Lauta lebt

Bis in das frühe 20. Jahrhundert war Lauta ein beschauliches Dorf. 1917 kam das Aluminium: Mitten in die nördsächsische Wald- und Heidelandschaft setzte sich die Vereinigte Aluminiumwerke AG. Nördlich davon entstand eine weitläufige Werkssiedlung. Und in dieser Siedlung steht bis heute die bemerkenswerte Stadtkirche von Architekt Clemens Simon.

Für die Werksangehörigen planten Chefarchitekt Clemens Simon und sein Bruder Stephan eine Siedlung nach den Grundsätzen der Gartenstadt. In vielen Industriestädten der Zeit herrschten ungesunde Lebensbedingungen. Das Straßenbild der Siedlung von Lauta war ein pittoresker Gegenentwurf – ein- bis zweistöckige Wohnhäuser, Dorfplätze, Gründflächen und Gärten.

Die Kirche kam erst 1924. Gebaut wurde sie allerdings in atemberaubender Geschwindigkeit, innerhalb von sechs Monaten. Gemeindemitglieder legten Hand an, um Kosten zu sparen. Ein Schlossermeister fertigte die Türbeschläge aus Aluminium in seiner Freizeit, ein Maurer räumte seinen Nachmittag für die Kirche frei, andere Gemeindemitglieder verlegten Dachziegel.

Besonders modern und typisch für die Zeit ist das innovative Zollinger-Dach der Kirche. Kurze Bretter werden zu Rauten verbunden und bilden ein netzartiges Tragwerk. Die faszinierende Konstruktion ist immer noch im Dachstuhl zu sehen, vom Kirchensaal allerdings nicht. Das Aluminiumwerk ist heute weg, die Siedlung steht noch. Doch Lauta hat viele Einwohner verloren, und so schien auch die Kirche unhaltbar, eine Sanierung nicht zu finanzieren. Ein Sonderprogramm der Denkmalförderung leitete die Rettung ein. Seit 2016 engagiert sich der Verein der Freunde der ev. Kirche Lauta Stadt e.V. für die Wiederbelebung von Gemeinde und Kirche. Heute ist sie nicht nur Gotteshaus, sondern auch Raum für Film- und Theatervorführungen, Vorlesungen und Konzerte – ein weithin sichtbares Lebenszeichen aus Lauta.

Alle Fotos im Beitrag @Till Schuster