Seit mehr als 20 Jahren produziert die Traditionsmarke „Jägermeister“ auch in Kamenz. Mit 56 Kräutern und einer verlässlichen Standortpolitik.

Das vorerst letzte Kapitel der Erfolgsgeschichte begann 2014: Ein großes Eichenholzfasslager mit 200.000 Litern Kapazität entstand auf dem Jägermeister-Werksgelände am Ochsenberg. Der Likörgrundstoff aus 56 Kräutern, Wurzeln und Früchten kann in diesen gewaltigen Fässern rund 12 Monate reifen. Bis 2025 sollen noch 60 weitere Fässer hinzukommen, jedes im Wert eines gut ausgestatteten Kleinwagens.

Sternanis zählt zu den zahlreichen Gewürzen des beliebten Kräuter-Likörs.

Den Beginn der Geschichte markierte allerdings der „Goldene Hirsch“ am Marktplatz von Kamenz: Die wohl älteste Gastwirtschaft der Stadt lag im Dornröschenschlaf, bis sie vor 25 Jahren von dem Unternehmen aus Wolfenbüttel „wachgeküsst“ und 1992 nach umfassender Sanierung wiedereröffnet wurde. Gleichsam als Startschuss für ein nächstes Projekt, ebenfalls im Zeichen eines Hirsches. Der nämlich ist seit Generationen zentrales Markensymbol der Mast Jägermeister SE aus Niedersachsen und ihres wichtigsten Produkts: dem Kräuterlikör Jägermeister. Seit 1996 wird der nun auch in Kamenz produziert. Insgesamt füllt der Betrieb pro Jahr fast 20 Millionen Liter Jägermeister ab; allein 40.000 kleine Taschenflaschen laufen hier pro Schicht vom Band.

Motor für die heimische Wirtschaft

Werksleiter Jens Rießen hat von dem gläsernen Besuchergang aus den gesamten Produktionsprozess im Blick: die Flaschenreinigung, Etikettierung, Befüllung und den Verschluss. „Ein Großteil der Flaschen kommt aus der Glashütte in Bernsdorf, keine zehn Kilometer von hier“, erzählt Rießen. Kurze Wege seien schließlich gut für Umwelt und Region, weshalb auch Kartonagen für die Verpackung aus dem nahen Schwepnitz kämen. So kann das Unternehmen, dessen moderne Produktion mit nur 64 Mitarbeitern auskommt, zusätzlich zu den bisherigen Investitionen Engagement für Kamenz und Umgebung zeigen. Seit der Grundsteinlegung im Jahr 1993 habe das Unternehmen am Standort „mehr als 54 Millionen Euro investiert“, sagte der frühere Vorstandssprecher Paolo Dell‘ Antonio beim 20. Jubiläum des Standorts im Jahre 2016. Der sächsische Ministerpräsident Tillich lobte das Unternehmen: „Hier wurden Arbeitsplätze mit Zukunftsperspektive geschaffen, die für die Familien auskömmlich sind.“

Likör für die Welt

Gute Chancen also, dass auch künftig Jägermeister aus Sachsen in alle Welt geliefert wird. Der größte Teil der Kamenzer Produktion ist für den Export in Richtung Osteuropa, Italien und Spanien bestimmt. In mehr als 120 Ländern der Erde wird der Likör getrunken, und „die Kamenzer Kollegen tragen maßgeblich zu diesem internationalen Erfolg bei“, erklärt Michael Volke, Vorstandsvorsitzender der Mast-Jägermeister SE, und fügt hinzu: „Diesen Weg wollen wir weiter gemeinsam gehen.“