Neufert-Bau – Weißwasser setzt Standards

Zwei Bauhaus-Studenten haben Spuren in Weißwasser hinterlassen. Und ein Bau bringt die Zusammenarbeit der beiden auf den Punkt.

Wilhelm Wagenfeld hat als Designer zahllose Klassiker geschaffen. Bei den Vereinigten Lausitzer Glaswerken (VLG) wurde er 1935 zum künstlerischen Leiter berufen. Er prägte die Devise „Gutes muss nicht teuer sein“ und entwickelte schöne, erschwingliche Haushaltsgegenstände, die am Fließband gefertigt wurden. Pressglas galt zuvor als Billigmaterial; Wagenfeld veredelte es zu Designklassikern wie dem Vorratsgeschirr Kubus.

Ernst Neufert ist bis heute ein Name, dem Architekten begegnen. Seine „Bauentwurfslehre“ von 1936 war ein Verkaufsschlager. Heute ist sie ein Standardwerk in der 42. Auflage, unter Fachleuten international als „the Neufert“ bekannt. Neufert wollte Gebäude so effizient wie Maschinen machen. Um das zu erreichen, bestimmte er die Maße nahezu aller Räume und Gegenstände, mit denen Menschen interagieren.

Wagenfeld und Neufert durften gemeinsam neue Werks- und Lagergebäude für die VLG errichten. Sie zogen an einem Strang: Standardisiert sollten die Bauten sein, optimiert auf jede Bewegung im Produktionsablauf.

Das ehemalige Zentrallager der VLG macht die Ziele konkret. Neufert plante ein sechsgeschossiges Lagerhaus mit einem tragenden Stahlskelett. Das Gerüst bleibt sichtbar, es ist mit Klinkersteinen ausgemauert. Auch im Inneren teilt das Gitter die Halle in Räume, die wie übergroße Regalfächer funktionieren. An das Lager schließt sich eine Verladehalle mit eigenem Bahngleis an.

Einige von Neuferts Bauten für die VLG sind inzwischen abgerissen, ein Wohnhaus für den damaligen Firmendirektor wird privat bewohnt. Das Lagergebäude, in der Stadt als Neufert-Bau bekannt, blieb stehen. Der Trägerverein Neufert-Bau Weißwasser will es erhalten und zu einem touristischen Anziehungspunkt aufbauen.