Behutsam streicht Michaela Winzer über die schimmernde Kaminoberfläche. Er fühlt sich warm an und vertraut, der bräunliche Sandstein mit den markanten Äderungen, den einst ihr Vater, Steinmetzmeister Michael Winzer, im fernen Himalaya entdeckte und auf den Namen „Tobacco“ taufte. Es ist eine große Liebe, die die junge Unternehmerin aus Bad Lausick mit „ihren“ Natursteinen verbindet. Sie kommen nicht nur aus China, sondern auch aus Indien, Brasilien, Portugal, der Türkei und den skandinavischen Ländern. Sie schimmern in allen denkbaren Färbungen und Zeichnungen. In der Werkhalle der Natursteine Winzer GmbH auf den Bad Lausicker Angerwiesen finden sie ihre Bestimmung. In Fußböden natürlich, Treppen, Bädern, aber auch in Fassaden und wärmespeichernden Hüllen von Kaminöfen.

„Geplant war es nicht, die Firma so schnell zu übernehmen“, erinnert sich Michaela Winzer. Zwar blicke das Unternehmen auf eine über 100-jährige Familientradition zurück, und das Steinmetzhandwerk liege ihr im Blut. Studiert habe sie aber dennoch erst einmal Biotechnologie und wollte eigentlich in die Forschung gehen. Der unvermittelte Tod ihres Vaters im vergangenen Jahr habe jedoch alles auf den Kopf gestellt, und „alles ging plötzlich ganz schnell“.

Seit 2012 war sie bereits im Unternehmen, nun hieß es Verantwortung zu übernehmen. Treuer Wegbegleiter und seit über 22 Jahren im Unternehmen: Andreas Bartsch, mit dem sie seitdem die Geschäfte führt. Die spannendsten Projekte bisher? Eine „Tobacco“-Skulptur des Bildhauers Rainer Scheer für die deutsche Botschaft in Jamaika. Der Kaiserbahnhof in Potsdam. Die Europazentrale der Kia Motors Group in Frankfurt. Ihre Auftraggeber sitzen in Dänemark, Schweden, Frankreich, der Schweiz und Österreich. Jüngstes Projekt: eine aufwändige 3-D-Fassadenkonstruktion am Berliner Kurfürstendamm, „die erste Stilfassade aus Natursteinen überhaupt, die die technischen und energetischen Vorschriften unserer Zeit erfüllt“, so Winzer stolz. „Von den insgesamt 1.629 Fassadenelementen sind 1.000 Einzelstücke, manche bis zu 520 Kilogramm schwer.“

Überall findet sich Winzers Handschrift, verewigt in Stein. „Das macht meine Arbeit so reizvoll“, betont sie. „Wir schaffen Werke für die Ewigkeit und sind doch hoch innovativ, flexibel, arbeiten mit modernster Technik und versuchen, immer neue Zielgruppen zu erschließen.“ Und so findet man sie, die Winzer Natursteine GmbH, im Netz und in den sozialen Medien. Jung und frisch der Anstrich, von 6.000 Tassen Kaffee pro Jahr berichtet die Homepage, verteilt auf aktuell 25 Mitarbeiter, die in Summe mehr als 400.000 Arbeitsstunden pro Jahr leisten.

Was nach viel Arbeit klingt, macht der 35-Jährigen vor allem Spaß. „Auch wenn ich gewissermaßen eine Quereinsteigerin war, habe ich meine Entscheidung, nach Sachsen zurückzukehren, nie bereut“, betont sie. „Nur, dass ich die Welt nicht mehr durchs Mikroskop entdecke, sondern der Spur der Steine folge.“

www.winzer-natursteine.de

Alle Fotos im Beitrag ©Erik Gross