Herzblut, Traditionsbewusstsein und Innovationsgeist. Deutsches Handwerk ist in Sachsen – dem Land der Ingenieure – nicht zuletzt nur Qualitätsmerkmal, sondern auch Leidenschaft. Und die wird in vielfältigen Gewerken gelebt. Ein Blick hinter die Kulissen von Sachsens Manufakturen …

In der Klaviermanufaktur August Förster in Löbau arbeiten 40 Tischler und Instrumentenbauer an einzigartigen Instrumenten, die seit jeher in der Region gefertigt wurden. Mit Liebe zum Detail entstehen so in wochenlanger Präzisionsarbeit über das Jahr hinweg 120 Klaviere und 80 Flügel. Seit 160 Jahren werden hier Qualitätsinstrumente gebaut, die so besonders im Klang sind, dass sie in alle Welt verkauft werden.

Viel jünger ist das vor einigen Jahren in Zittau gegründete Unternehmen WhiteStone. Die Radmanufaktur fertigt Sportfahrräder auf Spitzenniveau. Jede Speiche wird noch von Hand eingesetzt, die Lackierung nach einem speziellen Verfahren durchgeführt – individuelle Wünsche sind hier willkommen. Geschäftsführer Jens Jankowski ist es wichtig, dass seine „Kampfmaschinen“, wie er sie nennt, als edle Einzelanfertigungen den höchsten sportlichen Ansprüchen seiner Kunden entsprechen. Durch kontinuierliche Forschung und Weiterentwicklung optimiert – und revolutioniert – er die Fahrradwelt.

Eine ganz andere Kundengruppe bedienen die Deutschen Werkstätten Hellerau. Ende des 19. Jahrhunderts in Dresden gegründet wuchs das Unternehmen schon in den ersten 12 Jahren auf 450 Mitarbeiter. Mit der Herstellung von Maschinenmöbeln machte man sich einen Namen unter anderem im Innenausbau von Passagierschiffen. In der DDR unter staatlicher Verwaltung, wuchsen die Hellerauer Werkstätten nach der Wende zu einem Unternehmen, das heute hochwertigste Baustoffe in den teuersten Schiffen und Gebäuden weltweit konzipiert und verbaut. 230 Mitarbeiter widmen sich stilvollem Design, außergewöhnlichen und edlen Materialien und einem zeitlosen Erscheinungsbild. So war man beispielsweise an dem Ausbau der Dresdner Frauenkirche, des Finnlandhauses Hamburg, der Tate Britain in London und weiteren namhaften Gebäuden und auch Yachten weltweit beteiligt.

Ein Möbelstück aus dem Hause Hellerau ist heute nur noch in wenigen Wohnzimmern zu finden. Ganz im Gegensatz zum Herrnhuter Stern. In ganz Deutschland und sogar darüber hinaus ist er das Zeichen dafür, dass die Weihnachtszeit beginnt. Das gesamte Jahr sind dafür 120 Mitarbeiter in Herrnhut mit dem Bau der kleinen und großen Sterne beschäftigt, um der Nachfrage überhaupt gerecht zu werden. So entstehen in der 1897 gegründeten Manufaktur jährlich 500.000 Sterne, die seit Generationen verschenkt und gerne auch vererbt werden. Ein Erzieher erdachte sich vor mehr als 100 Jahren im Mathematikunterricht den Stern, der für ein besseres geometrisches Verständnis dienen sollte. Die Tradition wurde weitergegeben. Seitdem bastelt man nicht nur in Sachsen mit dem ersten Advent seinen traditionellen Stern.

Wie die Zeit wortwörtlich vergeht, wird einem in Glashütte bewusst. Hier arbeitet ein nicht unwesentlicher Anteil der Einwohner in den weltweit bekannten Uhrenwerken, darunter Nomos, A. Lange & Söhne und dem Glashütter Uhrenbetrieb. Letzterer wurde 1845 gegründet und bildet bis heute in dem kleinen Ort Uhrmacher und Werkzeugmechaniker aus, die ein einzigartiges Handwerk beherrschen. In wochenlanger Kleinstarbeit setzen die Mitarbeiter 150 bis 500 Einzelteile zu einem Unikat zusammen, das in seiner exklusivsten Ausführung schon mal bis zu 35.000 Euro kosten kann. In mehr als 50 Länder werden die Traditionsuhren dann verkauft. Durch die aufwendige Herstellung jeder einzelnen Uhr, haben sich Glashütte Original und auch die anderen Uhrenhersteller im Ort weltweit zu Anbietern hochqualitativer Lifestyle-Produkte entwickelt.

Traditionshandwerk in Sachsen – es gäbe noch so viel zu berichten über die Geschichten und Menschen. Und jeder einzelne von ihnen schafft mit Liebe zum Detail Unikate „made in Saxony“, die jeden Trend überdauern und doch mit der Zeit gehen.