Im Vogtland, in Reichenbach, ist die Moderne eng mit einem Gespann verbunden. Der Stadtbaurat Wolfgang Rudorf und der Architekt Rudolf Ladewig haben hier in den 1920er Jahren gemeinsam mehrere kühne Bauvorhaben umgesetzt. Eines davon ist die 1927 fertig gestellte Textilfachschule.

Das Vogtland war für die Textilindustrie eine Pionierregion. Weben wurde in Reichenbach bereits 1848 gelehrt. 1924 machten wachsende Schülerzahlen einen Neubau nötig. Mit Rückendeckung von Baurat Rudorf konnte Architekt Ladewig auch gegen vehemente Kritik ein modernes Schulgebäude errichten.

Die Dimensionen des Gebäudekomplexes sind monumental: Direkt an das viergeschossige Haupthaus schließen sich flachere Maschinenhallen an. Insgesamt ist die Anlage 160 Meter lang, und sieht nicht aus, wie eine Schule. Sie ähnelt eher einer modernen Fabrik. Tatsächlich konnten die Schüler hier an zeitgemäßen Maschinen Spinnen, Weben, Musterzeichnen, Appretieren und Färben. Die gesamte Ausbildung fand unter einem Dach statt. Sogar mögliche Vergrößerungen der Anlage waren von Anfang an mit eingeplant.

Futuristisch wirkte die vertikal gegliederte Fassade mit braunrotem Putz von außen. Auch innen zeigte die Schule viele moderne Elemente, etwa kräftige Farben, Einbauschränke und Trinkbrunnen. Dank großer Fenster und Oberlichter war auch die Arbeit in den Hallen gut ausgeleuchtet.

Ladewigs Textilfachschule steht bis heute und blieb ihrem ursprünglichen Zweck bis heute treu. Zuletzt wurde sie 2007 denkmalgerecht saniert. Ihre Zukunft ist unsicher – das hier angesiedelte Institut für Textil- und Ledertechnik soll nach Zwickau umziehen.

Alle Fotos im Beitrag @Till Schuster