Einfach anpacken! – Mit viel Kreativität, Perfektionismus und guten Freunden ist dem jungen Produktdesigner Dominic Heiße gelungen, wovon andere nur träumen: Er hat sein eigenes erfolgreiches Unternehmen aufgebaut – und zwar in seinem Heimatdorf Drebach, mitten im Erzgebirge. Auf einem umgebauten Bauernhof entwirft und individualisiert das lumipöllö-Team heute Lifestyle-Fashion, die sich bei Hobbysportlern, Vereinen und Firmenkunden weit über Sachsen hinaus wachsender Beliebtheit erfreut. Wir haben Dominic bei einem Team-Event am Störmthaler See nahe Leipzig getroffen und durften den einzigartigen Teamgeist von lumipöllö selbst hautnah miterleben.

Dominic, wir sind natürlich ganz begeistert, dass Ihr für unser Fotoshooting alle „So geht sächsisch.“-Pullis von lumipöllö tragt! Welche Produkte sind bei Euren Kunden sonst noch sehr beliebt?

Neben unseren klassischen lumipöllö-Kollektionen bieten wir Firmen, Vereinen und Initiativen wie „So geht sächsisch.“ die Möglichkeit, sich bei uns individualisierte Kleidungsstücke und Accessoires fertigen zu lassen. Wir verkaufen in beiden Bereichen vor allem Mützen und Caps. Hier sind wir auch besonders breit aufgestellt –  vom normalen Cap mit Stick über Leder- bis hin zu Holzpatches.

Für Euren Teamevent am Störmthaler See habt Ihr Euch Skateboards und Standup Paddle Boards mitgenommen. Im Winter seid Ihr außerdem gern mit Ski und Snowboard unterwegs. Ist lumipöllö eine Marke von und für Leute, die am liebsten auf Brettern unterwegs sind?

Genau Skatebord, Snowboard, Ski! Zudem gehören Downhill- und Motocross-Sportler zu unserem Publikum. – Also auf jeden Fall mehr Einzelsportarten als Gruppensportarten, wie Fußball oder Handball.

Sportbekleidung für Mädels

Ihr seid nicht das erste Streetwear-Label und auch nicht die erste Firma, die individualisierte Kleidung und Accessoires anbietet. Trotzdem startet Ihr gerade richtig durch. Wie erklärst Du Dir das?

Alle in unserem Team stehen zu hundert Prozent hinter lumipöllö. Auch die Sportler, mit denen wir zusammenarbeiten gehören in gewisser Weise mit zur Familie. Die bewerben lumipöllö nicht, weil sie Geld dafür bekommen, sondern weil sie die Marke und unseren Spirit einfach cool finden. Diese Authentizität gefällt unseren Kunden.

Wir machen null Werbung nach dem Motto: ,Kauft unser Produkt.‘ Trotzdem merken die Leute, dass bei uns Design und Qualität stimmen. Deshalb holen sich sogar Firmen und Vereine im Sportbereich ihre Shirts und Accessoires lieber bei uns als in der Werbeagentur um die nächste Ecke.

Dominics aktuelles Lieblingsprodukt

Der Weg dorthin war sicher nicht ganz einfach?

Ich habe an der Bauhaus-Universität in Weimar Produktdesign studiert und meinen Abschluss mit 1,0 gemacht. Der Anspruch an die Gestaltung unserer Produkte und unseres Auftritts ist dementsprechend hoch. Schon während meines Studiums habe ich vor fünf Jahren den Namen lumipöllö entwickelt und mit dem Entwerfen begonnen.

Seit zwei Jahren ist das Unternehmen nun mein Hauptberuf. Inzwischen sind wir fünf Angestellte, entwickeln uns stetig weiter und kommen aktuell mit der Produktion nur knapp hinterher, weil wir so  viele Anfragen haben.

Kommt die Unterstützung von externen Investoren für Euch nicht in Frage?

Wir haben vor einem Jahr den GRW-Investitionszuschuss von 35 % auf jede Investition beantragt und nutzen diesen inzwischen auch. Ansonsten haben wir aber tatsächlich null Investoren, weil ich denke: Man kann nur das ausgeben, was man verdient hat.

