Leipzig baut für den Frieden

Der 1. Weltkrieg war eine einschneidende Erfahrung für die Menschen der Zeit. Auch für Dr. theol. Johannes Herz, der von 1915 bis 1954 als Pfarrer im Leipziger Stadtteil Gohlis wirkte. Er setzte sich nach der Katastrophe des Krieges für Frieden und Versöhnung ein.

Als seine Gemeinde in dem rasant wachsenden Stadtteil eine größere Kirche brauchte, saß Pfarrer Herz in der Jury für den Wettbewerb. Die Entscheidung fiel auf Hans Heinrich Grotjahn. Der Architekt schuf eine der wenigen Sakralbauten im Stil der Klassischen Moderne.

Die Versöhnungskirche sollte auch als Gemeindezentrum inmitten einer neuen Infrastruktur funktionieren. 1930 entstand im Norden die Krochsiedlung, auch Neu-Gohlis war bereits als Wohnstadt geplant. 1930 begann auch der Bau der Kirche, und zwar schnell: Noch vor der Ausstellung der Baugenehmigung war der Rohbau der Stahlskelettkonstruktion fertig. Die moderne Bauweise ermöglichte einen eindrucksvollen Kirchenraum ohne Stützen.

Grotjahns Kirche ist in vielen Punkten lebensbejahend und zukunftsgewandt. Leuchtend weiß erhebt sich der 43 Meter hohe Glockenturm über Gohlis. Der Christus im Altarbereich stirbt und leidet nicht am Kreuz, er segnet die Gemeinde. Damit die Besucher sich nicht beim Kirchengesang umdrehen müssen, stehen Orgel und Chor seitlich des Altars.

Grotjahn bekam nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten keine öffentlichen Aufträge mehr und geriet in Vergessenheit. Seine Kirche blieb stehen, war aber zum Ende der DDR in einem desolaten Zustand; der Glockenturm drohte abzuknicken. Inzwischen ist die Versöhnungskirche wieder weitgehend saniert. Sie bleibt nicht zuletzt mit ihrem Kindergarten ein wichtiger Ort des Zusammenlebens in Gohlis.

Alle Fotos im Beitrag @Till Schuster