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Ein Leben für die Musik und für Dresden

Dresden, am 28. Dezember 2023. Die Elbe führt Hochwasser. Wer von der Altstadtseite aus auf den Fluss schaut, traut seinen Augen nicht: Vier Männer legen mit einem kleinen Boot vom Salonschiff “August der Starke” ab. Einer hält ein E-Piano in den Armen. Es ist der Dresdner Pianist Dirk Ebersbach. Seine Jobs auf der Elbe fallen zwar aus, an Land aber gibt es zu dieser Jahreszeit genug zu tun, und dazu braucht es das Instrument.

“Ich bin bekennender Dresdner, ich liebe diese Stadt” 

Neben dem Klavier hat Dirk Ebersbach noch eine weitere Leidenschaft: seine Heimatstadt. So hat er als Vorstandsvorsitzender des “Weiße Flotte Dresden e. V.” im Jahr 2020 maßgeblich zur Rettung der insolventen sächsischen Dampfschiffahrt beigetragen. Hoppes Hoftheater im Dresdner Ortsteil Weißig ist ein weiteres Herzensprojekt, für das er sich auch hinter den Kulissen engagiert.

Ende der 1980er Jahre war Dirk Teil der in der DDR nicht gerade unbekannten Band LOTOS, die Antwort auf Depeche Mode zu jener Zeit. „Eigenes Management, eigene Bühne, einen LKW - wer hatte das schon?”, erinnert sich Ebersbach. Auf Konzerten standen Musiker anderer Bands Schlange, um einen Blick auf Dirks Equipment zu werfen: „Sampler oder Atari Computer? Das war eine Sensation damals.“

Mit der Wende aber stand niemand mehr Schlange. Der Traum von der großen Karriere zerplatzte schlagartig. Um an Geld zu kommen, verscherbelte Ebersbach seine Technik und jobbte in einem Musikladen. Eine schwierige Zeit. Sein Wissen über Synthesizer, Sampler und ähnliches war Gold wert, von vielen Seiten wurde er damals bestärkt, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. So besann er sich auf seine musikalische Ausbildung, die er an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ genossen hat und traf den Entschluss, eine eigene Musikschule aufzumachen. Und na klar, sollte diese den Namen seiner Lieblingsstadt im Namen tragen. Es war die Geburtsstunde der Dresdner Tastenschule.

Die Dresdner Tastenschule

Los ging es mit einer Handvoll Schüler, in Dirks Wohnzimmer am privaten Flügel. 1994 war das, dem offiziellen Gründungsjahr der Dresdner Tastenschule. Dirk setzte zunächst auf Gruppenunterricht mit Keyboards, was damals den Nerv der Zeit traf: „Die haben uns am Anfang die Bude eingerannt”. Heute zählt die Dresdner Tastenschule fünf Standorte, 16 Lehrer und rund 500 Schüler. Einige davon sind der Tastenschule von Anfang an treu geblieben, andere bringen mittlerweile ihre Kinder zum Unterricht. An vier Tagen in der Woche gibt Dirk selbst Unterricht.

Und dann kam Corona

Zum zweiten Mal nach der Wende stand Dirk vor einer ungewissen Zukunft: geschlossene Bars und Restaurants, keine Veranstaltungen, kein Musikunterricht. Dirk erarbeitete Konzepte für Online-Unterricht, stattete seine Lehrer mit E-Pianos und Tablets aus. Im Lockdown gab er selbst bis zu 7 Stunden täglich online Klavierstunden. Was für ihn Stress pur war, war für Schüler und deren Familien ein wichtiger Fixpunkt im Alltag. 
 

“Ich bin jemand, der nie nach hinten guckt, damit halte ich mich gesund”

Egal, was kommt, Dirk Ebersbach schaut immer nach vorn. Immer an seiner Seite: seine Frau. „Hochintensive Jahre” liegen hinter den beiden. Während er die Karriere ankurbeln konnte, entschied sie sich ganz bewusst für das Familienmanagement und trat im Job kürzer. Kennengelernt haben sich die beiden übrigens 1986 im Görlitzer Tanzlokal „Zwei Linden”. Dort spielte Dirk mit LOTOS. Die Band fand sie nicht so toll, den Keyboarder schon.