Das Weingut Schloss Proschwitz gehört zu den Spitzenadressen in Sachsen. Georg Prinz zur Lippe hat das Familienerbe wiederbelebt und ist noch längst nicht am Ende mit seinen Ideen.

Schloss Proschwitz ist ein prächtiges Gelände mit einem Park wie aus dem Bilderbuch. Auf den Hügeln oberhalb der Sächsischen Weinstraße, nicht weit entfernt von Meißen, stehen viele altehrwürdige Bäume. Zwei über 200 Jahre alte Linden im Schlosshof liegen Georg Prinz zur Lippe besonders am Herzen, denn ein Lindenblatt ist das perfekte Symbol für seine Weine. Jedes Mal, wenn der Hausherr erklärt, wie sich die Proschwitzer Aromen zusammensetzen, zupft er ein Blatt vom Baum und zeichnet mit den Fingern die Struktur nach: „Jedes Blatt hat eine filigrane Spitze, das steht für die Säure. Am Rand kommen viele kleine Zacken heraus, das sind die primären Aromen. Und innen im Blatt, die Fülle, das ist die Mineralität, die den Wein unterstützt.“ Für den Prinzen ist das „die Vision, wie sächsischer Wein gestaltet sein soll“, kombiniert mit individuellen Proschwitzer Noten. Man kann darin auch eine Verpflichtung zur Beständigkeit sehen. Der Gedanke, eine Tradition fortzuführen, hat den Prinzen vor vielen Jahren überhaupt erst in die Weinberge nahe Meißen geführt. Zurück zu den Wurzeln seiner Familie.

Schloss Proschwitz wurde im Stil des Neubarocks errichtet.

Schloss Proschwitz ist eine architektonische Perle im Stil des Neubarocks.

Schloss Proschwitz ist das älteste privat bewirtschaftete Weingut in Sachsen. Mit einer Geschichte von über drei Jahrhunderten und etlichen turbulenten Kapiteln. Die Familie des Prinzen zur Lippe gehört nicht nur zu den ältesten deutschen Adelshäusern, sondern auch zu den Alteingesessenen in der Region. Bis sie 1945 enteignet wurde. Ein Bruch, auch mit der Region. Erst Georg Prinz zur Lippe, das Jüngste von sieben Kindern, kehrte nach dem Mauerfall nach Sachsen zurück. Ab 1990 begann er Haus und Hof zurückzukaufen. Die erste Zeit wohnte er in einem kleinen Bungalow in seinem Weinberg, schlicht und naturnah, mit besten Aussichten auf den Meißner Burgberg, direkt gegenüber auf der anderen Seite des Elbtals.

Pracht und Prunk und dennoch Bescheiden.

Nicht nur wegen des Weines einen Besuch wert: Schloss Proschwitz erstrahlt noch heute im vollen Glanz.

„Ich hatte von zu Hause aus keinen Pfennig Geld, also musste ich große Kredite aufnehmen, um hier jeden Strauch, jeden Stein neu zu kaufen.“ Das Meiste, was er mit dem Gut verdiente, wurde sofort wieder investiert. Das ist bis heute so. Bei der Geschäftsstrategie hilft ihm sein Beruf. Als Unternehmensberater weiß der Prinz, wie man Finanzen und Geschäftskonzepte kalkuliert. Auch heute arbeitet der 60-Jährige noch in der Branche, seine Prioritäten haben sich jedoch verschoben. „Meine Hauptaufgabe ist es, das Weingut wiederzubeleben, weil ich Freude an eleganten, schönen Weinen habe. Und an Menschen, die authentisch sind.“ Viele von ihnen halfen, das Gelände aufzubauen. Zum Beispiel die legendäre LPG-Brigade „Wilhelm Pieck“, die der Prinz in den Anfangszeiten übernahm. Einige Angestellte von damals arbeiten nach wie vor auf dem Gut.

Georg Prinz von Lippe probiert seinen Wein.

Georg Prinz zur Lippe bei der Probe seines Schloss Proschwitz Weins.

Längst gehört das Schloss zu den Spitzenadressen in Sachsen. Es ist eines von zwei VDP-Prädikatsweingütern in Sachsen. Zum Anwesen gehören gut 80 Hektar bewirtschaftete Weinbaufläche, mit typisch sächsischen Böden, vor allem Granit und Syenit. „Mein Vater hat gesagt, wenn du zurückkaufst, dann nur dort, wo du einen Bodentypus hast“, erzählt er. „Der Boden macht die Weine so interessant. Er limitiert auch an manchen Stellen, Kerner können andere besser als wir, dafür haben wir unsere eigenen Stärken.“ Spezialitäten wie die Proschwitzer Scheurebe gehören dazu. Und Burgunder, für die Proschwitzer gibt es regelmäßig beste Bewertungen aus der Fachwelt. Angekommen ist der Prinz aber noch längst nicht. Für jemanden wie ihn ist alles ein ständiger Prozess. Egal, ob im Weinkeller, wo er mit seinem Kellermeister Jacques du Preez ständig an der Qualität feilt. „Es ist ein ewiger Kampf mit meiner Nase. Wir haben jahrelang gebraucht, um eine Linie zu finden. Jeder Wein muss die Proschwitzer Handschrift haben.“ Oft hat er bei solchen Debatten ein Lindenblatt in der Hosentasche.

Die Meißner Altstadt ist vom Weingut aus zu sehen.

Ein Anblick der zum Träumen einlädt. Vom Weingut blickt man direkt auf die Meißner Altstadt.

Ein Elfenbeinturm sollte Proschwitz nie sein. Das Anwesen ist inzwischen traumhaft restauriert, der Park eine wunderschöne Kulturlandschaft, durch die Besucher spazieren können. Der Prinz wohnt mit seiner Frau Prinzessin Alexandra und Sohn Moritz mittlerweile im Gartenhaus. „Ich habe hier ein wunderbares, uraltes Terroir zu Verfügung und möchte den Menschen etwas zurückgeben.“

Für die nahe Zukunft hat er große Pläne. Das Weingut soll sich künftig auf den Standort Proschwitz konzentrieren. Vor 20 Jahren hatte er im benachbarten Ort Zadel eine Vinothek eröffnet, die demnächst auf das Schlossgelände umziehen soll. Dort will der Prinz einen mittelalterlichen Keller ausbauen, wo schon bald Gäste bei der Sektherstellung mitmachen könnten. Außerdem träumt er davon, den ehemaligen Wirtschaftshof am Schloss wiederaufzubauen. „Ich will Fußstapfen hinterlassen“, sagt er. „Ich möchte, dass etwas von der eigenen Lebensenergie bleibt.“

Mein besonderer Gegenstand – Georg Prinz zur Lippe:

Das Lindenblatt als Metapher für die Weine von Schloss Proschwitz.

Zwei alte Linden stehen auf dem Schlosshof. Ihre Blätter sind wie die Weine: jedes unterschiedlich und filigran.

„In unserem Schlosshof stehen zwei uralte Linden. Unsere Weine sind wie ein Lindenblatt. Kein Blatt ist gleich, aber jedes hat eine filigrane Spitze, das steht für die Säure des Weins. Am Rand kommen viele kleine Zacken heraus, das ist sind die primären Aromen. Und innen im Blatt, die Fülle, das ist die Mineralität, die den Wein unterstützt. Das ist meine Vision, wie sächsische Weine gestaltet sein sollen. Sie sollen nicht austauschbar sein, keine andere Region kopieren, sondern die sächsische Weinkulturlandschaft präsentieren.“

Text: in Kooperation mit Frankfurter Allgemeine Zeitung

Fotos: Franz Grünewald