Wo schlägt man Google & Co. ein Schnippchen? Zum Beispiel in Leipzig. Hier produzieren Martin Schlichte und sein 65-köpfiges Team seit knapp zehn Jahren Bildung auf Knopfdruck, sprich Lernvideos für Studenten, Unternehmen und private Interessenten.

Rasch entwickelte sich Lecturio zur heute größten deutschen Video-Lernplattform für berufliche Fort- und Weiterbildung und hält über 5.000 Seminare für den Abruf per Smartphone und Tablet bereit. Großkunden wie die Viessmann Group, einer der international führenden Hersteller von Heiz-, Industrie- und Kühlsystemen, der TÜV oder die international agierende RLE INTERNATIONAL Gruppe schätzen die Lecturio-Tools ebenso wie eine Reihe sächsischer Technologie-Anbieter.

Das Thema digitale Wissensvermittlung treibt den Absolventen der renommierten Handelshochschule Leipzig bereits seit 2008 um. Damals hob er gemeinsam mit Kommilitonen – ganz gründergemäß in einer studentischen WG – die E-Learning-Plattform Lecturio aus der Taufe. Weit vor Googles Online-Uni „Udacity“ und ähnlichen Projekten aus den üblichen Vorreiter-Ländern.

Erklärtes und überaus ambitioniertes Ziel: Vorlesungen an deutschen Hochschulen aufzuzeichnen und so den Studierenden nachhaltiges, zeit- und ortsunabhängiges Lernen zu ermöglichen. Doch die Gründer hatten die Innovationsfreude hiesiger Unis überschätzt. Das Projekt geriet 2011 an seine Grenzen. „Auch wer zu früh kommt, den bestraft gelegentlich das Leben“, erinnert sich Martin Schlichte. Umdenken war angesagt; Schlichte verordnete sich eine konzeptionelle Kur: Die Produktion eigener Inhalte rückte nun in den Vordergrund.

Von Beginn an als überzeugter Investor im Boot: der Technologiegründerfonds Sachsen. Ein schlagkräftiges Argument für den Standort Leipzig. Spätere Investoren brachten immer wieder Berlin ins Gespräch. Heute ist davon keine Rede mehr, denn „Lebensqualität, Gründerfreundlichkeit, Verkehrsanbindung sprechen für Leipzig“, so Martin Schlichte.

Weitere Investoren wie Holzbrinck Digital und VC Seventure Partners aus Frankreich wurden überzeugt und investierten Millionen. Das hat sich buchstäblich ausgezahlt, die Umsätze steigen, das internationale Renommee wächst. Seither tummelt sich Lecturio vom Leipziger Zentrum aus erfolgreich in einem rund 50 Milliarden Dollar schweren Weltmarkt.

Mittlerweile können sich die Nutzer in über 80 Bereichen zu Themen wie Medizin, Jura, Software und Karriere via Video aus- und weiterbilden. Selbst der deutsche Weltmeister im Tischfußball verrät auf Lecturio einige Erfolgsgeheimnisse seines Sports.

Qualität ist die beste Medizin

2014 läutete Martin Schlichte eine neue Phase ein. Das Unternehmen setzt von da an stärker auf Spezialisierung in ausgewählten Segmenten mit Potenzial.

Mit einem englischsprachigen Lernportal für Medizinstudenten, Ärzte und klinisches Personal treibt Lecturio die Internationalisierung in Richtung USA und Asien voran. In Boston eröffnet demnächst ein Büro. „2014 hatten wir die Vision entwickelt, die besten englischen Medizinkurse der Welt anzubieten. Überall auf der Welt werden Ärzte und medizinisches Fachpersonal gebraucht. Doch in englischer Sprache gab es kein Angebot, das die Inhalte ganzheitlich und in überragender Qualität anbietet und diese mit einem der fortschrittlichsten E-Learning-Systeme weltweit vereint. Diese Lücke haben wir mit lecturio.com gefüllt“.

Zur Aufzeichnung ihrer Vorlesungen kommen handverlesene Mediziner US-amerikanischer Elite-Unis wie Harvard, Yale oder UCLA ins Lecturio-Studio nach Leipzig. „Die meisten waren noch nie in Deutschland und sind dann von unserer Stadt total begeistert, fotografieren ohne Unterlass und schreiben sogar eigene Blogs über ihren Aufenthalt“, erzählt Martin Schlichte. „Bessere Botschafter für Leipzig gibt es nicht.“

Entwicklungshilfe 2.0

Seit März 2017 können auch Medizinstudenten in Afghanistan dank Lecturio von den weltbesten Dozenten lernen. MEDI macht’s möglich: Ziel ihrer „Medical Development Initiative“ ist es, die medizinische Ausbildung in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verbessern. Das Unternehmen stellt dafür sein englischsprachiges Videokursprogramm zur Verfügung, das den Studenten renommierte Professoren aus den USA direkt auf ihr Tablet, Smartphone oder den PC liefert – und das kostenlos. „Unser Anliegen ist es, so vielen Menschen wie möglich den Zugang zu exzellenter Bildung zu ermöglichen – insbesondere in einem so lebenswichtigen Bereich wie der Medizin“, begründet Lecturio-Geschäftsführer Martin Schlichte das außergewöhnliche Engagement.

Mehr erfahren auf www.lecturio.de und www.lecturio.com.

Alle Fotos von Robert Strehler.