Mit dem Onlineportal ichhelfe.jetzt bringt ein Dresdner Sozialunternehmer ehrenamtliche Hilfe und Sachspenden dahin, wo sie gebraucht werden.

Wenn plötzlich viele Menschen in Not geraten, ist die Hilfsbereitschaft oft groß, weiß Johannes Bittner. Doch der Mediziner weiß auch: „Wenn eine Krise akut ist, dreht sich alles um die Hilfsbedürftigen und kaum jemand kann sich um die Helfer kümmern.“ Als vergangenes Jahr in vielen Kommunen plötzlich hunderte oder gar tausende Flüchtlinge versorgt werden mussten, zeigte sich das Problem wieder deutlich: „Manche Leute wollten Sachen spenden und wurden an den Flüchtlingsunterkünften abgewiesen, andere boten vergeblich ihre Unterstützung an“, erinnert sich Johannes Bittner. Der Frust der verhinderten Helfer und das verschenkte Hilfspotenzial waren der Anlass für ihn, eine Lösung für das Problem zu suchen – und der Startschuss für das Onlineportal ichhelfe.jetzt.

Sozialunternehmer Dr. Johannes Bittner hat das Portal ichhelfe.jetzt ins Leben gerufen.

Sozialunternehmer Dr. Johannes Bittner hat das Portal ichhelfe.jetzt ins Leben gerufen.

Bereit zur rechten Zeit

Das Portal ist als Schnittstelle zwischen Hilfsorganisationen und Menschen konzipiert, die Sachspenden oder Zeit anbieten möchten. Die Funktionsweise vergleicht Initiator Bittner gern mit der Knochenmarkspenderdatei: Potenzielle Spender können sich registrieren und werden im Bedarfsfall kontaktiert. Bei ichhelfe.jetzt lassen sich so mit wenigen Klicks etwa Kleider- und Möbelspenden anbieten oder eben „Zeitspenden“. Wer Deutschunterricht geben möchte, als Dolmetscher aushelfen kann oder ein paar Stunden Kinderbetreuung leisten möchte, trägt das in sein Profil ein. Damit entsteht eine gewaltige Datenbank hilfsbereiter „Reservisten“, auf die bislang mehr als 140 Hilfsorganisationen zugreifen können. Damit sollen bei großem Hilfebedarf rasch die richtigen Helfer erreicht werden – aber auch im Alltag funktioniert das Konzept schon gut.

Das Bündnis „Willkommen in Johannstadt“ findet über ichhelfe.jetzt ehrenamtliche Helfer für Projekte wie den MS-Office-Kurs.

Das Bündnis „Willkommen in Johannstadt“ findet über ichhelfe.jetzt ehrenamtliche Helfer für Projekte wie den MS-Office-Kurs.

Für ein gutes Miteinander

Michael Krauß koordiniert ehrenamtlich die Helfer im Dresdner Nachbarschaftsnetzwerk „Willkommen in Johannstadt“. Der 42-jährige Techniker setzt seit März auf das Angebot von ichhelfe.jetzt und ist sehr zufrieden: „Wir können ganz gezielt nach Menschen suchen, die wir für konkrete Aufgaben brauchen“, erzählt er. Über die Datenbank findet er neben Sachspenden auch Menschen, die Flüchtlinge als „Wohnungspaten“ beim Start in Johannstadt begleiten. „Neben der Integrationsarbeit mit Flüchtlingen nützt uns das Portal auch, wenn wir beispielsweise Ehrenamtliche suchen für Kinder, die in der Schule Unterstützung brauchen.“

Neben den Hilfsorganisationen möchte Johannes Bittner in Zukunft auch Kommunen für das Portal begeistern. „Das Städtchen Bensheim in Baden-Württemberg verwaltet schon das gesamte ehrenamtliche Engagement seiner Bürger mit unserem System“, sagt Bittner. In Sachsen machen die Städte Dresden, Pirna und Glashütte bereits ihre ersten Erfahrungen damit. Tendenz steigend.