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Traditionen und Bräuche

Geheimnisvolle sorbische Weihnacht

Oberlausitz

Das Schleifer Christkind

In der Adventszeit kommt in den Dörfern des Schleifer Kirchspiels das Christkind (dźěčetko) zu den Kindern. Es bringt ihnen nicht die großen Geschenke, mit denen der Weihnachtsmann unterwegs ist. Die Aufgabe des Christkinds ist die Weitergabe des Segens. Es streichelt den Kindern dreimal mit dem Handrücken über die Wangen – das soll Gesundheit und Glück für das kommende Jahr bringen. Dazu verteilt es kleine Gaben wie Nüsse, Äpfel und Pfefferkuchen. Älteren Menschen kann es, ebenfalls zum Zwecke der Gesundheit, seine aus Ginster und Birke gebundene Lebensrute auf die linke Schulter legen.

Das Christkind trägt eine ganz besondere Variante der Schleifer Tracht. Jedes Dorf hat seine eigene Tracht entwickelt und jedes Christkind beschert auch nur dort. Es darf der Sage nach die Ortsgrenze nicht überschreiten.

Das Schleifer Christkind erkennt man an der blauen Schleife, die es 1918 bei der ersten Friedensweihnacht nach dem I. Weltkrieg bei der Einsegnung in der Schleifer Kirche vom damaligen Pfarrer Handrik angesteckt bekommen hat.

Jeweils am 1. Advent wird das Schleifer Christkind in der Kirche eingesegnet. Im Sorbischen Kulturzentrum Schleife wird es dazu angekleidet. Dies dauert ungefähr zwei Stunden bis alle Schleifen, Bänder und der aufwendige Kopfputz richtig sitzen. Sein Gesicht ist verschleiert und es trägt Handschuhe, weil das junge Mädchen nicht erkannt werden soll. Zwei weitere Mädchen in der Schleifer Ausgangstracht, mit Blaudruckschürze und Jacke, begleiten das Christkind. Eines trägt die Laterne und das andere einen Korb mit kleinen Naschereien. Am Nikolaustag besuchen sie normalerweise die Kinder im Schleifer Kindergarten und in der Grundschule sowie die Senioren des Ortes. Auch auf dem Weihnachtsmarkt sind sie unterwegs.

Aufgrund der Corona-Pandemie entfallen jedoch leider viele dieser öffentlichen Termine in diesem Jahr. Doch zum nächsten Weihnachtsfest begibt sich das verschleierte Christkind wieder zu den Menschen und dann verteilt es Naschereien und segnet – ganz traditionell – mit einer sanften Berührung.

Fotos im Beitrag: Sorbisches Kulturzentrum Schleife

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