Der Sagenschatz Sachsens
1100 Jahre Sachsen, mehr als 1100 Sagen und Märchen
Es war einmal ...
Mit der Serie „Sagenschätze Sachsens“ entdecken wir gemeinsam Sagen, Märchen und Legenden aus dem Freistaat, die seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitererzählt werden. Der sächsische Sagenschatz ist historisch, kulturell und regional extrem vielfältig. Bergbausagen, sagenhafte Erzählungen über verborgene Schätze, Riesen oder gar zwergenhafte Gestalten und wundertätige Blumen sind nur ein paar Beispiel aus unserer reichen Sagenwelt. Drei davon stellen wir hier genauer vor.
Sage Nr. 1
Die Wasserkunst in Bautzen
Die Sage:
Es war einmal vor langer, langer Zeit. Damals holte man den Baumeister Mönch Gregorius in die schöne Stadt Bautzen. Er galt als außergewöhnlich begabt und erhielt den bedeutenden Auftrag, die Wasserversorgung für die gesamte Stadt zu planen und zu errichten. Der Auftrag war ehrenvoll, hatte jedoch einen entscheidenden Haken: Der kostspielige Bau würde die Stadtkasse nahezu leeren. Sollte seine Konstruktion versagen, würde Gregorius mit seinem eigenen Kopf dafür haften. Trotz dieses gewaltigen Risikos nahm der Baumeister den Auftrag an und begann mit der Planung und dem Bau der Bautzener Wasserkunst. Schließlich kam der große Tag der Fertigstellung. Voller Erwartung versammelten sich die vornehmen Herren der Stadt vor dem Dom, um das neue Wasserwerk in Betrieb zu sehen. Doch die Rohre blieben trocken – kein Tropfen Wasser floss. Das Werk schien gescheitert.
Für den Baumeister wurde es nun lebensgefährlich. Man wollte ihn bereits festnehmen, schließlich hatte er für den Erfolg seines Werkes mit seinem Leben gebürgt. In seiner Verzweiflung ergriff er die Flucht und rannte, so schnell ihn seine Beine trugen, weit vor die Tore der Stadt. Erschöpft sank er auf einem Hügel nieder und fiel in einen tiefen Schlaf. In seinem Traum sah er, dass eine Kröte in einem der Rohre seiner Wasserkunst steckte und den Wasserfluss blockierte. Als er erwachte, kehrte er mutig zurück, stellte sich den Stadtwachen und bat darum, vor seiner Hinrichtung das Wasserwerk ein letztes Mal untersuchen zu dürfen.
Seine Bitte wurde ihm gewährt. Tatsächlich entdeckte er in einem der Rohre eine Kröte – genau so, wie er sie im Traum gesehen hatte. Als er sie entfernte, setzte sich das Wasser endlich in Bewegung. Die Wasserkunst funktionierte – und versieht bis heute zuverlässig ihren Dienst.
Die Alte Wasserkunst in Bautzen:
Die Alte Wasserkunst gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen Bautzens und ist ein beeindruckendes Zeugnis mittelalterlicher Ingenieurskunst. Der markante, 47 Meter hohe Turm wurde anstelle eines älteren Vorgängerbaus im Jahr 1558 vom Baumeister Wenzel Röhrscheidt dem Älteren errichtet und versorgte die Stadt über Jahrhunderte hinweg mit Trinkwasser aus der Spree. Angetrieben von der Kraft des Wassers pumpte die historische Anlage das Wasser in einen Hochbehälter, von wo es über ein ausgeklügeltes Rohrsystem bis in die höher gelegene Altstadt gelangte. Seit 1965 ist die Alte Wasserkunst außer Betrieb und dient heute als technisches Museum. Besucher können die historische Pumpentechnik entdecken und nach 184 Stufen von der Aussichtsplattform einen einzigartigen Blick über die Türme Bautzens und das Lausitzer Bergland genießen.
Weitere Informationen:
www.altewasserkunstbautzen.de
Sage Nr. 2
Der Tempelberg in Grimma
Die Sage:
Es war einmal vor langer, langer Zeit ein abenteuerlustiger Junge, der in der schönen Stadt Grimma lebte. Ganz in der Nähe seines Zuhauses lag das prächtige Rittergut Hohnstädt. Damals gehörte dazu eine weitläufige Parkanlage mit einem Tempel, sanften Hügeln, versteckten Lichtungen und ehrwürdigen alten Bäumen – ein Ort wie geschaffen für spannende Abenteuer. Der Junge liebte es, hier mit seinen Freunden zu spielen. Eines Tages war er wieder im Park unterwegs, doch seine Spielgefährten waren nirgends zu entdecken. Während er nach ihnen suchte, fiel sein Blick auf eine außergewöhnliche Blume. Mit ihren leuchtenden Farben und ihrem betörenden Duft war sie schöner als alles, was er je zuvor gesehen hatte. Obwohl ihn die Blume faszinierte, wusste er, dass es sich nicht gehörte, eine Pflanze aus einem fremden Garten zu pflücken. Stattdessen lief er los, um seine Freunde zu holen. Er wollte dieses wunderbare Naturwunder mit ihnen teilen.
