„Frische regionale Zutaten machen einen Koch einfach glücklich.“ Olaf Kranz, Chefkoch des Restaurants Schmidt‘s in Dresden-Hellerau strahlt, als er die heutige Lieferung von Markus Wenzel, Geschäftsführer von Onkel Franz entgegen nimmt. „Onkel Franz“ ist ein Dresdner Start up, das sich auf den Vertrieb von regionalen Lebensmitteln an Privatleute und Gastronomen spezialisiert hat. „FRANZ steht für frisch, regional, ausgezeichnet, natürlich und zentral – im Grunde das Gegenstück zu Tante Emma“, erklärt Wenzel. Auf seiner heutigen Tour fährt der 31-Jährige unter anderem die Gärtnerei Findeisen in Radebeul an. Er holt verschiedenes Gemüse wie Salate, Zwiebeln und Möhren ab und bringt sie zum

„Schmidt’s“ und anderen Restaurants, die auf wöchentlich wechselnde Karten, angelehnt am saisonalen Angebot, setzen. „Ich möchte kreativ und abwechslungsreich kochen, da brauche ich natürlich die entsprechenden Zutaten. Wir sind glücklich, dass es ‚Onkel Franz‘ gibt und bestellen regelmäßig Gemüse, Fleisch, Fisch und Molkereiprodukte. Damit kochen wir hier im Restaurant, nutzen die Produkte aber auch für unser Slow-Food-Catering“, sagt Koch   Olaf Kranz. Slow-Food ist momentan einer der Trends im Food-Bereich: weg von Zutaten, die tausende Kilometer transportiert wurden – hin zu regionalen Produkten, die auf den Tisch kommen, wenn sie reif sind oder wenn der Bauer geschlachtet hat.

Wissen, woher die Lebensmittel kommen

In Sachsen gibt es viele regionale Anbieter, die hochwertige Lebensmittel herstellen. Die meisten sind kleine Familienbetriebe, eine gemeinsame Vermarktung gibt es nicht. Für Privatkunden wie Gastronomen ist es schwierig, überhaupt von dem Angebot zu erfahren und die Produkte dann auch zu bekommen. Glücklicherweise gibt es dafür nun „Onkel Franz“. Markus Wenzel und sein Kompagnon Martin Wett haben sich vor 1,5 Jahren selbständig gemacht und ihr Ladengeschäft im Dresdner Stadtviertel „Weißer Hirsch“ aufgemacht. Vorher waren sie im Großhandelsmarkt Metro beschäftigt, hatten damals schon Kontakt zu Kunden aus der Gastronomie. „Ein Koch, dem regionale Produkte wichtig sind und der Schwierigkeiten hatte, sie zu bekommen, brachte uns auf die Idee. Daraus haben wir unser Geschäftsmodell entwickelt“, erzählt der gelernte Großhandelskaufmann Wenzel.

„Wir haben uns jeden unserer Zulieferbetriebe vorher angesehen und mit den Leuten gesprochen. Der persönliche Draht ist uns wichtig – zu unseren Zulieferern wie zu unseren Kunden. So können wir auch Wünsche der Gastronomie weitergeben, beispielsweise die nach speziellen alten Obstsorten oder Wildkräutern. Das ist für alle gut: Die meistens kleinen Betriebe haben die Sicherheit, dass die Gastronomie kauft. Die Restaurants bekommen regionale und gesunde Produkte. Und wir von „Onkel Franz“ haben zu tun“, fasst Markus Wenzel zusammen.

Stamm von 150 Zulieferbetrieben aus Sachsen

Die Geschäftsidee scheint aufzugehen, die beiden haben eine Marktlücke entdeckt. Rund 150 Zulieferbetriebe haben sie in ihrer Kartei mit deren Produkten sie rund 100 Restaurants beliefern. Fast die Hälfte der Lebensmittel holen die jungen Männer selbst ab und fahren sie aus. Das ist kernig, 14- bis 16-Stunden-Tage sind normal. Schließlich machen sie fast alles allein, organisieren, planen, fahren, schleppen, ausliefern, abrechnen. Nur im Laden haben sie Unterstützung von einer Verkäuferin. „Das schlaucht ganz schön“, gibt Markus Wenze zu. „Doch das ist eben am Anfang so, wir möchten langsam wachsen.“ Bei all der Plackerei wissen sie, dass sie auf dem richtigen Weg sind und sind stolz, jeden Morgen in ihr eigenes Geschäft zu gehen.