Frischer Wind in Dresden

Zum Ende des 19. Jahrhunderts strömten Menschen auf der Suche nach Arbeit in die Großstädte. Hier wohnten sie in überfüllten Vierteln, viele wurden krank. Die Hygienebewegung schickte sich um die Jahrhundertwende an, dagegen zu kämpfen.

Ein Mann trug dazu bei, dass Dresden zu einem Zentrum der Bewegung wurde: Karl August Lingner. Der Unternehmer wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Vermarktung des Odol-Mundwassers reich. Danach engagierte er sich für die gesundheitliche Aufklärung. Maßgeblich war Lingner 1911 an der Ausrichtung der 1. Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden beteiligt. Das Thema war nicht nur aktuell, die Ausstellung war auch besonders anschaulich. Und so wurde sie ein großer Erfolg; über 5 Millionen Besucher kamen.

Mit den Einnahmen sollte ein eigenes Museum finanziert werden. Aber der Erste Weltkrieg, Lingners Tod 1916, und die Weltwirtschaftskrise bremsten das Projekt immer wieder aus.

1930 durfte das Deutsche Hygienemuseum dann endlich im eigenen Haus eröffnen, gebaut von dem Architekten Wilhelm Kreis und wissenschaftlich betreut von der Medizinerin Marta Fraenkel. Gebäude und Ausstellung demonstrierten eine neue, am Menschen ausgerichtete Museumspädagogik. Alles war schlicht und funktional gehalten, die Raumabfolge optimal auf die Nutzung als Museum ausgelegt. Star der Ausstellung war der Gläserne Mensch, ein lebensgroßes, transparentes Modell.

1933 ergriffen die Nazis die Macht und pervertierten den Gründungs-Gedanken, indem sie „Rassenhygiene“ in den Vordergrund stellten. Die Skulpturen der „Liegenden Löwen“ im Eingangsbereich stammen aus der Nazizeit, ein Wandgemälde von Otto Dix wurde zerstört. Nach der Wiedervereinigung und einer Sanierung ab 2001 hat sich das Museum heute wieder seiner ursprünglichen Form angenähert.

Alle Fotos im Beitrag @Till Schuster