Sachsen steht mit seinem barocken Charme und seinen innovativen Forschungszentren gleichermaßen für Tradition und Fortschritt. Hier bietet sich Touristen eine unendliche Vielfalt an Sehenswürdigkeiten in Natur und Städten. Das Schloss Moritzburg mit seiner beeindruckenden Schlossanlage ist dabei eines der absoluten Highlights und lockt jährlich nicht zuletzt als „Aschenbrödel-Schloss“ unzählige Besucher in die malerische Gemeinde vor den Toren der Landeshauptstadt Dresden. Die 1733 im Auftrag von August dem Starken erbauten Jagdstallungen des Schlosses werden noch heute für die Haltung von Pferden genutzt. Anstelle der königlichen Jagdpferde sind nun die zur Unterstützung der Landespferdezucht eingesetzten Hengste der Sächsischen Gestütsverwaltung hier untergebracht. Touristenmagnet sind die traditionellen Hengstparaden, die im September jeden Jahres im neugestalteten Hengstparadestadion inmitten der reizvollen Moritzburger Landschaft stattfinden.

Seit 1992 ist Moritzburg Sitz der Sächsischen Gestütsverwaltung, die seit 2004 ein Wirtschaftsbetrieb des Freistaates Sachsen ist. Zur Sächsischen Gestütsverwaltung zählt neben dem Landgestüt Moritzburg auch das Hauptgestüt Graditz bei Torgau. Die Hauptaufgaben beider Gestüte umfassen neben der Hengsthaltung in Moritzburg und die Aufzucht von Junghengsten zur Remontierung des Moritzburger Hengstbestandes in Graditz auch die Erhaltungszüchtung existenzbedrohter Pferderassen. So gelang es, die Bestandszahlen der vor mehreren Jahrzehnten im Verschwinden begriffenen Rassen „Sächsisch-Thüringisches Schweres Warmblut“ und „Rheinisch-Deutsches Kaltblut“ nachhaltig zu stabilisieren.

Grundlage für die Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit der Landespferdezucht ist die Bereitstellung von sogenannten „Landbeschälern“. Diese ausgewählten Spitzenhengste dienen nicht nur der Bedeckung von Stuten im gesamten Freistaat, sondern können dank den Möglichkeiten der künstlichen Besamung in der EU-Besamungsstation Moritzburg von Züchtern aller Herren Länder genutzt werden. Damit sorgen sie unter anderem für das Fortbestehen existenzgefährdeter Pferderassen und sichern die Qualität der Pferdezucht.

Pferdehaltung hat in Moritzburg eine lange Tradition. Bevor 1733 die königlichen Jagdstallungen, die heute das Landgestüt beherbergen, erbaut wurden, waren die Pferde Augusts des Starken direkt auf dem im Jahr 1723 zum barocken Jagd- und Lustschloss umgebauten Prachtbau auf der Insel im Moritzburger Schlossteich untergebracht. Diese wurden damals vor allem vom Hofstaat und seiner Gäste für Jagdzwecke genutzt.

Inzwischen gibt es nur noch in neun Bundesländern staatliche Landgestüte, darunter auch im Freistaat Sachsen. Hier wird seit inzwischen mehr als 190 Jahren die ebenso traditionsreiche wie stets zeitgemäße Pferdezucht gefördert. Zur Sächsischen Gestütsverwaltung und damit zum Freistaat Sachsen gehören etwa 85 im Landgestüt Moritzburg stationierte Hengste sowie rund 20 Stuten und deren Fohlen im Hauptgestüt in Graditz. Wie auch bei uns Menschen hat jedes Pferd seine ganz besonderen Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen und Fähigkeiten. So werden die Hengste und Stuten im Rahmen der sogenannten Leistungsprüfung in einer Art Zuchtauslese (Selektion) insbesondere auf ihre Reit-, Spring- und Fahreignung beurteilt, aber auch hinsichtlich ihrer inneren Werte.

Die jahrhundertelange traditionsreiche Geschichte ist auf dem Moritzburger Gestüt an jeder Ecke spürbar und dennoch wirkt es nicht von gestern. Bei Führungen kann beispielsweise ein ganz besonderes Prachtstück besichtigt werden – die Kammer, die die aufgearbeiteten historischen Pferdegeschirre beherbergt. Wertvolle Schätze, die  bis heute noch zum Einsatz kommen.

„Trotz der vielen historischen Kutschen, Geschirre und Stallungen sind wir kein Museum. Es ist uns sehr wichtig, dass alles in Benutzung bleibt und die Besucher unserer Veranstaltungen diese Besonderheiten in ihrem tatsächlichen Einsatzzweck sehen können.“ so Dr. Kati Schöpke, Landstallmeisterin in Moritzburg.

Pferdezucht und -haltung sowie klassische Reit- und Fahrkultur erlebbar zu machen ist das Ziel der sächsischen Gestüte. Die zahlreichen Veranstaltungen, angefangen bei den Moritzburger Hengstparaden, über das Bundeschampionat der Fahrpferde und die Jugendmeisterschaften bis hin zu den traditionellen kulturellen Höhepunkten des kleinen Ortes sorgen dafür, dass die Faszination Pferd auch im Zeitalter des Internets und im Zuge der fortschreitenden Technologisierung nicht endet. So verwandelt sich beispielsweise bei der Konzertreihe „Musik und Hengste“ einmal im Jahr die wunderschöne historische Reithalle des Landgestüts in einen Konzertsaal. Und der Anblick der Stuten und Fohlen, die in Herden auf den Ländereien rund um das Hauptgestüt in Graditz laufen, erscheint wie aus dem Märchenbuch.

Damit die Traditionen der Pferdezucht und der klassischen Reit- und Fahrlehre als ein Teil der sächsischen Geschichte auch in Zukunft weitergeführt werden, beherbergt das Landgestüt Moritzburg darüber hinaus die Landesfachschule für Reiten und Fahren. Hier werden Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister ausgebildet und Fortbildungen für Pferdesportler und Trainer durchgeführt. Das Landgestüt  Moritzburg trägt somit dazu bei, die bewährten Ausbildungsmethoden für Mensch und Pferd weiter zu gegeben und dadurch die Tradition des klassischen Reit- und Fahrsports auch im modernen Zeitalter zu erhalten und erlebbar zu machen.