Urzeitkrebse trotzen der Schnelllebigkeit unserer Zeit. Bei Thorid Zierold dreht sich vieles um die sogenannten Triops, die auch als lebende Fossilien bezeichnet werden, weil es sie schon seit rund 300 Millionen Jahren in unveränderter Gestalt gibt.

Wir sind zu Besuch im Museum für Naturkunde in Chemnitz und bekommen von Thorid Zierold eine persönliche Führung. Die 39-Jährige ist als Kustodin für Naturwissenschaften und stellvertretende Museumsdirektorin ein Multitalent: Wissenschaftlerin, Öffentlichkeitsarbeiterin und Sportlerin. Fast wäre aus ihr sogar eine Astronautin geworden … Sie erzählt, was eine Kustodin macht: „Ich bin sozusagen die Hüterin der Schätze, kümmere mich um die Sammlungen, bin für die Sonderausstellungen und die Öffentlichkeitsarbeit bei uns am Museum zuständig. Außerdem forsche ich an ‚meinen’ Urzeitkrebsen.“

Thorid Zierold, Kustodin im Museum für Naturkunde in Chemnitz.

Zu ihrem Forschungsthema fand die gebürtige Erzgebirgerin schon während ihres Geoökologiestudiums an der TU Bergakademie in Freiberg. Auch ihre Promotion drehte sich um die Triops. Nach ihrem Aufbaustudium in Großbritannien bekam sie das Angebot, 2007 nach Sachsen zurückzukehren. „Ich hab’ mich gefreut, nach drei Jahren wieder zu Hause zu sein. In England haben mir außerdem die Berge gefehlt“, lächelt Zierold, die die Liebe zur Natur von ihrer Mama hat. Außerdem fährt die Wissenschaftlerin als Ausgleich zu ihrem Job begeistert Mountainbike, „da ist es sehr praktisch, das Erzgebirge vor der Tür zu haben“.

Mountainbiking: nur eine der vielen Leidenschaften der vielseitigen Wissenschaftlerin.

An den Triops forschte Thorid Zierold weiter. Mit Erfolg. Astrobiologen wurden auf ihre Forschungen aufmerksam und sie bekam eine Einladung zu einer Weltraumkonferenz. „Nach Algen und Flechten war eine höhere Lebensform gefragt, die man der Weltraumstrahlung aussetzen wollte und so habe ich 2011 die trockenresistenten Eier der Triops aus Sachsen zur Internationalen Raumstation ISS geschickt“, erzählt sie. „So entstand der erste Kontakt mit astrobiologischer Forschung. Und dann hat mein Freund 2016 zufällig die Ausschreibung von dem Projekt ‚Die Astronautin’ entdeckt.“ 2020 soll im Rahmen eines privatwirtschaftlich organisierten Vorhabens die erste deutsche Frau auf Weltraummission gehen. „Ich wusste sofort, das will ich probieren und habe mich beworben.“

Von über 400 hochkarätigen Bewerberinnen aus ganz Deutschland schaffte sie es bis unter die letzten 86. Und wie war es, als sie erfahren hat, dass sie nicht weiterkommt? „Klar war ich ein bisschen enttäuscht, aber nicht schlimm! Das, was ich im Rahmen der Auswahlrunden erlebt habe, war eine Bereicherung für mich. Ich habe so viele kluge, engagierte und tolle Frauen kennengelernt, mit einigen bin ich immer noch in Kontakt. Dafür hat es sich auf jeden Fall gelohnt.“ Alle Wissenschaftlerinnen eint, dass sie sich für Nachwuchsarbeit starkmachen. „Wir möchten, dass sich noch mehr Mädchen für naturwissenschaftliche und ingenieurtechnische Berufe interessieren.“

Thorid Zierold leitet deshalb beispielsweise die Naturforschergruppe am Museum für Naturkunde Chemnitz. Das ist eine monatliche Arbeitsgruppe für Kinder. „Mädchen sollen die Scheu vor Naturwissenschaften verlieren. Ich erlebe es häufig, dass bei Fragerunden hier im Museum die Lehrer bei einer Frage zuerst die Jungs ansprechen. Mir liegt am Herzen, dass sich alle Kinder mit Naturwissenschaften beschäftigen, nicht nur Jungs. Ich möchte den Kindern – Mädchen wie Jungen – beibringen, dass alles möglich ist, was sie wirklich wollen.“

Sagt es und holt aus dem Insektarium des Naturkundemuseums ein Terrarium. Darin wohnt Sissi, eine gut genährte, schwarzbraune Vogelspinne, so groß wie ein Handteller. Thorid Zierold nimmt sie ohne Angst ganz behutsam auf ihre Hand. Gefährlich sind die hochgiftigen Gliedertiere nämlich nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Dann streifen sie zuerst Härchen vom Hinterleib ab und beißen bei weiterem Stress zu. „Aber das seh’ ich ja schließlich. So kann doch nichts passieren.“ Stimmt. Man kann fast alles schaffen, wenn man es nur will. Auch Vogelspinnen auf die Hand nehmen.

Im Museum für Naturkunde gibt es auch ein Insektarium. Eine der Bewohnerinnen ist Sissi, eine Vogelspinne.

Alumni-Porträt https://www.youtube.com/watch?v=Sr1khPji5d8

Das Mountainbike ist für Zierold gleichzeitig Ausgleich und Kick.