Als sie gemeinsam zurückkehrten, war die geheimnisvolle Blume jedoch verschwunden. Viele Jahre später erzählten die Menschen immer wieder, hätte der Junge die Wunderblume damals mitgenommen, wäre er unermesslich reich geworden und hätte ewige Jugend und Schönheit erlangt. Doch der Junge vergaß die Blume nie.
Bis heute heißt es, auch andere hätten die geheimnisvolle Blüte am Tempelberg gesehen. Doch immer, wenn sie hinaufstiegen, um sie zu pflücken, war sie verschwunden. So erzählt man sich, dass die Wunderblume vom Tempelberg bis heute irgendwo zwischen den alten Bäumen verborgen wächst – und nur darauf wartet, von den Richtigen entdeckt zu werden.
Der Tempelberg:
Der heutige Tempelberg im Grimmaer Ortsteil Hohnstädt blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bis zur Eingemeindung nach Grimma im Jahr 1952 war Hohnstädt eine eigenständige Gemeinde. Auf dem Burgberg – dem heutigen Tempelberg – ließ Christian Heinrich Loth im Jahr 1795 einen klassizistischen Tempel, den sogenannten Venustempel, errichten. Das Bauwerk war seiner Ehefrau Johanna Christiana Loth gewidmet, deren Familie das Rittergut Hohnstädt besaß. Der Tempel war Teil einer großzügig angelegten Parklandschaft und prägt den Ort bis heute. Auch literaturgeschichtlich ist Hohnstädt von Bedeutung: Die Tochter des Ehepaars, Johanna Christiana Loth, war die große Jugendliebe des Schriftstellers Johann Gottfried Seume.
Eintauchen in Grimmas Sagenwelt:
Sagenhaftes Grimma - Familienführung über die schönsten Sagen & Legenden
Sage Nr. 3
Der Sauberg bei Ehrenfriedersdorf
Die Sage:
Es war einmal vor langer, langer Zeit ein junger Bergmann namens Oswald Bartel. Er lebte im schönen Ehrenfriedersdorf und war der glücklichste Mann im Erzgebirge, denn er hatte um die Hand des schönsten Mädchens angehalten – und sie hatte Ja gesagt. Eines Tages, kurz vor der Hochzeit, sollte Oswald wieder in den Berg einfahren. Doch diesmal beschlich ihn ein ungutes Gefühl. Gemeinsam mit seinen Gefährten stieg er hinab, immer tiefer in den dunklen Schlund des Berges. Während der Arbeit waren seine Gedanken ununterbrochen bei seiner Verlobten. Den Weg wies ihm lediglich das flackernde Licht seines mit Öl gefüllten Grubengeleuchts. Plötzlich drang Wasser in die Lampe und ließ die Flamme erlöschen. Blind tastete sich Oswald durch die Finsternis auf der Suche nach einem Ausweg. Doch der Boden gab unter seinen Füßen nach und er stürzte in die Tiefe.
Seine Gefährten suchten tagelang nach ihm, doch alle Bemühungen blieben vergeblich. Schließlich mussten sie die Suche aufgeben. Oswalds Verlobte wurde von tiefer Trauer ergriffen und schwor sich, niemals einen anderen Mann zu heiraten. Viele Jahrzehnte vergingen. Dann erreichte eine außergewöhnliche Nachricht Ehrenfriedersdorf: Nach mehr als 60 Jahren war tief im Stollen der Leichnam eines jungen Bergmannes gefunden worden – nahezu unversehrt, als hätte die Zeit stillgestanden. Endlich erhielt Oswald Bartel ein würdiges Begräbnis. Kurz darauf wurde auch seine Verlobte an seiner Seite beigesetzt, sodass beide nach so vielen Jahren wieder vereint waren.
Bis heute ist diese bewegende Geschichte als „Die lange Schicht von Ehrenfriedersdorf“ bekannt und erinnert an die Gefahren des Bergbaus, an ewige Treue und an eine Liebe, die selbst den Tod überdauerte.
Der Sauberg:
Der Sauberg prägt die Geschichte Ehrenfriedersdorfs wie kaum ein anderer Ort. Bereits vor rund 800 Jahren wurde im Seifenbachtal am Fuße des Berges Zinnerz durch das sogenannte Seifen gewonnen. Später entdeckte man die eigentlichen Erzgänge, aus denen das wertvolle Erz stammte. Einer Sage nach waren es wühlende Wildschweine, die diese Lagerstätten freilegten – ihnen verdankt der Sauberg seinen bis heute überlieferten Namen. Neben Zinn wurden hier in geringer Menge auch Silbererze gefunden.
Über Jahrhunderte entwickelte sich der Sauberg zu einem der bedeutendsten Zinnbergbaustandorte Europas. Sogar bis in die Zeit der DDR wurde hier noch Zinnerz gefördert. Heute erzählt das Museum und Besucherbergwerk Zinngrube Ehrenfriedersdorf die faszinierende Geschichte des Bergbaus und ermöglicht Besuchern einen authentischen Einblick in das Leben unter Tage.
800 Jahre Bergbaugeschichte erleben:
www.zinngrube-ehrenfriedersdorf.de


