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Leben & Arbeiten

Bee together

Fleißig wie die Bienen: Imkerverein Stollberg

Bienenstöcke auf dem Balkon, Honig aus dem eigenen Garten, Workshops im Stadtteilzentrum: Immer mehr Menschen entdecken die Imkerei als Hobby. Imkern scheint plötzlich hip zu sein, ist in Modezeitschriften, Social-Media-Feeds und urbanen Gärten angekommen. Doch hinter dem Trend steckt mehr als nur ein ästhetisches Bild von Naturverbundenheit: Imkern ist Symbol für Nachhaltigkeit, Selbstversorgung und ein bewussteres Leben im Einklang mit der Natur. 

So wie es im Imkerverein Stollberg gelebt wird. Den Imkerverein gibt es seit DDR-Zeiten. Mit über 50 Mitgliedern setzt sich der Verein für den Schutz der Honig- und Wildbienen ein und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und zum ökologischen Gleichgewicht in der Region. Und die Bienenhaltung ganz pragmatisch in die Mitte der Gesellschaft holt. „Imkern auf Probe“ heißt das Ganze, und erfreut sich bei Jung und Alt großer Beliebtheit. Wie genau das funktioniert, worin die Faszination der Imkerei besteht und was man von den Bienen lernen kann, darüber haben wir mit Vereinsvorständin Martina Brandt gesprochen.

Frau Brandt, woher rührt die Begeisterung für Bienen?

Bienen haben mich aufgrund ihrer enormen Bedeutung für unsere Natur und Landwirtschaft immer schon fasziniert. Schon als kleines Mädchen durfte ich bei einem Imker im Bienenhaus den besonderen Duft und das geschäftige Brummen der Bienen erfahren. Auch heute noch erdet mich das Summen und der betörende Duft der Völker nach einem stressigen Arbeitsalltag. Gleichzeitig beeindruckt mich das soziale Miteinander eines Bienenvolkes – das perfekte Zusammenspiel, die Kommunikation und die Organisation im Stock. 

Können Sie uns kurz Ihre Vereinsarbeit umreißen?

Oh, die ist sehr vielfältig. Wir schaffen Nisthilfen und Lebensräume für Wildbienen, fördern bienenfreundliche Pflanzungen und sensibilisieren die Öffentlichkeit für die Bedeutung vielfältiger Insektenpopulationen. Ein besonderer Schwerpunkt ist unser Engagement am Grünen Pfad in Stollberg, den wir gemeinsam mit der Stadt Stollberg und weiteren Partnern gestalten, und der am 6. Juni feierlich eingeweiht wird. Zudem bieten wir Workshops, Führungen, Vorträge und Projekttage an, zu Themen wie Bestäubung oder naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung. Dafür gehen wir in Schulen, Kindergärten und Senioreneinrichtungen.

Braucht es besondere Vorkenntnisse für die Imkerei oder kann ein jeder die Bienenhaltung erlernen?

Grundsätzlich kann jeder die Imkerei erlernen. Wir raten jedoch dazu, einen Grundkurs im Umgang mit den Bienen zu absolvieren, um den zeitlichen Aufwand für das Hobby abschätzen zu können und den Umgang mit den Bienen zu lernen.

Seit Jahresbeginn bieten Sie das „Imkern auf Probe“ an. Wie genau muss man sich das vorstellen?

Damit möchten wir Interessierten einen unkomplizierten Einstieg in das Hobby Imkerei – ganz ohne finanzielles Risiko – ermöglichen. Die Teilnehmenden begleiten über eine gesamte Saison hinweg erfahrene Vereinsmitglieder bei der Arbeit am Bienenvolk. Dabei lernen sie Schritt für Schritt die wichtigsten Tätigkeiten kennen – vom Frühjahrsbeginn über die Honigernte bis zur Vorbereitung der Völker auf den Winter.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf unser in der Region einmaliges Umweltbildungszentrum, das mit großem ehrenamtlichem Engagement sowie dank der Unterstützung der Agrargenossenschaft Lößnitz-Stollberg und Preisgeldern des eku-Zukunftspreises aus einer leerstehenden Schlachterei entstehen konnte. Dort organisieren wir Vorträge, Schulungen, Veranstaltungen und Ferienangebote und betreiben einen eigenen Honig-Schleuderraum.

Sie kooperieren auch mit der Hochschule Mittweida. In welcher Hinsicht?

Das ist richtig. Gemeinsam erforschen wir Wildbienenhabitate in der Region. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich die Lebensräume für Wildbienen besser vernetzen und langfristig wirksam gestalten lassen. Dies wird unter anderem anhand genetischer Pollenanalysen durch die Hochschule untersucht. Pollenkörner, die von Bestäuberinsekten gesammelt werden, enthalten nicht nur Informationen über den Speiseplan der Bienen, sondern auch über mikrobielle Wechselwirkungen. Die Zusammensetzung der Pollenproben und deren mikrobieller Fingerabdruck geben wichtige Hinweise auf die Gesundheit und Fitness der Wildbienen.

Was muss man sich unter „Medizin aus dem Bienenkorb“ vorstellen?

Darunter versteht man die Nutzung verschiedener Bienenprodukte, denen gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Dieser Bereich wird auch als Apitherapie bezeichnet und umfasst unter anderem Honig, Propolis, Blütenpollen, Gelée Royale, Apilarnil, Bienenwachs, Bienenstockluft oder auch Bienengift. Viele dieser Naturprodukte werden seit Jahrhunderten traditionell genutzt. Besonders bekannt ist Propolis, das aufgrund seiner antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften geschätzt wird.

Sachsen hat eine große Tradition in der Imkerei. Können Sie daraus in Ihrer Vereinsarbeit schöpfen?

Auf jeden Fall. Sachsen besitzt eine lange Imkertradition, auf die wir mit Stolz blicken. Adam Gottlob Schirach aus der Oberlausitz gilt Wegbereiter der modernen Imkerei, mit seinen Erkenntnissen zur künstlichen Vermehrung von Bienenvölkern.

Vielen Dank für das Interview, Frau Brandt!