„Diese Skulptur symbolisiert unsere Überzeugung, die wir hier vor Ort leben: Wir können es nur MITEINANDER schaffen“, sagt Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz. MITEINANDER ist 2,27 Meter hoch, 15 Meter lang und 1,5 Tonnen schwer. Nach dem Aufstellen des Kunstwerkes bemalten und besprühten Kindergartenkinder, Schüler, Asylbewerber und Bürger die Buchstaben

Mehr als nur ein Wort: Kunstprojekt MITEINANDER wirbt für Toleranz und Respekt

Anfang Oktober im sächsischen Heidenau. Die Herbstsonne strahlt satt auf den Platz der Freiheit, wo der Freitaler Künstler Olaf Stoy steht. Sein Blick gleitet über die fast fertige Skulptur. „MITEINANDER“ steht da in riesigen Stahlbuchstaben. „Wow, großartig geworden“, sagt er beeindruckt. Das Kunstwerk ist 2,27 Meter hoch, 15 Meter lang und 1,5 Tonnen schwer. Geschaffen hat es Hüseyin Arda. Der kniet gerade vor dem „T“ und verschweißt den Buchstaben mit der Bodenplatte. Was soll das alles bedeuten? Miteinander? Aus Stahl? Olaf Stoy erklärt: „Kurz nachdem Freital und Heidenau aufgrund der ausländerfeindlichen Krawalle in allen Medien waren, haben wir beschlossen, ein Kunstprojekt zu starten. Wir wollten zeigen, dass es anders geht und anders gehen muss.“ Und so entwickelte Olaf Stoy mit dem deutsch-türkischen Künstler Hüseyin Arda und Jens Jähnig, Unternehmer aus Dorfhain bei Freital, die Idee für diese „Miteinander“-Skulptur. Ein starkes Symbol für ihre Haltung sollte es sein, Denkanstoß, Gesprächsangebot.

„Manchmal ist es eben wichtig, einfach loszulegen und anzupacken“

„Danach ging alles ganz schnell“, erzählt Stoy weiter, „Jens Jähnig hat zugesagt, Sponsoren zu akquirieren und sich um die Organisation zu kümmern. Ja, und was der Jähnig sagt, das macht er auch.“ Und wirklich, der 50-jährige Unternehmer trommelte in kürzester Zeit 15 Sponsoren zusammen, darunter die Dr. Köhler GeoPlan GmbH aus Weimar und die Friedr. Ischebeck GmbH aus Ennepetal. Außerdem bekam er eine Menge positiver Rückmeldungen. „Das hat uns Kraft gegeben und Mut gemacht. Manchmal ist es eben wichtig, einfach loszulegen und anzupacken“, sagt Jähnig. Er ist inzwischen auch in Heidenau eingetroffen, hat sich für die Einweihung der Skulptur am späten Nachmittag noch fix umgezogen. Zuvor hatte er zusammen mit den Künstlern die Buchstaben aufgebaut. „Wir möchten mit unserer Aktion wieder in eine respektvolle Kommunikation finden. Die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der weltweiten Flüchtlingsthematik lassen sich nur gemeinsam lösen.“ Wichtig ist Stoy, Arda und Jähnig, dass das Kunstwerk auch für die vielen kleinen Initiativen steht, die es zwischen den Heidenauern und Flüchtlingen ganz konkret gibt – eine junge Frau gebe ehrenamtlich Deutschunterricht, Patenschaften seien entstanden, Kirchgemeinden böten Konzerte an.

Miteinander aus Überzeugung

Und dann wird es so, wie es sich die drei Initiatoren gewünscht haben. Es ist inzwischen kurz vor fünf. Der Platz der Freiheit füllt sich. Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz begrüßt Stadträte, Vertreter von Vereinen, Kirchen, Flüchtlingsfamilien, Kinder vom Kinder- und Jugendhaus und junge Leute vom Jugendbeirat: „Wir haben uns sehr über die Anfrage gefreut, ob wir als Stadt einen zentralen Standort zur Verfügung stellen können. Die Skulptur symbolisiert unsere Überzeugung, die wir hier vor Ort leben – wir können es nur MITEINANDER schaffen.“ Alle spüren, wie ernst es dem Stadtoberhaupt mit diesem Thema ist, dass es für Opitz eine Herzensangelegenheit ist, seine Stadt wieder in ein friedliches Miteinander zu leiten.

Klares sächsisches Statement
Nach den kurzen offiziellen Worten machen es wie so häufig die Kinder den Erwachsenen vor: Sie strömen zu den Farbtöpfen und drücken knallbunte Handabdrücke an den rostigen Stahl. Jugendliche schnappen sich die Spraydosen und sprühen „Miteinander“ in 18 verschiedenen Sprachen an die Skulptur – der Ablaufplan ist Makulatur geworden. Egal. Das Kunstwerk beginnt zu leben. Die Erwachsenen trauen sich nun auch. Und was, wenn es beschmiert wird? „Ach, das halten wir aus, an Kunst soll man sich reiben können“, sagen die drei Initiatoren, Bürgermeister Opitz nickt zustimmend. Zwei, drei Monate soll „MITEINANDER“ hier stehen bleiben und danach weiterziehen und in einer anderen Stadt aufgestellt werden. Jens Jähnig, der umtriebige Unternehmer, hat eine klare Vision: „Wir wollen eine weitere Skulptur, ‚FRIEDEN‘, in Freital errichten. Unsere Vision ist, dass die Skulpturen im nächsten Jahr in Berlin vor dem Kanzleramt stehen und als klares sächsisches Statement in die Welt leuchten.“