Die familiengeführte Manufaktur „August Förster“ fertigt seit fünf Generationen im sächsischen Löbau feinste Pianos und Flügel. Ein Hausbesuch.

Warm und voll ist der „Förster-Klang“, den viele Kammermusiker und Jazzpianisten so lieben. Für diesen Klang setzen die 40 Mitarbeiter der Klaviermanufaktur August Förster ihre ganze Erfahrung ein und jede Menge Leidenschaft. Doch wer durch die verwinkelten Treppenhäuser des Traditionsbetriebes in Löbau steigt, bemerkt bald einen weiteren wichtigen Mitarbeiter, der auf keiner Lohnliste steht: die Zeit. Mindestens vier Monate dauert es, bis ein Piano fertig ist, sechs Monate braucht ein Flügel. Wenigstens. Denn fast nach jedem Arbeitsgang ist Geduld gefragt, dann wartet man bei August Förster. Bis sich das Holz des massiven Rahmens akklimatisiert hat. Bis der Lack über dem Gussrahmen durchgetrocknet ist. Bis sich 20 Tonnen Zugkraft von 230 erstmals gespannten Saiten gleichmäßig verteilt haben.

Handwerk trifft Kunstfertigkeit

„In jedem Instrument steckt die Erfahrung aus fast 160 Jahren Klavierbau“, sagt Annekatrin Förster, Ururenkelin des namensgebenden Firmengründers. Und dazu gehöre es eben auch, sich die Zeit zu nehmen, die notwendig ist. Hektik scheint deshalb fremd in den Werkstätten der Manufaktur, trotz ständiger Betriebsamkeit. Denn weil hier fast alles in Handarbeit geschieht, gibt es bei einer Jahresproduktion von rund 200 Instrumenten immer viel zu tun. Allein das Aufziehen der Saiten dauert pro Flügel mehr als einen Arbeitstag. Zuvor muss der Gussrahmen an 500 Stellen gebohrt werden, danach gespachtelt und lackiert. Der Holzrahmen entsteht aus mehreren dünnen Schichten eigens geformten und verleimten Holzes. Das Gehäuse wiederum wird später mit einer Furnieroberfläche und mehreren Lackschichten veredelt. Die Montage und Einrichtung des Spielwerks mit seinen 88 Tasten erfordert ebenso viel Sorgfalt wie das Stimmen des Instruments. Und je näher der Blick an die einzelnen Handgriffe rückt, desto mehr faszinierende Details offenbaren sich. So besteht die filigrane Mechanik pro Ton aus rund 100 Einzelteilen. Jedes davon muss der Klavierbauer im Blick haben, um einen Anschlagswiderstand von exakt 50 Gramm für jede Taste zu realisieren. Damit sich jeder Tastenanschlag gleich anfühlt, werden also Schräubchen justiert, Federn gespannt und schließlich kleine Bleigewichte ins Holz gestanzt.

Wachstum dank Liebe zum Detail

„Solche Details machen den Unterschied zu Großserieninstrumenten aus“, weiß Marketingchef Gabriel Wandt. „Unsere Kunden schätzen genau diese Sorgfalt und dass wir jedes Instrument nach ihren Wünschen fertigen können.“ In Sachen Lackierung und Furnierauswahl lassen sich die drei Piano- und vier Flügelmodelle in hohem Maß individualisieren. Zudem sei es manchem Kunden durchaus wichtig, „dass wir bevorzugt mit Zulieferern aus der Region und aus Deutschland zusammenarbeiten“, so Wandt. Auch daraus erklärt sich, dass die Preise der Förster-Instrumente zwar den gesamten fünfstelligen Eurobereich besiedeln und die Nachfrage dennoch steigt. Chefin Annekatrin Förster ist froh, dass man in Löbau derzeit kaum Nachwuchssorgen hat: „Wir haben ausreichend gute Bewerber für die Ausbildung zum Tischler oder Klavierbauer“, sagt sie. Daher blicke sie auch sehr optimistisch in die Zukunft des „Kunsthandwerks“ ihrer Vorfahren. Bei dem letztlich nur eines entscheidend sei – „dass am Ende alles stimmt.“

Text ©Erik Braunreuther

Fotos ©Christoph Reichelt