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Reisen & Entdecken

Die Reise des Hermes

Oberlausitz
Der restaurierte Hermes

„So geht sächsisch.“ präsentiert restaurierte besondere Sandstein-Figur.

Hermes: Götterbote, Gott der Reisenden und Führer der toten Seelen in die Unterwelt – ein vielbeschäftigter Star im Olymp, dem griechischen Götterhimmel. Ein ganz besonderes Hermes-Exemplar ist eine Zittauer Statue, die 1734 vom wohlhabenden und kunstsinnigen Kaufmann Christian Besser in Auftrag gegeben wurde. Aus hellem Sandstein von einem unbekannten Meister geschaffen, gilt der Zittauer Hermes als künstlerisch einzigartig und erzählt gleich mehrere Geschichten.

Porträt von Carl Christian Besser in den Städtischen Museen Zittau

Die erste Geschichte ist die seiner Stifter

Der Zittauer Kaufmann Christian Besser und sein Sohn Carl Christian gehören zu den herausragenden Persönlichkeiten der Stadt. In wenigen Jahren haben sie ein großes internationales Handelshaus geschaffen mit Kontakten nach London und nach Übersee. Das barocke Zittau war eine blühende Stadt, die großartigen Barock-Palais zeugen bis heute vom damaligen Wohlstand. Die Familie ließ ein Palais erbauen, das heute als „Alte Post“ bekannt ist. Sohn Carl Christian war auch als Wohltäter bekannt, der sein Geld für karitative Zwecke einsetzte.

Der Auftrag für die Hermes-Figur als Statue auf dem Familiengrabmal zeugt auch vom Bildungsgrad und vom umfangreichen Interesse Carl Christian Bessers. Die Zeit der Aufklärung war verbunden mit besonderem Interesse für die Antike. Davon gibt uns der Sandstein-Hermes heute Zeugnis. Es war für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich, dass man für ein Grab keine christliche Symbolik ausgesucht hat! Und für ein Grabmal wäre der spärlich bekleidete und sichtlich trainierte Götterbote selbst heute ein Aufreger.

Die zweite Geschichte ist die der Restaurierung

Das Grabmal auf dem Zittauer Klosterhof war sehr in die Jahre gekommen und brauchte dringend eine Verjüngungskur. Mit Mitteln der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Zittauer Ehepaar Birgit und Steffen Bollmann sowie zahlreicher weiterer Spender ist das gelungen.

Grufthaus der Familie Besser auf dem Klosterhof. Foto: Peter Knüvener

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Die Reise des Hermes - Restauration

Restauration des Hermes

Darauf ging der Reisegott selbst auf die Reise nach Zwickau in die renommierte Werkstatt von Steinmetz und Restaurator Andreas Muth. Die fachkundige Kur dauerte sogar fast zwei Jahre. In einem aufwändigen Verfahren mussten zuerst Schadstoffschichten entfernt werden, bevor dann an die wirkliche Feinarbeit gegangen werden konnte. Der Gott wartet jetzt in Zwickau auf seinen großen Auftritt.

Die dritte Geschichte ist die der Auferstehung

Hermes wird ab 27.04.2022 in einer einmaligen Präsentation in Dresden in den Staatlichen Kunstsammlungen zu sehen sein. Bevor er aus Zwickau an seinen Bestimmungsort Zittau einmal quer durch Sachsen reist, macht der Gott Station im Residenzschloss in Dresden und wird hier nicht nur würdig empfangen, sondern hoffentlich von vielen Menschen begrüßt. Hermes wird die Sommerfrische in Dresden verbringen und kann bis zum Herbst besucht und bestaunt werden. "Er wird im englischen Treppenhaus des Residenzschlosses, gleich neben dem Innenhof aufgestellt", sagt der Zittauer Museums-Chef Knüvener. 

Die Hermesfigur im Inneren der Besserschen Gruft auf dem Klosterhof. Das Grufthaus und die Figur wurden im Jahr 2020/21 dank verschiedener Spenden restauriert.
In einem Festakt im Dresdner Residenzschloss wurde der Gott der Reisenden u.a. vom Ministerpräsidenten Michael Kretschmer in Empfang genommen.

Ein gebührender Empfang

Am Abend des 27. Aprill 2022 erhielt der Zittauer Hermes nach zweijähriger Restauration Einzug an seinem neuen Platz: Am Fuße der englischen Treppe im Dresdner Residenzschloss verbringt die edle Figur aus feinem böhmischen Sandstein und schwarzem Marmor den Sommer. Neben Marion Ackermann, der Generalsekretärin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Peter Knüvener, dem Direktor der Städtischen Museen Zittau und Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker empfing auch der Sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer den Gott der Reisenden im Rahmen eines Festaktes. 

Im Gespräch wurde betont, wie wichtig und wertvoll verborgene Raritäten in der Sächsischen Kunstlandschaft sind. "In der Provinz gibt es Schätze, die gehoben werden müssen," ist sich Peter Knüvener sicher. 

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