Hans Scharoun schuf 1933 mit der Errichtung des Haus Schminke nicht weniger als eine Ikone der Moderne. Neben Mies van der Rohes „Haus Tugendhat“ in Brno, Le Corbusiers „Villa Savoye“ bei Paris und Frank Lloyd Wrights „Fallingwater“ in Pennsylvania, zählt das Haus Schminke zu den vier weltweit bedeutendsten Wohnhäusern seiner Epoche und repräsentiert das Haus nicht zuletzt die Innovationsfähigkeit des sächsischen Unternehmertums.

Der Architekt Hans Scharoun entwarf das Gebäude in den 1930er Jahren für die sechsköpfige Familie des Löbauer Nudelfabrikanten Fritz Schminke. Die Anker-Teigwaren aus Löbau gehörten seinerzeit zu einer der ersten bekannten deutschen Lebensmittelmarken.

Charlotte Schminke, die Frau des Hauses, arbeitete während der Entwurfsphase eng mit Hans Scharoun zusammen und entwickelte das Gebäude maßgeblich mit. Die Umsetzung ist extravagant und funktionell zugleich. Der lang gestreckte Korpus mit seinen Rundungen, Terrassen, Außentreppen, mächtigem Schornstein und Bullaugen weckt die Assoziation zu einem Schiff – nicht umsonst trägt das Haus bis heute den liebevollen Beinamen Nudeldampfer.

Die Wohnräume sind von geschwungenen Linien und offenen Raumstrukturen bestimmt und überraschen durch viele praktische Details, die genau auf das Leben der sechsköpfigen Fabrikantenfamilie zugeschnitten sind. Großzügige Glasflächen beziehen den Garten als erweiterten Wohnraum mit ein. Haus und Garten bleiben damit unmittelbar verbunden und traten in ein beständiges Wechselspiel zwischen noch drinnen und schon draußen.

Seit 2009 bemüht sich die eigens gegründete „Stiftung Haus Schminke“ darum, das herausragende Architekturdenkmal für kommende Generationen zu bewahren und als kulturellen Treffpunkt für Architektur- und Kunstbegeisterte aus aller Welt zu etablieren. Mithilfe von Film- und Fotomaterial tauchen die Besucher tief in den einstigen Wohnalltag der Bauherrenfamilie ein und werden gleichzeitig dazu eingeladen das Gebäude selbst auf seine „Alltagstauglichkeit“ zu prüfen.

Alle original erhaltenen Möbel und Einrichtungsgegenstände sind keine musealen Ausstellungsstücke sondern bis heute Gebrauchsgegenstände, die zum Benutzen und Ausprobieren einladen. Bei einer Führung durchs Haus begeben sich die Besucher auf eine anekdoten- und bilderreiche Zeitreise durch die Bau- und Nutzungsgeschichte des Hauses. Im Rahmen einer Übernachtung kann das Haus im wahrsten Sinne des Wortes „erlebt“ werden. Für eine Familien- oder Firmenfeier bietet das Haus gerade in den Abendstunden eine einmalige Atmosphäre.  

Nicht nur für Architektur-Fans im Bauhaus-Jubiläumsjahr lohnt sich der Ausflug nach Löbau.

www.stiftung-hausschminke.eu