Trotz Eures Erfolgs hältst Du Dich als Gründer und Designer sehr im Hintergrund. Wie kommt das?

Ja, mir ist wichtig, dass lumipöllö nicht gleich Dominic Heiße ist. Ich denke, einer der Gründe für unseren Erfolg ist, dass die Marke nicht personengebunden ist. Deshalb kennt mich auch kaum einer. Stattdessen wird unsere Marke durch das Image der Sportler geprägt, mit denen wir zusammenarbeiten.

Gründer Dominic mit seinem Team beim Frühstück. Hier setzt man auf Teamgeist, nicht nur bei der Arbeit.

Nachhaltigkeit ist bei lumipöllö ein wichtiges Thema. Inwiefern versucht Ihr,  über die ökologische Nachhaltigkeit hinaus diesem Paradigma gerecht zu werden?

Nachhaltigkeit kann z.B. manchmal auch heißen, einzelne Basisteile von anderen Herstellern einzukaufen, weil deren Entwicklung viel zu energieaufwändig wäre. Wir nehmen gerade eine besondere Flasche mit extra breiter Öffnung ins Sortiment, nach der ich ziemlich lange online auf dem chinesischen Markt gesucht habe. So eine Flasche selbst zu entwickeln, wäre definitiv nicht nachhaltig gewesen.

Nachhaltigkeit bedeutet für uns aber ebenso Qualität. Ein T-Shirt, das ein schönes Logo hat, jedoch aus schlechtem Material ist, erscheint mir nicht nachhaltig. Bei uns geht es also zum einen darum, Standardprodukte in Top-Qualität zu finden, die wir dann für unsere Kunden individualisieren können. Andere Produkte schneidern wir aber auch selbst in Drebach. Im Herbst kommt endlich der lumipöllö Hoodie auf den Markt. Diesen haben wir selbst genäht, weil er einen längeren Schnitt haben sollte und wir nichts Vergleichbares finden konnten.

Für junge Unternehmer gibt es viele gute Gründe, ihre Firma in Leipzig, Dresden oder Chemnitz zu gründen. Warum seid Ihr auf dem Land geblieben?

Ich habe in Weimar studiert, länger in Frankfurt gearbeitet und ein halbes Jahr in Melbourne gelebt. Insofern habe ich schon einiges von der Welt gesehen und kann durchaus Vergleiche ziehen. Es gab für mich nie die Überlegung, nach Dresden, Leipzig und Chemnitz zu ziehen, auch wenn das wirtschaftlich sinnvoll wäre.

Drebach ist einfach mein Lieblingsort. Wir sind hier verwurzelt und moderne, austauschbare Bürokomplexe können nicht mit der Atmosphäre in unserem alten Bauernhaus konkurrieren. Auch die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Man kann unglaublich viel unternehmen. Das Leben ist bei uns in Drebach viel entspannter als in den Städten und man wird weniger von der Arbeit abgelenkt.

Was bedeutet für Dich Erfolg?

Ich persönlich bin eigentlich nie an dem Punkt, an dem ich mich auf unserem Erfolg ausruhen würde. Mir fallen ständig neue Ideen ein. Wenn ein Projekt abgeschlossen ist, möchte ich am liebsten sofort mit dem nächsten beginnen, anstatt mir selbst auf die Schulter zu klopfen. Im letzten Jahr habe ich durchschnittlich hundert Stunden pro Woche gearbeitet. Dennoch denke ich, dass es weitere Möglichkeiten gibt, sich zu steigern. Vor einem Jahr hatte ich den Traum, zehn Mitarbeiter anzustellen. Es ist absehbar, dass das zum Anfang nächsten Jahres klappt. Dann setze ich mir das nächste Ziel. Getreu unseres Mottos „… we are not only another fashionlabel – we are lumipöllö, and this is just the beginning!”

Das Team im Ferienhaus am Störmthaler See

Fotos und Text ©Anne Schwerin