Leise rieseln die dunkelbraun-glänzenden Leinsamen in die Ölpresse der Ölmanufaktur vom Huttenberg. Danilo Braun steht in seinem Ladencafé in Langhennersdorf bei Freiberg, das gleichzeitig auch eine kleine Schaumanufaktur ist. Konzentriert beobachtet er die Maschine, schaufelt aus einem großen Papiersack Leinen in den Trichter nach, prüft die Betriebstemperatur und kostet mit einem kleinen Löffel das frische Leinöl.

Er justiert die Ölpresse nach, kostet wieder. Dann nickt er zufrieden – die Qualität stimmt – und lässt das goldgelbe Leinöl in den Edelstahlbehälter tropfen. Seine Frau Katja wird das Öl später in kleine Flaschen abfüllen und etikettieren. Das hier ist ein Familienbetrieb.

Der 41-jährige Land- und Forstwirt presst den Vorrat, den er für den Verkauf in seinem Ladencafé und auf den Märkten der Region in den nächsten Tagen benötigt. Leinöl schmeckt frisch am besten und ist dann auch besonders gesund, weil die wertvollen Inhaltsstoffe noch erhalten sind. Neben Leinöl produziert die Ölmanufaktur vom Huttenberg unter anderem Mohn-, Hanf, Leindotter- oder Kürbiskernöl. Das Besondere: Die Samen stammen vorrangig aus Sachsen – der Leinen von einem Bauern aus Leisnig, die Hanfsamen aus Seifersdorf gleich um die Ecke. Die Kürbiskerne bezieht er derzeit noch aus Bayern. Danilo Brauns Traum ist es, dass auch sie bald aus der Region kommen. „Dafür muss im nächsten Jahr nur das Wetter mitspielen“, lächelt er. Seit 2016 stellen Katja und Danilo Braun ihre bio-zertifizierten Öle her. Katja Braun (37): „Wir sind davon überzeugt, dass alles, was wir zum Leben brauchen, hier wächst.“ Nachhaltigkeit ist den Brauns wichtig, Werte wie Familie und Verantwortung, Tradition und Heimat. Und Vielfalt. „Wir möchten, dass unsere Kinder sehen, wo die Lebensmittel herkommen, die wir verwenden und wie viel Zeit es kostet, sie herzustellen. Alte Saaten wie blau blühenden Lein, früher weit verbreitet, heute fast vergessen, möchten wir wieder ins Bewusstsein der Menschen zurückbringen.“ Und das wollen sie in ihrer Heimat tun.

Dafür sind sie nach dem Studium in Leipzig wieder nach Langhennersdorf zurückgekehrt und haben einen Bauernhof ausgebaut. Von hier, wo sich das Erzgebirge in sanften Hügeln ankündigt, stammen sie, hier sind sie verwurzelt. „Ich wollte immer meinen Kirchturm sehen können, wenn ich zu Hause bin.  Und ich liebe den Blick, wenn ich aus Richtung Freiberg ins Erzgebirge hineinfahre“, sagt Danilo Braun. Seine Frau ergänzt: „Das hier ist unsere Heimat, hier gehören wir hin. Deshalb sind wir ganz bewusst nach Langhennersdorf zurückgegangen.“ Der Name der Firma „vom Huttenberg“ steht auch für diese Heimatverbundenheit. Der Huttenberg  ist der „Hausberg“ in Langhennersdorf, die höchste Erhebung nahe der Kirche. Und für ihre Heimat wollen die Brauns etwas tun, sie selbst aktiv gestalten.

Von über 50 Läden und Handwerksbetrieben, die es einst in Langhennersdorf gab, hat im Mai als letztes der Blumenladen geschlossen. Einen Lebensmittelladen gibt es schon lange nicht mehr und damit auch keinen zentralen Punkt, wo sich Dorfleben abspielt. Deshalb haben sich die Brauns entschlossen, das Experiment eines Ladencafés mit angeschlossener Manufaktur zu wagen. Das Ladenregal stammt aus einer ehemaligen Konditorei, sie haben es aufgearbeitet. Der Sichtbeton an der Decke, die modernen Lampen und die Möbel in klarem Design geben dem Ladencafé einen stylischen Touch, liebevolle Blumensträuße aus dem Bauerngarten plus warmes Moosgrün an den Wänden machen es gemütlich.

Neben ihren eigenen Ölen verkaufen die Brauns Lebensmittel und Produkte aus der Region, Milch, Käse und Butter aus Gahlenz, Brötchen aus Oederan, Honig aus dem Tharandter Wald, Obstbrände aus dem Striegistal. Der fair gehandelte Kaffee stammt aus einer Döbelner Rösterei, die Kuchen und Aufstriche macht Katja Braun alle selbst, sie ist eine begnadete Bäckerin und Köchin.

Das alles würde gut in die Dresdner Neustadt, nach Berlin-Friedrichshain, auf den Chemnitzer Kaßberg oder in den boomenden Leipziger Westen passen. Doch nein, wir sind auf dem Dorf. Und hier kommt das Café gut an! Danilo Braun: „Wir freuen uns, dass Kunden aus Dresden, Freiberg und dem Erzgebirge und auch direkt aus dem Ort zu uns kommen. Wir möchten Traditionen wiederbeleben und den ländlichen Raum attraktiver machen. Schön ist, dass in Oberschöna und Langhennersdorf inzwischen wieder viele junge Familien leben. Ein Laden, in dem man gesunde Lebensmittel und einen guten Kaffee bekommt, gehört für uns zu einem lebendigen Ort.“

Ölmanufaktur vom Huttenberg

Ziegeleiweg 9, 09600 Oberschöna OT Langhennersdorf

https://www.oel-muehle.de

Öffnungszeiten Ladencafé

Mittwoch und Freitag von 13.00 – 18.00 Uhr

Samstag: 7.30 – 11.00 Uhr

 

Text&Fotos im Beitrag ©Anja Hesse-Grunert