Barock hin oder her – in Sachsen ist auch die Moderne zur Hause. Neues Bauen, Ostmoderne, die zeitgenössische Avantgarde, seit 100 Jahren entsteht hier Architektur auf internationalem Niveau. Ein Streifzug.

Flirrendes Licht: Die Produktionshalle der Maschinenfabrik Auma Coswig bei Dresden fassten Wurm + Wurm Architekten 2008 in Edelstahlschindeln und trasluszente Materalien ein. Jetzt grüßt das avantgardistische Gebäude der Firma, die seit über 100 Jahren besteht, die Reisenden der Bahnstrecke Dresden – Berlin.

Ein hübsches Ufo ist da auf der Wiese gelandet: Es ist das Kundenzentrum des Porsche-Werks Leipzig, ein Diamant aus Beton, Stahl und Glas, erbaut vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner. In dem 2002 erbauten Werk werden der Cayenne, der Macan und der Panamera gerfertigt.

Architektur von Weltrang: Das Zentralgebäude des 2005 fertiggestellten BMW-Werks in Leipzig wurde von der Londoner Architektin Zaha Hadid entworfen. Außen demonstriert die Fassade Windschnittigkeit, innen gleiten die Karosserien über den Köpfen der Angestellten in den Büros hinweg.

Ein neuer Sakralbau, mitten in der Stadt: Der Neubau der Trinitatiskirche in Leipzig war für die ortsansässigen Architekten Schulz und Schulz eine seltene Gelegenheit. Sie verkleideten die dreieckig angelegte Kirche mit warmem, rotem Vulkangestein und schufen innen beeindruckend klare, reduzierte Andachtsräume.

Der Chemnitzer Architekt Max W. Feistel wollte in den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts das Bauen rationalisieren. Sein eigenes Wohnhaus, die Villa Feistel von 1928, sollte in Beispiel industrieller Bauweise abgeben. Am Stahlskellett wurden innen und außen Platten verschraubt.

Mit Erich Mendelsohn zeichnet einer der berühmtesten Architekten der 20er-Jahre verantwortlich für die Gestaltung des Kaufhauses Schocken in Chemnitz. Heute ist das aufwendig restaurierte Haus Sitz des Staatlichen Museums für Archäologie – das Schocken-Signet ist aber wieder da.

Wie eine Moschee trohnt die ehemalige Tabakfabrik Yenidze über der östlichen Friedrichstadt in Dresden. Der Unternehmer Hugo Zietz ließ in dem 1909 fertiggestellten Gebäude Zigaretten der Marke Salem fertigen. Heute befinden sich in der Kuppel ein Restaurant und ein Märchentheater.

Die neue Synagoge Dresden steht an der gleichen Stelle, wo die alte Synagoge von Gottfried Semper in den Pogromen 1938 zerstört wurde. Das Saarbrücker Büro Wandel, Hoefer Lorch + Hirsch errichtete den Neubau aus abstrakten Kuben, die Färbung des Betons gemahnt an die Klagemauer.

Bei diesem Dresdner Bau erkennt man die Handschrift des Architekten Daniel Libeskind von Weitem: Wo früher die sächsische Armee ihre Waffen lagerte, teilt seit dem Umbau 2011 ein rasanter Keileinbau die Fassade. Drinnen befindet sich das Militärhistorische Museum der Bundeswehr.

Dieser Artikel erschien 2016 als Beitrag der „Monopol Sachsen – Kunst und Kultur“.