Im Märchen um Kathrinchen Zimtstern werden Holzfiguren aus erzgebirgischen Werkstätten lebendig. Das ist jetzt in einem eigenen Musical zu erleben. Und bringt der Region eine ganz besondere Werbung.

Es riecht nach frischem Holz, Späne fliegen, feiner Staub wirbelt in der Luft, Werkzeug liegt bereit – nicht nur jetzt in der Vorweihnachtszeit entstehen in den erzgebirgischen Werkstätten kleine Kunstwerke aus Holz. Räuchermann, Engel, Nussknacker, Sängerknabe, Esel und die biblischen Figuren. Sie verzaubern in vielen Wohnungen und heimischen Stube nicht nur Kinder und geben der Weihnachtszeit ein Stück handwerklicher Tradition. In diesem Jahr kommen einige dieser Kunstwerke aus dem Erzgebirge auf die Bühne – zu einem besonderen Weihnachtsstück. Eines, das in Olbernhau seinen Anfang nimmt.

Dass eines ihrer Engelchen einmal berühmt werden soll und Kinderaugen als Musicalstar zum Leuchten bringt, das hat Kerstin Drechsel nicht geglaubt, als sie vor Jahren kleine Engelchen aus Holz das erste Mal gestaltet hat. 1990 hat die Unternehmerin und gelernte Drechslerin aus Olbernhau ihre Werkstatt gegründet und produziert seitdem kleine Holzfiguren, Pyramiden und Spieluhren. Die Figuren werden gedrechselt, geklebt, bemalt, mit Flachshaarfrisuren versehen – alles millimetergenau und in Handarbeit. Kathrinchen, das kleines Engelchen mit den blonden Zöpfchen, dem Zimtstern in der einen und einer winzigen Puppe in der anderen Hand, ist der heimliche Liebling.

Ein Liebling, der Hauptfigur in zwei Büchern ist. 2010 lernte Kerstin Drechsel den Freiberger Autor Bastian Backstein kennen. Der hatte sich eigentlich für ein anderes Engelchen aus der FLADE-Sammlung eine abenteuerliche Geschichte und dazu noch allerlei Freunde und Wegbegleiter ausgedacht. Alles Figuren, die in anderen Handwerkerstuben im Erzgebirge ebenfalls schon lange produziert wurden: So den alten Räuchermann Arthur Grimmbart, den ängstlichen Nussknacker Johann Knatterburg, den musikalischen Engel Laura Lindenholz oder den grimmigen Nussknacker General von Beißer. In Kerstin Drechsel fand Bastian Backstein die Partnerin, die er für sein Projekt suchte. Sie gestaltete ein “echtes” Kathrinchen Zimtstern und fand weitere Kunsthandwerker, die sich hinter den anderen literarischen Figuren verbargen. Gemeinsam haben diese Betriebe die wunderbaren Illustrationen des Kinderbuches finanziert, das 2012 erstmals erschien. Katrinchens Reise von Afrika zurück ins Erzgebirge fasziniert seitdem viele neugierige Kinder. 2014 erschien das zweite Abenteuer der hölzernen Freunde.

Mittlerweile arbeitet der Autor am dritten Kathrinchen-Zimtstern-Buch. Und es ist ein Lied über das Engelchen entstanden – geschrieben von Ina Schirmer, ebenfalls einer Olbernhauerin. Im Dezember schließlich wagt sich Katrinchen auf die große Bühne. Eine erste Bühnenversion ist 2017 am Olbernhauer „Theater Variabel“ entstanden, aber noch ohne Musik. Der Dresdner Musiker und Komponist Micha Winkler hat zu den einzelnen Szenen Lieder in der Werkstatt Flade mit Musikerfreunden geschrieben, komponiert, arrangiert und bearbeitet. Dabei haben sie auch auf klassische und erzgebirgische Weihnachtslieder zurückgegriffen. „Die Geschichte von Kathrinchen Zimtstern ist ganz stark und mit einer großen Portion Sehnsucht und Liebe geschrieben“, sagt er.

Die Lieder erscheinen parallel zum Musical auf einer CD, auf der Gunther Emmerlich die einleitenden Worte spricht. „Das Musical und die Bücher geben einen anderen, frischen Blick auf die Handwerkskunst im Erzgebirge“, sagt Kerstin Drechsel. Sie machen die Figuren aus den traditionellen Werkstätten lebendig und lassen Kinderaugen strahlen. Ihre Aufregung ist groß, das kleine Engelchen und seine Freunde endlich auf der Bühne zu sehen. Die Premiere findet am 2. Dezember im Dresdner Kabarett Breschke & Schuch statt.

www.kathrinchen-zimtstern.de

Alle Bilder im Beitrag ©Steven Busch