Zwickau schafft Platz für Kinder

Schulen der Kaiserzeit waren vieles, aber eines nicht: einladend. Der repräsentative Baustil musste auf Kinder einschüchternd wirken. Wie ein Bauwerk Kinder einladen und ermutigen kann, das demonstriert die Pestalozzischule in Zwickau.

Gebaut wurde die Schule 1929 von Stadtbaurat Paul Bock, weil das bisherige Schulhaus zu klein geworden war. Bock plante einen modernen Neubau. Auch heute noch ist der Umfang beeindruckend. Nicht nur 30 Klassenzimmer mit Platz für über 1000 Schüler waren vorgesehen, sondern auch Fach- und Werkräume, eine Bibliothek, ein Schwimmbad, ein Kinderhort, eine Hausmeisterwohnung und zwei Turnhallen.

Ambitioniert war das Ziel, gewitzt die Ausführung. Bock arrangierte die zwei Turnhallen in Stockwerken übereinander. Er richtete das Gebäude so aus, dass die Klassenzimmer mehr Morgensonne und weniger Lärm abbekamen. Für den Kinderhort wurde ein eigener Zugang zur Südterrasse mit Spielwiese und Planschbecken geplant. Die Orientierung im großen Haus sollte den Kindern leicht fallen; dafür wurde ein durchgängiges Farbkonzept angewendet.

Auch die Gesundheit der Kinder stand im Vordergrund. Neben den Turnhallen zeugt davon die Dachterrasse, ein Ort zum „Freiluftturnen“. Die Stühle in den Klassenzimmern wurden speziell entwickelt, um den Kindern das Geradesitzen zu erleichtern. Und auch der frei zugängliche Trinkbrunnen im Treppenhaus war zu der Zeit sehr fortschrittlich.

Die Schule überstand den 2. Weltkrieg ohne große Schäden und wurde ab 1950 in der DDR als Polytechnische Oberschule geführt. Nach der Wende folgte als Reaktion auf den Bevölkerungsrückgang eine zehnjährige Pause. Seit 2000 ist die Schule aber wieder im Einsatz. 2011 wurde sie saniert und wirkt damit so modern und einladend wie früher.

Alle Fotos im Beitrag @Till Schuster