Ein Messer neu zu erfinden, scheint ein vergeblicher Versuch. Es gibt das Schneidwerkzeug bereits in jeder denkbaren Form. – Irrtum, ein Pirnaer kann es doch.

Alles im Griff

Maik Zenker erfand ein sächsisches Wandermesser. Das gab es bisher nicht. Holzgriff und Klinge werden von Hand gefertigt und vom Meister mit einem speziellen Kitt „verheiratet“, wie der Fachmann sagt. So wird jedes Messer zum Einzelstück. Der Kunde kann sich sein Messer in der Manufaktur bestellen. Der Griff aus Holz wird so geschliffen, dass er perfekt in die eigene Hand passt. Am besten, man stellt sich neben Maik Zenker, nimmt den Griff immer wieder in die Hand, bis man das Messer im Griff hat.

Alles begann damit, dass der 47-Jährige 2011 zum Jahrestag seines Service für Schneidwerkzeuge ein Jubiläumsmesser kreierte. 20 Stück gab es davon. Freunde und Kunden wollten mehr. »Es existiert offensichtlich ein Bedarf an hochwertigen Messern. Das war mir bis dahin nicht klar«, sagt Maik Zenker. Er handelte entschlossen, besorgte sich Klingenrohlinge, Pflaumen-, Eichen-, Oliven- und Birnbaumholz und experimentierte. Zu DDR-Zeiten hatte er das Handwerk gelernt. Er wusste, was er tat, wusste, dass jedes Messer neben der schönen Form und dem guten Material eine Balance zwischen Griff und Klinge haben muss. Und dass die Messer entsprechend ihrer Funktion aufgebaut sein müssen. In seiner Werkstatt schleift er jetzt ganz individuell, je nach Auftrag, Klingen und Griffe, poliert beides, bis es glänzt und eine Einheit bildet.

Die meisten der Klingen, die massenhaft in Läden liegen, sind aus Bandstahl. Maik Zenker dagegen lässt sich gehärtete Klingen liefern und gibt ihnen dann ihre individuelle Form. Es mutet archaisch an, wie der Werkzeugmechaniker vor dem großen rotierenden Stein steht und die Klinge nach seiner Vorstellung schleift. Aber nur so entsteht ein Unikat.

Eine messerscharfe Kollektion

Maik Zenker entwickelte auch ein Stollenmesser. Das historische Dresdner Stollenmesser nahm er sich dabei bewusst nicht zum Vorbild. Inzwischen entstand eine ganze Kollektion. So entwarf er nach eigenen Vorstellungen auch ein Brot-, Koch-, Käse-, Torten- und Filetiermesser. In seinem Fachgeschäft in der Pirnaer Innenstadt bietet er sie an, alle handgefertigt, einmalig und individuell.

Messerschmiede haben Tradition in Sachsen. Schon im Jahre 1562 wurde in Dresden eine eigene Messerschmied-Innung gegründet, sie existiert bis heute. Seit 1792 gibt es das Fachgeschäft in Pirna, welches heute von der Schleiferei Zenker betrieben wird. Es gehört zur Philosophie von Maik Zenker, jedem Kunden sein Messer herzustellen. So gelangt auf jede Schneide von Zenker ein Schriftzug, den sich der Kunde nach seiner Idee ätzen lassen kann. Zur Hochzeit zum Beispiel oder mit Namen samt Adresse. Dann bekommt jedes Messer neben seinem individuellen Schliff auch eine eigene Geschichte.

www.schleiferei-zenker.de

www.editionsz.de/die-feine-saechsische-art.html