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Gründen & Unternehmen

Bücher für Generationen

Der BuchVerlag Leipzig

Ein sächsischer Traditionsverlag wird 80 Jahre jung

Acht Jahrzehnte sind vergangen seit der Verlag für die Frau in der Buchstadt Leipzig gegründet wurde. Seit 2023 unter dem Namen BuchVerlag Leipzig tätig, geht das Traditionshaus der Zukunft entgegen. Mit all den Herausforderungen und rasend schnellen Veränderungen, die das digitale Zeitalter mit sich bringt.

Wurzeln, die bis heute reichen

Hervorgegangen aus dem auf Modezeitschriften spezialisierten Verlag Otto Beyer (1890 bis 1946) hat der Traditionsverlag eine beachtliche Erfolgsgeschichte geschrieben und galt einst als größter Mode- und Ratgeberverlag der DDR. Bekannte Bestseller und Marken die der Verlag hervorgebracht hat sind beispielsweise die legendären DDR-Kochbücher „Wir kochen gut”, „KOCHEN – 1680 Rezepte für Sie” und „Das Backbuch“. Alle drei sind bis heute in zahlreichen Küchenschränken zwischen Dresden und Rostock zu finden und werden immer wieder neu aufgelegt. Und natürlich die bekannten Modezeitschriften „SIBYLLE” – die Vogue des Ostens – und „PRAMO. Praktische Mode“, welche es zwar schon lange nicht mehr gibt, die aber selbst im Jahr 2026 unvergessene populärliterarische Institutionen im Osten Deutschlands und begehrte Sammlerobjekte sind. Auch Deutschlands ältestes und immer noch, allerdings unter dem Dach einer großen Illustrierten erscheinende Ratgebermagazin „Guter Rat“, hat in Leipzig seine Wurzeln. Und nicht zu vergessen eine der bekanntesten Miniaturbuchreihen Europas: die bis heute stetig wachsende MINIBIBLIOTHEK mit weit über 400 Bänden.

Die Büchermacherin

Eng Verknüpft mit der Geschichte des Verlages ist das Leben der 1945 im Erzgebirge geborenen, ehemaligen Verlagsleiterin, Mitgesellschafterin und Geschäftsführerin Christa Winkelmann die ab 1973, zunächst als Lektorin, vier Jahrzehnte lang die Geschicke des Verlages lenkte. 

Anlässlich des 80. Jubiläums des Verlages konnten wir mit Christa Winkelmann in die Vergangenheit schauen.

4 Fragen an Christa Winkelmann

Liebe Frau Winkelmann, bevor Sie 1996 die Verlagsleitung übernahmen hatten Sie bereits eine herausfordernde Zeit miterlebt. Können Sie uns darüber berichten?
Der Verlag für die Frau war in der DDR der Monopolist im Bereich Mode und Hauswirtschaftsliteratur. Es gab wohl kaum einen Haushalt, in dem sich nicht Zeitschriften oder Bücher dieses beliebten Ratgeberverlages fanden. Die Wende 1989/90 und die folgenden Veränderungen trafen das ostdeutsche Verlagswesen besonders hart. Von heute auf morgen mussten neue Produktions- und vor allem Vertriebsstrukturen gefunden werden, der Markt wurde überschwemmt, Verlage wurden privatisiert. Das überlebten die meisten ehemaligen DDR-Verlage nicht. Von ehemals 76 blieben weniger als ein Dutzend übrig. Auch der Verlag für die Frau wurde privatisiert und erlebte und durchlitt eine rigorose Schrumpfung. Die Buchsparte des Verlages mit vor allem Koch- und Ratgebertiteln hatte Glück, sie überlebte. Denn 1996 gelang es, den Buchbereich aus dem schrumpfenden Verlag herauszulösen und unter neuer Inhaberschaft als eigenständigen Buchverlag zu etablieren. Wir waren zu dritt, zwei Vertriebskollegen und ich als Programm- und Verlagsleiterin.

Wie schaffte es der Verlag durch diese schwierige Zeit?
Die Herausforderungen, im veränderten und heiß umkämpften Markt zu bestehen, waren also riesengroß. Wir besannen uns auf unsere Kernkompetenz: zuverlässige Ratgeberbücher für unsere Leserinnen und Leser in der ehemaligen DDR. Und diese freuten sich, auch die vertrauten und hochgeschätzten Bestseller wie „Wir kochen gut“ und „Das Backbuch“ noch und wieder in den Buchhandlungen zu finden. Denn so vieles Vertraute war ja verschwunden. Dazu brachten wir jährlich interessante Neuerscheinungen, vor allem für die ostdeutschen Leserinnen und Leser, viel Regionales, das uns erfreulicherweise auch in den alten Bundesländern bekannt machte. Dieses klare Profil hat uns sehr geholfen

