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WIR SIND "So geht sächsisch."

José Luis Gutiérrez Hernandez

Erzgebirge
„Ich bin dieser Stadt du dieser Region auf ewig dankbar!”
José Luis Gutiérrez Hernandez

José Luis Gutiérrez Hernandez ist Mexikaner wie er im Buche steht: stolz, temperamentvoll, familienverbunden. Und er ist Dirigent und Kapellmeister am Mittelsächsischen Theater Freiberg. Eine bemerkenswerte Reise liegt hinter dem gerade mal 28-jährigen Pianisten, der seit August 2020 der Mittelsächsischen Philharmonie vorsteht. Geboren 1995 in Mexiko, begann er im Alter von zehn Jahren mit dem Klavierspiel und hatte rasch erste Wettbewerbserfolge. Sein Interesse am Dirigieren führte ihn über Meisterkurse nach England, Deutschland, Italien und Mexiko bis ans Tiroler Landeskonservatorium in Innsbruck, wo er 2015 sein Dirigierstudium mit Auszeichnung abschloss. Seit Januar 2019 ist José Luis Gutiérrez am Mittelsächsischen Theater engagiert. Wir haben mit ihm über seine neue Heimat Sachsen gesprochen.

Sie sind noch nicht einmal 30 Jahre alt und haben bereits viel von der Welt gesehen. Wie hat es Sie nach Sachsen verschlagen?
Aus beruflichen Gründen: Nach dem Studium wollte ich so schnell es geht professionelle Erfahrungen sammeln. Glücklicherweise haben das Mittelsächsische Theater und ich uns schnell gefunden. Seitdem habe ich unzählige tolle Projekte in der Region erarbeiten können. Ich bin dieser Stadt und dieser Region auf ewig dankbar.

Hat Sachsens starke musikalische Tradition eine Rolle gespielt bei Ihrer Entscheidung, hier zu leben und zu arbeiten?
Nicht direkt bei der Entscheidung, denn man geht dahin, wohin man berufen wird. Aber in der Tat: Sachsen ist voller Musik- und Kunstgeschichte. Ich bin sehr glücklich, diese Gegend entdeckt zu haben. Allein das Theater, wo ich praktisch jeden Tag verbringe, ist das älteste Stadttheater der Welt! Sachsens Musiktradition und Klangkörper bewundere ich sehr. Dieses Land ist voller Geschichte, und sie wird jeden Tag weitergeschrieben. 

Was haben Sie an Sachsen besonders liebgewonnen seit Sie hier leben, was vermissen Sie am meisten an Ihrer Heimat Mexiko?
Ich finde den Lebensstil schön, bescheiden und gemütlich. Ich erlebe einen ruhigen Alltag, abgesehen vom Theaterbetrieb natürlich. Alles sehr bodenständig. Das gefällt mir sehr. Wenn ich an Mexiko denke, denke ich natürlich zu allererst an meine Familie. Und dann an das Essen.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Sachsen und Ihren Landsleuten?
Die Menschen sind sehr freundlich – dort wie hier. Mir fällt es schwer zu generalisieren; ich kann nur sagen, dass ich mich an beiden Orten unglaublich wohl fühle. 

Wie sind Sie hier aufgenommen worden? Was war die schönste Begegnung, die Sie in Sachsen hatten?
Mit offenen Armen, würde ich behaupten. Von Anfang an war es ein sehr warmes Willkommen. Ich hatte Deutsch während meiner Zeit am Landeskonservatorium in Innsbruck gelernt und dachte, mit dem Tiroler Dialekt für alles gewappnet zu sein. Dann kam ich nach Sachsen (schmunzelt). Es war lustig, dem sächsischen Dialekt zu begegnen, und ich bin noch lange nicht fertig damit, neue Wörter zu lernen.

Nun konnten Sie die Sachsen schon ein wenig kennenlernen – was bedeutet für Sie „typisch sächsisch.“?
Schwibbögen und Weihnachtspyramiden hinzustellen, sobald man die Chance hat! Ich liebe sie.

Haben Sie ein sächsisches Lieblingsgericht?
Eher ein Gebäck. Ich kann nicht mehr ohne Stollen leben.

Was ist Ihr sächsisches Lieblingswort?
Färdsch!

Welches sind Ihre nächsten musikalischen Projekte, die Sie in Freiberg vorantreiben wollen?
Musiktheater-Stücke wie „Rigoletto“, „Der Zarewitsch“ und „Fast Normal“, im Februar ein Sinfoniekonzert, im Mai dann eine Neuproduktion von Carmen. Ich freue mich schon sehr darauf!