen Sachsen und später an der Oper Chemnitz. Fünfzehn Jahre lang stand er als Solist auf der Bühne und tanzte die großen Rollen des klassischen Repertoires.
Stärken verbinden
Kennengelernt haben sich Mu-Yi Chen und Norbert Kegel an den Landesbühnen Sachsen. Aus der Zusammenarbeit wurde eine Partnerschaft. Privat und künstlerisch. Heute beschreiben beide ihre Arbeitsweise als eine Verbindung unterschiedlicher Stärken. Norbert organisiert, strukturiert und entwickelt Projekte weiter. Mu-Yi arbeitet stärker intuitiv, denkt in Bildern, Bewegungen und künstlerischen Zusammenhängen. Gemeinsam gründeten sie MuNo-Productions und bauten in Radebeul ihr eigenes Tanzstudio auf.
Dort trainieren heute Menschen zwischen vier und 85 Jahren. Was vermittelt wird, geht allerdings weit über Tanztechnik hinaus. Denn die Verbindung zwischen Sachsen und Taiwan beginnt für die beiden nicht erst auf internationalen Bühnen. Sie beginnt im Alltag. Im Unterricht. In Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen. In der Neugier auf andere Kulturen.
Diese Neugier prägt auch das Projekt „Saxony meets Taiwan“. Die Idee entstand bereits während der Corona-Pandemie – lange bevor die Ansiedlung von ESMC und die verstärkte Aufmerksamkeit für Taiwan die öffentliche Debatte bestimmten. Mu-Yi Chen und Norbert Kegel beschäftigte damals eine andere Frage: Wie lassen sich die kulturellen Erfahrungen beider Welten in einer gemeinsamen künstlerischen Sprache ausdrücken?
Aus ersten Filmprojekten entwickelte sich Schritt für Schritt eine immer größere Produktion: „Saxony meets Taiwan“ verbindet klassischen Tanz, Tai Chi, Kung Fu, Hip-Hop, digitale Medien, Projektionen und bildende Kunst. Dabei geht es nicht darum, Unterschiede zu verwischen. Im Gegenteil. Die Produktion macht sichtbar, was beide Kulturen auszeichnet. Taiwan erscheint als Land, das Tradition und Moderne selbstverständlich miteinander verbindet. Tempel, Kalligrafie und jahrhundertealte Kulturtechniken existieren dort neben Hochtechnologie, Digitalisierung und einer lebendigen Demokratie. „Wie Taiwan ist Sachsen eine Region mit einer starken kulturellen Identität und zugleich hoher Innovationskraft“, betont Norbert Kegel. Der Titel der aktuellen Produktion: „Tradinovation“ habe daher auf der Hand gelegen – eine Verbindung aus Tradition und Innovation.
Gastspiel für Verständigung
Im September 2026 erreicht das Projekt nun seinen bislang größten Meilenstein. Mit „Saxony meets Taiwan 3.0 – Tradinovation“ reist ein Ensemble von 22 Künstlerinnen und Künstlern aus Sachsen nach Taipeh. Professionelle Tänzerinnen und Tänzer, Nachwuchstalente aus dem Radebeuler Studio, Techniker, Kostümbildner und Kreative arbeiten gemeinsam an einer Produktion, die über Jahre gewachsen ist. Für Mu-Yi Chen und Norbert Kegel ist die Premiere mehr als ein Gastspiel. Sie ist Ausdruck einer Überzeugung, die beide seit langem teilen. Dass kulturelle Verständigung nicht erst beginnt, wenn Politik und Wirtschaft den Weg bereiten. Sondern dann, wenn Menschen bereit sind, sich aufeinander einzulassen. Auf einer Bühne. In einem Tanzstudio. Oder in der Begegnung zweier Kulturen, die auf den ersten Blick weit voneinander entfernt erscheinen – und sich bei genauerem Hinsehen erstaunlich nahe sind.
Save the Dates
Saxony meets Taiwan 3.0 – Tradinovation: Active Forum
Interaktives Kultur- und Technologieforum mit Einblicken in die Produktion, Medienkunst, Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und weiteren Projektbestandteilen.
→ 27. Juni 2026, 18 Uhr: Luisenstift Gymnasium Radebeul
Saxony meets Taiwan 3.0 – Tradinovation: Aufführungen
→ 4. September 2026, 19.30 Uhr: Zhongshan Hall, Taipeh (Taiwan)
→ 27. September 2026, 18 Uhr: Landesbühnen Sachsen
→ 10. Oktober 2026, 18 Uhr: Theater Meißen
→ 31. Oktober 2026, 18 Uhr: Zentralgasthof Weinböhla