Was war Ihnen während Ihre Zeit als Verlagschefin besonders wichtig?
Wichtig war mir die traditionelle Lesernähe des Verlages weiter zu pflegen. Man bedenke: In den 1990er und 2000er Jahren korrespondierten und telefonierten die Leserinnen und Leser noch mit dem Verlag - um Rat zu erfragen, Lob oder Kritik zu äußern. Das gab immer ein gutes Feedback und festigte die Leserbindung. Vor allem zu unseren Miniaturbuchfreunden und -sammlern bestand und besteht ein enger Kontakt, der zu vielen schönen und erfolgreichen Publikationen unserer Lieblingsreihe führte. Hier hatte sich die von mir angestrebte Themenerweiterung (übers Kochen hinaus) für die seit 1985 bestehende inhaltsreiche Minibibliothek sehr gelohnt. (Mein Liebling ist das Bändchen „Klassisch gut: Goethe-Zitate“, 1999 erstmals erschienen in inzwischen über 100 000 Exemplaren). Ebenso überlebenswichtig für den kleinen Verlag war der seriöse, vertrauensvolle Umgang mit Autorinnen und Autoren, generell die zuverlässige Zusammenarbeit mit allen an der Buchproduktion beteiligten Partnern. So ist es gelungen, gute Autorinnen und Autoren „aufzubauen“ und immer wieder Erfolgstitel mit ihnen herauszubringen. Diese langjährige Autorenbindung findet man heute seltener.

Was war Ihre Motivation und welchen Ratschlag geben Sie Ihren ehemaligen Verlagskolleginnen für die nächsten 80 Jahre mit auf den Weg?
Büchermachen ist eine faszinierende Sache. Ich habe das bis zu meinem Ausscheiden aus dem Verlag mit Begeisterung getan, 41 Jahre lang, und es ist immer spannend geblieben, da sich alles ständig verändert. Bucharbeit ist in hohem Maße Teamarbeit. Ich habe dabei so viele Menschen kennen- und schätzen gelernt, das war sehr bereichernd. Vor allem das kleine Verlagsteam hat Enormes geleistet und bei allen Schwierigkeiten zusammengehalten. So bin ich sehr dankbar, dass ich die Buchproduktion des Verlages jahrzehntelang begleiten und mitgestalten konnte. Der Weg in die Marktwirtschaft war steinig, aber die Mühen haben sich gelohnt. 80 Jahre sind ein stolzes und heutzutage in der ostdeutschen Verlagsbranche seltenes Jubiläum. Die Lage der Buchbranche hat sich in den letzten Jahren leider nicht zum Guten gewendet. Trotzdem nur Mut! Ich wünsche dem Verlag und seiner Mannschaft unter dem Dach der Verlagsgruppe grünes herz weiter eine glückliche Hand beim Büchermachen, Erfolg und Freude an dieser schönen Arbeit. Bleiben Sie erfolgreich mit guten Autorinnen und Autoren, treuen Leserinnen und Lesern und dem richtigen Gespür bei der Wahl der Buchthemen!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Ein Verlag für alle Lebenslagen

Aktuell kümmern sich die drei (!) Verlagsmitarbeiterinnen um ein lieferbares, modernes und zeitgemäßes Programm von rund 250 Titeln sowie ca. 20 Neuerscheinungen jährlich. Ein winziges Team in Relation zum schier gigantischen Buchprogramm des Verlags.

„Mit der ständigen Begeisterung für Neues …”
Susann Jaensch
BuchVerlag Leipzig | Presse- und Marketing

Neben den Dauerbrennerthemen Kulinarik, Hobby- und Kreativliteratur bietet der BuchVerlag Leipzig weitere Publikationen aus den Bereichen Belletristik, Kinder- und Jugendliteratur, Natur, Gesundheit und Lebenshilfe an. Wie das Team das schafft beantwortet Susann Jaensch, zuständig für die Presse- und Marketingarbeit des Verlags, wie folgt: „Mit der ständigen Begeisterung für Neues, der Freude an Büchern, großartigen Autorinnen und Autoren erhalten wir tagtäglich das verlegerische Erbe all jener die den heutigen BuchVerlag Leipzig zu einem Traditionsunternehmen gemacht haben. Dafür lohnt sich jede Minute am Schreibtisch, am Telefon, auf Messen oder in der Druckerei.“ 

„Jede Leipzigerin besitzt mindestens ein Buch aus diesem Verlag.”
Gunter Böhnke
Kabarettist und Übersetzer

Einer der bekanntesten Autoren ist der Kabarettist und Autor Gunter Böhnke, der seine lange Beziehung zum BuchVerlag Leipzig auf seine ganz eigene humorige Art zusammenfasst: „Jeder Leipziger kennt den "Verlag für die Frau". Jede Leipzigerin besitzt mindestens ein Buch aus diesem Verlag. Ich habe den Verlag vor 50 Jahren kennengelernt. Er lag hinter unserer Gartenmauer. Jetzt schreibe ich mein drittes Buch für den Verlag, heute BuchVerlag Leipzig: »Es waren einmal - 5 Brüder Grimm und eine Schwester«. Ein Minibuch - entsprechend meiner Körpergröße.“

Der BuchVerlag Leipzig ist eine Institution, die nicht nur im Osten Deutschlands bis heute im kollektiven Gedächtnis verwurzelt ist. Das ist die Grundlage dafür, dass es den Verlag heute noch gibt und er so viele einschneidende Umbrüche und Veränderungen überstanden und Generationen von Menschen als Ratgeber in allen Lebenslagen begleitet hat.