Fast „über Nacht“ wurde Daniel Molitor Leiter einer Flüchtlingsunterkunft in Dresden. Seitdem tut er einfach, was er für nötig hält – mit viel Herzblut und engagierten Unterstützern.

Die Stellenanzeige als „Heimleiter“ interessierte Daniel Molitor. Der gelernte Koch hatte zuletzt als Ausbilder in der Jugendhilfe gearbeitet und ein Job mit Menschen schien ihm passend. „Dass es sich um ein Wohnheim für Flüchtlinge handelt, habe ich erst beim Bewerbungsgespräch erfahren“, sagt er – und nahm die Herausforderung an. Im früheren Hotel „Lindenhof“ im Dresdner Westen trägt er nun Verantwortung für die Verwaltung des Wohnheims und für 30 Flüchtlinge aus Afghanistan, Indien und Syrien. Vor allem Letzteres nimmt der 32-Jährige ziemlich persönlich. Sein Motto: „Nationalität und Religion spielen im Heim keine Rolle. Hier gibt es nur Freunde.“

Reden, reden … und einiges mehr

Wenn Molitor durch das Wohnheim führt, begegnet man fast ausschließlich jungen Männern. Viele grüßen kurz, die meisten wirken sehr zurückhaltend, fast schüchtern. „Die Altersspanne liegt hier zwischen 18 und 54 Jahren“, erklärt der Heimleiter, und „trotz unterschiedlichster Herkunft gibt es kaum Schwierigkeiten zwischen den Bewohnern.“ Damit das so bleibt, fordert der Heimleiter gegenseitigen Respekt und Ordnung in den Zimmern. Wie zum Beweis heult nebenan ein Staubsauger auf.

So entspannt war der Alltag im „Lindenhof“ nicht immer. Viele Anwohner waren besorgt, und über Wochen versammelten sich Gegner des Heims jeden Tag auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Die habe ich inzwischen totgeredet“, sagt Daniel Molitor augenzwinkernd und ist offenkundig froh, dass er jetzt tagsüber auf den Sicherheitsdienst verzichten kann. „Aber im Ernst: Reden, reden, reden ist das Wichtigste, um Ängste oder Vorbehalte abzubauen“, sagt er. Wenn er im Garten mit den Bewohnern aufräumt, sucht er immer wieder das Gespräch mit den Nachbarn und ist sicher, dass „sich das lohnt“.

Zufrieden ist er allerdings trotzdem nicht. Denn wenn im Wohnheim alles glatt läuft, sieht er damit nur eine Hälfte seiner Aufgabe erfüllt.

Chancen schaffen

Die andere Hälfte hat mit der Perspektive zu tun, die Molitor seinen Bewohnern bieten möchte: „Wenn man es aus Afghanistan hierher geschafft hat, kann das hier ja nicht die Endstation sein.“ Deshalb hat er ehrenamtliche Helfer gefunden, die inzwischen mehrere Deutschkurse auf unterschiedlichem Niveau anbieten. Gelegentlich gibt eine Hauswirtschafterin Tipps zum Wäschewaschen und Bügeln, nächste Woche kommen zwei Bauingenieure, mit denen im Hof gemeinsam ein Grillplatz aus gespendeten Ziegeln gemauert werden soll.

Vor allem für die jüngeren Flüchtlinge sucht Daniel Molitor Praktikums- und Ausbildungsplätze. „Sechs Zusagen habe ich schon“, sagt er. „Viel geht in der Gastronomie und meine syrischen Architekturstudenten bekommen ihre Chance als Bauzeichner.“

Zu diesen Erfolgserlebnissen kommen aber auch immer wieder Enttäuschungen im Alltag. „Viele Bewohner würden gern Sport machen und ins Fitnessstudio gehen“, erzählt er. Die Monatsbeiträge könnten sie zwar finanzieren, aber „entweder will man sie nicht in den Klubs haben oder sie sollen Zweijahresverträge abschließen und alles im Voraus bezahlen.“ Das ärgert Daniel Molitor und spornt ihn zugleich an. „Vielleicht finde ich ja einen Spender für ein paar Kraftmaschinen“, meint er. Ein nächstes Projekt.