Jens Weißflog, Sylke Otto oder René Sommerfeldt – die Liste der prominenten Sportler, die in Oberwiesenthal ausgebildet wurden, Weltcups gewannen und Olympiamedaillen nach Sachsen holten, ist noch viel länger. Wie werden eigentlich Sieger gemacht? Ein Besuch in der Eliteschule für nordischen Skisport.

Lachen und laute Musik tönen aus der Trainingshalle. Die 16- bis 18-jährigen Langläufer und Nordisch Kombinierer absolvieren hier ihr vormittägliches Krafttraining. Zwischendurch verschwindet einer nach dem anderen im Raum mit der kippbaren Laufbahn zum leistungsdiagnostischen Training. Dort steht Trainer Lutz Hänel, leitender Stützpunkttrainer und selbst ehemaliger Langläufer. Die Athletinnen und Athleten sprinten auf Rollski im Schlittschuh-Schritt auf einem geneigten Laufband. Von der Seite sieht es sehr schnell und sehr anstrengend aus. „Die schnellsten Jungs schaffen 36 km/h, die besten Mädels knapp 31 km/h“, sagt Lutz Hänel. So sollen die jungen Sportler lernen, mit wenigen Schritten hohe Geschwindigkeit zu laufen und dabei möglichst wenig Energie zu verbrauchen. „Biodynamisch effektiv“, nennt er es. Das Ganze ist ein Beispiel für die Ausbildungsmethodik am Stützpunkt. „Wir formen hier pädagogisch, moralisch und sportlich eine Elite“, sagt Hänel selbstbewusst.

Klar definiertes Ziel: Olympia 2018 in Südkorea

„Olympia ist ganz klar mein Ziel“, meint Langlauf-Talent Katharina Hennig, 17 Jahre alt, seit fünf Jahren in Oberwiesenthal. Ihre Teamkameradin Jenny Mann, 18, ergänzt: „Dafür müssen wir es in den DC-Kader schaffen, um nach dem Abitur weiterzumachen.“ Katharina und Jenny sind erst einen Tag zuvor von den Juniorenweltmeisterschaften aus dem italienischen Val di Fiemme zurückgekommen, trotzdem absolvieren sie routiniert ihr Training. Die Olympischen Spiele in Sotschi sind für alle hier ein großes Thema. Vor allem auch, weil die Olympiateilnehmerinnen Denise Herrmann und Claudia Nystad aus Oberwiesenthal kommen. Katharina und Jenny beschreiben beide als „geerdet und total nett und echte Vorbilder“.

 

Bei uns geht es ganz klar um die Menschen

„Der Kopf macht einen Sieger aus“, begründet Trainer Lutz Hänel. Es geht immer um das Gesamtpaket aus körperlich-sportlichen Leistungen und einer starken Psyche. Hänel fordert viel – auch von sich. Seine Schützlinge beschreiben ihn als „hart, aber herzlich“. Das Quäntchen Anderssein, was die Sachsen im Sport so erfolgreich macht, liegt für ihn „in der Menschlichkeit“. Damit meint er, die Athleten ernst zu nehmen, ihre Eigenheiten zu achten, ihnen beizubringen, mit Niederlagen umzugehen – und mit Siegen. Und: Bildung ist ihm wichtig. Lutz Hänel: „Es heißt bei uns nicht zuerst Sport und dann Bildung. Es heißt Bildung und Sport.“ Hänel weiß, maximal eine Handvoll aus seiner Trainingsgruppe wird es in den Profisport schaffen. Um die Anderen macht er sich keine Sorgen. Er ist sich sicher: „Die sind durch die Topausbildung bestens auf das Leben vorbereitet.“ So wie sein Trainerkollege Lars Lehmann. Der war bis 2002 als Nachwuchssportler am Stützpunkt und hat dann Sportwissenschaften studiert. Lehmann bestätigt: „Das Studium war für mich kein Thema. Selbstdiszipliniert lernen, sich durchbeißen – ich wusste ja, wie das geht.“ Seit 2012 ist er Trainer für die 12- und 13-Jährigen und freut sich, nach zehn Jahren wieder „zu Hause“ zu sein und die Wintersport-Asse von morgen zu trainieren.