Die Liebe brachte Shélhôm aus Frankreich nach Leipzig. Die Beziehung hat leider nicht gehalten, die Liebe zur neuen sächsischen Heimat wohnt jedoch fest in seinem Herzen. Eine Heimat, die auch und besonders musikalischer Natur ist, denn hier fand er den Vibe und die Energie des kreativen Umfeldes, die diesen Ort so besonders machen.

Ein großer Koffer, eine alte Gitarre, im Herzen die Liebe und eine große Offenheit. So kommt der Franzose mit dem Künstlernamen Shélhôm 2008 nach Leipzig.

In Glasgow hat er sich in eine Frau verliebt, die in Leipzig lebt. Er bricht sein Studium der englischen Literatur ab und zieht zu ihr nach Sachsen, Deutsch spricht er kein Wort. „Die Anfangszeit war hart. Mein erster Job war in einem Hotel im Servicebereich, sozusagen als Tellerwäscher. Ichhabe wenig verstanden und mich nicht besonders wohl gefühlt“, erzählt der heute 31-Jährige.

Sieben Jahre später sitzt Shélhôm im Studio seines Bandkollegen Torsten Schroth und raucht. Seit damals ist eine Menge passiert. „Leipzig hat mich irgendwie aufgefangen. Ich bin in ein WG-Zimmer gezogen, da stand nichts weiter drin als ein Bett und ein Stuhl. Alles andere habe ich nach und nach geschenkt bekommen.“ Die kreative und offene Atmosphäre von Leipzig habe ihn fasziniert, erzählt er. „Mir ist es total leichtgefallen, Leute kennenzulernen und hier anzukommen – auch künstlerisch. In Leipzig ist so viel möglich.“

Bandprojekt „Two Wooden Stones“

Auf einer Party lernt Shélhôm Ende 2008 Jeau Champ kennen, den zukünftigen Drummer der „Two Wooden Stones“. Die beiden beginnen zusammen Musik zu machen, denn das ist es, was Shélhôm eigentlich machen will. Alles andere sind nur Jobs zum Geldverdienen, um die Miete zahlen zu können. Nach einem halben Jahr haben sie fünf Lieder zusammen, wollen sie produzieren lassen und kommen deshalb zu Torsten Schroth. Schroth, Vollblutmusiker mit eigenem Studio, produziert und arrangiert Musik.

Aus dem Produktionsjob wird mehr. Zusammen mit Torsten und dem vierten Mann, Monsieur Simon, entsteht das Bandprojekt „Two Wooden Stones“. Das heißt frei übersetzt „zwei hölzerne Steine“ und ist ein Synonym für den gemischten Musikstil der Band – irgendwo zwischen Folk, Rock und World-Music.

Von Sachsen aus durch die Welt

In den vergangenen Jahren sind die vier zusammen gewachsen, „eine zweite Familie für mich geworden“, sagt Shélhôm. Zwei Alben haben die jungen Musiker veröffentlicht, das dritte soll Ende nächsten Jahres erscheinen. Die Band ist zu einem festen Bestandteil der sächsischen Musikszene geworden und wird inzwischen regelmäßig deutschlandweit gebucht. 2014 haben sie ihre erste internationale Tour gespielt und waren im Nahen Osten unterwegs, haben in Istanbul, Beirut, Amman und Dubai gespielt. „Die Tour war toll, na klar. Wir haben so viele Eindrücke mitgenommen, wunderbare Konzerte gespielt, junge Leute kennengelernt. Dennoch ist es immer wieder herrlich, nach Hause zu kommen“, sagt Schroth. Sachsen ist ihre Basis, ganz bewusst. Shélhôm: „In Leipzig kann man sich gut eine Fanbase aufbauen. Berlin ist im Vergleich dazu ein Haifischbecken, da gibt’s ein Überangebot von Kultur. Für uns passt Leipzig besser. Hier können wir langsam wachsen.

Bewusste Entscheidung für Leipzig

Die beiden jungen Männer sind sehr reflektiert, sie wissen genau, was sie wollen. Es geht ihnen weniger um schnellen kommerziellen Erfolg.

„Von meiner Musik leben zu können, das ist mein Ziel“, beschreibt es Shélhôm.

Gefragt nach seinen Träumen denkt er kurz nach und sagt dann: „Hm, wir machen schon, was wir machen wollen. Ich möchte jeden Schritt verstehen lernen, lieber langsam vorangehen als zu schnell. Wir haben uns ganz bewusst für dieses Leben und diese Stadt entschieden.“ Um das zu unterstreichen, erzählt der gebürtige Franzose, dass er vor einiger Zeit das Angebot eines großen Musiklabels abgelehnt habe. Er hat Sorge, dass das arrogant wirken könnte. Tut es nicht. Es passt zur Philosophie der Jungs, ihrem Weg, ihrer selbstbewussten Bescheidenheit.

Und dann geht Shélhôm ins Aufnahmestudio und singt ein Stück von einem neuen Song, legt seine Seele in die Stimme, klingt plötzlich verwundbar und kraftvoll, rau und verletzlich. Eine Ausnahmestimme. Ein Künstler, der ganz bei sich ist und seinen Weg von Leipzig aus geht.

www.twowoodenstones.com