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„Die Gitarre kann alles – man muss sie nur lassen“

Die Gitarre ist seine Muse, sie zu spielen beherrscht er meisterlich. Frank Fröhlich, Gitarrist, Komponist, Verleger und Dresdner Urgestein entdeckt immer wieder neue S(a)iten an ihr, experimentiert mit unterschiedlichen musikalischen Genres, darunter Tango, Klassik und Flamenco und hat auf diese Weise seinen ganz eigenen Stil entwickelt. Und das höchst erfolgreich. Mittlerweile steht er mit namhaften Künstlern wie Rolf Becker, Eva Matthes, Claudia Michelsen oder Peter Ufer auf der Bühne, hat im Laufe seiner musikalischen Karriere 52 CDs veröffentlicht. Aktuell ist er hauptsächlich mit seinem Solo-Programm „Blaue Stunde“, dem Kästner-Programm „Plädoyer einer Frau“ mit Claudia Michelsen und „Feixen
im Advent“ mit Peter Ufer unterwegs.

Herr Fröhlich, woher kommt Ihre Leidenschaft für die Gitarre?
Schon als Kind habe ich leidenschaftlich gern Schallplatten von Carlos Santana, Joe Pass und Paco de Lucia gehört. Als ich vierzehn war, bekam mein Bruder eine Gitarre geschenkt. Auf der hat er nie gespielt. Und damit dann ging´s los!

Sie sind weltweit unterwegs und geben auch außerhalb Europas Konzerte. Was zieht Sie immer wieder zurück in die Heimat?
Die Frau. Die Tochter. Der Bürgersinn und das kulturelle Interesse der Dresdner. Und sowieso: Daheem is daheem.

Welche sind die wichtigsten Stationen Ihres Lebens?
In Frankfurt/Oder geboren, aufgewachsen und Koch gelernt. Mit 18 ging ich nach Sachsen. Mit 21 studierte ich in Meißen Kulturmanagement und bekam sieben Jahre lang Gitarrenunterricht an der Musikschule Radebeul bei Wolfgang Kühn. Mit 24 Chef der Scheune Dresden. Mit 26 gründete ich den Verlag Goldmund Hörbücher. Mit 38 wurde ich Vater einer wunderbaren Tochter.

Was ist Ihr Lieblingsort in Sachsen und wieso?
Die Heidenschanze in Coschütz bei mir ums Eck.

Was bedeutet für Sie „typisch sächsisch“?
Gemiedlich.

Welche Vorurteile über die Sachsen ärgern Sie besonders?
Jeder Nicht-Sachse meint, ein sächsisch sprechender Mensch wäre automatisch ein beschränkter Mensch. Fuorschbor!

Sie haben bereits mit vielen anderen Musikern zusammengearbeitet. Welche Zusammenarbeit war für Sie besonders inspirierend?
Der Saxophonist Volker Schlott spielt einen wunderbaren Ton. Der Gitarrist Joe Sachse hat eine wunderbar Art, blues-jazz-rockige Gitarre zu spielen, verschiedene Spieltechniken zu verknüpfen und ein riesiges Improvisationsvokabular entwickelt. Mir fällt niemand ein, der wie Gunther Emmerlich die Grenzen von U- und E-Musik spielerisch ignorierte und mit einer großartigen Mischung aus Moderation, Texten, Anekdoten und Liedern das Publikum verzauberte. Und Helge Schneider ist einzigartig in seiner Mischung aus Quatsch und Musik, ein unglaublich hart arbeitender Musiker/Entertainer und bester Bandchef ever!

Welche Begegnung war besonders bewegend, witzig oder überraschend?
1990 hatte ich die Ehre, ein Konzert der „Toten Hosen“ auf ihrer Mystery Tour in der Scheune zu organisieren. Vor dem Konzert plauderte Campino eine satte Stunde mit mir, interessierte sich sehr dafür, wie die Punkszene im Osten tickt. Bei der Show danach wurde mir klar, dass er mich gezielt ausgefragt hatte, um die richtigen Sprüche für die Fans parat zu haben – It‘s great! It‘s Entertainment!

Musik verbindet, heißt es. Können Sie dies bestätigen und wenn ja, inwiefern?
In Namibia 2018 und in Tansania 2020 spielte ich in Schulen, Waisenheimen und Kirchen mit Kindern mein Mitmach-Konzert „Bücherwurm Fridolin“. Es gab keine gemeinsame sprachliche Basis - und doch waren es die schönsten gemeinsame Musik-Erlebnisse.

Welche musikalischen Projekte stehen als nächstes an?
Deutschlandweit über 30 Konzerte mit meiner aktuellen CD „Blaue Stunde“. Im Herbst geht es mit Claudia Michelsen auf Tournee: „Plädoyer einer Frau“. Kästner-Texte – alle aus Sicht einer Frau geschrieben und gemischt mit Musik der 1920er Jahre. Und in der Weihnachtszeit bin ich dann wieder mit Peter Ufer unterwegs mit unserem Programm „Feixen im Advent“.

Wenn Sie ein Lied über Sachsen komponieren würden, welchen Titel würde es tragen?
Nach der Melodie von ABBAs „The Winner takes it all“: „Mir Sachsen, mir hams druff. Mir ham de scheenste Sproooche!“