Früher wurden hier riesige Eisenbahnkräne montiert. Heute wuseln durch die umgebaute Industriehalle in Leipzig-Plagwitz junge Leute mit Tattoos, Turnschuhen und Hipster-Bärten. Sie arbeiten für Spreadshirt.
Das Unternehmen betreibt, neudeutsch ausgedrückt, eine Clothing-Commerce-Plattform. Darüber können Kunden ihre Kleidung individuell bedrucken lassen mit Sprüchen, Bildern, Comics. Folgt man der Faustformel, dass ein Kalenderjahr sieben Internetjahren entspricht, gehört Spreadshirt bereits zu den Online-Senioren. Das Unternehmen behauptet sich seit zwölf Jahren erfolgreich am Markt, ist in 17 Ländern aktiv, hat fast 500 Mitarbeiter und Dependancen auf drei Kontinenten. „Bei Spreadshirt zu arbeiten, ist kein Job, sondern eine Haltung“, beschreibt Vorstandschef Philipp Rooke die Unternehmensphilosophie. So passt es ins Bild, dass Finanzchef Tobias Schaugg und Guido Laures, neuer Technikvorstand, optisch nicht von ihren Mitarbeitern zu unterscheiden sind. Sie sind im Kapuzenpullover bzw. T-Shirt vor dem Kaffeeautomaten ins Gespräch vertieft – die Kickertische in Sichtweite.

Unaufgeregte Machermentalität als Unternehmensphilosophie

Gearbeitet wird bei Spreadshirt in Großraumbüros. Feste Arbeitszeiten mit einer Stechkarte gibt es nicht. „Hart und viel gearbeitet wird bei uns trotzdem und wir probieren immer wieder neue Sachen aus“, sagt Rooke. „Das ‚Tüfteln‘ ist eine sächsische Tugend, die ich sehr schätze.“ Die unaufgeregte Machermentalität stammt noch aus den Gründerzeiten. Spreadshirt will sie unbedingt bewahren, denn sie hat dem Unternehmen bisher fast durchgängig gute Wachstumsraten beschert. „Vergangenes Jahr haben wir 65 Millionen umgesetzt“, sagt Rooke. Vor Spreadshirt hat er unter anderem für eine britische Handelskette mit weltweitem Filialnetz gearbeitet.

Leipzig ist eine hervorragende Alternative zu New York

Auch für die Asiatin Do Laux war Leipzig eine Alternative – zu New York. Sie kam der Liebe wegen, ihr Mann hatte einen Job in Sachsen bekommen. Als Art-Direktorin verantwortet sie mit ihrem Team das gesamte optische Erscheinungsbild von Spreadshirt online und offline. Zuvor war sie Art-Direktorin in der New Yorker Zentrale eines Kosmetikkonzerns. Die 30-jährige schätzt die hohe Lebensqualität von Leipzig, die lebendige Kunst- und Kulturszene. „Die Stadt erinnert mich an Williamsburg in Brooklyn – ein bisschen alternativ und cool“, schwärmt Laux. An ihrem Job mag sie, dass die Leute so geerdet sind und es sich wie eine große Familie anfühlt. „Ich finde es toll, dass die Spreadshirt-Kollegen wirklich offen sind. Es war gar kein Problem, dass ich anfangs kein einziges Wort Deutsch gesprochen habe.“ Das ist allerdings Geschichte. Do Laux plaudert inzwischen prima auf Deutsch.

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