Wo Rechner arbeiten, entsteht Hitze. Die Firma Cloud & Heat hat eine Technik entwickelt, um damit Häuser mit Warmwasser und Heizenergie zu versorgen. Mit den vernetzten Computern wurde eine Cloud aufgebaut.

Am Anfang stand ein Hausbau. Und während der Informatiker Christof Fetzer in Dresden ein Passivhaus für seine Familie plante, ging seinem Kollegen, dem Physiker Jens Struckmeier, eine Frage nicht mehr aus dem Kopf: Was wäre, wenn sich die durch eine Reihe von Computern entstehende Wärme im Fetzer-Neubau nutzen ließe? Zum Beispiel, um ihn zu beheizen und analog dazu viele Gebäude in großem Stil. Der 42-Jährige rechnete und entwarf mit Fetzer den Prototypen eines Serverschranks, der die Rechner aufnehmen sollte. Konstruiert wurde er so, dass die Abwärme durch Wärmetauscher in den Heiz- und Wasserkreislauf von Gebäuden eingespeist werden kann. Falls vorhanden, sollte es auch möglich sein, die Server-Warmluft direkt in das zentrale Lüftungssystem eines Hauses zu leiten – um es zu beheizen oder die Wärme kostengünstig nach draußen zu befördern. Separate Computer-Kühlsysteme sind damit überflüssig, was Energie spart und Geld.

„Grünste Cloud der Welt“

Schließlich sollten die über das Internet zusammengeschalteten Server verschiedener Standorte ein virtuelles Rechenzentrum bilden. Um die nötige Anzahl von Serverschränken zu ermitteln, mit der ein Haus abhängig von Energiebilanz und Größe beheizt werden kann, entwickelte Struckmeier ein Simulationsprogramm. Nun fehlten nur noch eine Firma und ein Geschäftsführer, der Startkapital eintreibt. Dafür holten die beiden den Kaufmann René Marcel Schretzmann ins Boot und gründeten 2011 die Firma AoTerra, die längst beide Geschäftsfelder unter dem neuen Namen Cloud & Heat am Standort im Dresdener Norden vereint. „Wir wollen einer der wichtigsten Cloud-Anbieter Europas werden und darüber hinaus“, sagt Schretzmann. Schon jetzt betreibe man „die grünste Cloud der Welt“. Mit ihren Serverschränken werden je Einheit bis zu zehn Tonnen Kohlendioxid pro Jahr gegenüber konventionellen Rechenzentren eingespart. 2013 wurde 1 Million Euro umgesetzt, Ende 2015 soll Gewinn abfallen. Kapital beschaffte Schretzmann nicht nur von der Sparkasse und vom Gründerfonds Startbahn Ventures. Auch Crowdfunding über die Schwarmkapital-Plattform Seedmatch spülte 1 Million Euro in die Kasse.

15 Jahre kostenlos Heizung und Warmwasser

Damit konnte Cloud & Heat bislang 464 Server in Deutschland installieren. Derzeit liegen alle Anstrengungen darauf, Cloud-Kunden zu gewinnen. „75 sind es mittlerweile“, sagt Schretzmann, „vor allem technologieaffine Start-ups, Mittelständler, Einzelpersonen, aber auch größere Unternehmen.“ Punkten will die Firma mit günstigen Cloud-Leistungen, da sie keine Rechenzentren bauen muss. An diesem Vorteil werden Hausbesitzer beteiligt, die die Serverschränke für je etwa 12 Euro ordern. Mindestens 15 Jahre lang, so lautet die Zusage, werden die Immobilien kostenlos durch die Technik beheizt und mit Warmwasser versorgt.